Band 
Zweyter Theil [4].
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2010
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2010

V a r e l st.

erwiederte er: »Ich bin König der Blumen, Erist König von England; warum können wir nichtvertraut mit einander reden?" Da diese Geistes-Zerrüttung immer bedenklicher wurde, so mußteman ihn zuletzt einsperren. Er erhielt zwar inseinen letzten Tagen seinen Verstand wieder,aber sein Genie war entflohen. Er starb hochbejahrt ums Jahr 1710. Don seinen Arbeitenerwähnt Lvalpole folgende Stücke: Ein Bildnißdes Königs, der Königin und der Herzogin vonPortsmouth , drei halbe Figuren; eine Landschaft,ein Blumen- und ein Frachtstück, sämmtlich inder Sammlung Iacob's II. Lord Pomfredhatte von ihm 9 Blumenstücke. Fiorillo V.456Z8.

v«reist ( ), Tochter des obigen Her-

mann, ein liebenswürdiges Mädchen, welchesich ebenfalls der Kunst befließ, Geschichte,Bildnisse und Anderes in Oel malte, musikalischeKenntnisse hatte, und der lateinischen, deutschen,französischen u. a. Sprachen mächtig war. Fio-rills V. 7 ,Zg.

varenne ( ). So wird im Klmsnncb

6es 6ea>ix--Vr:8 i8uZ. ein Künstler unter dendamals zu Paris lebenden Landfchafts- Marinen-und Architekturmalern rubrizirt. Im Klmansclrän Lomrnerce «ls ?arls i8n. erscheint er dortnicht mehr. S. auch Gluirir in künftigen Nach-trägen.

* vargas (Andreas de). Einige setzen seinGeburtsjahr in ivrö. Sehr frühe wurde er sei-nem Meister F. Camilo zu Madrid übergeben,und machte bey demselben schnelle Fortschritte,besonders im Colorit. Spälher schien ihn seinLehrer, oder er denselben vernachlässigt zu haben.Alsdann kehrte er nach seinem Varerort Cuencaszurück, wo er (wie Einige behaupten) bis an sei-nen Tod verblieb. »Immerhin" (heißt es beyFrorlllo IV. 352 .)malte er mit »«gemeinemBeyfall, und würde es zu einer großen Vollkom-menheit gebracht haben, wenn er nicht, aus Ge-winnsucht, zu schnell und flüchtig gearbeitet hätte.Einige schöne Bilder von ihm befinden sich zuMadrid ".

* (Ludwig de), richtiger, als im Lex.geb. zu Sevilla rbos. und gest. i 568 .Der-selbe" (heißt es bey Frorlllo IV. 9497.)warder erste, durch dessen Bemühungen die Kunst inAndalusien von dem beschränkten, harren Styl,den man den Gothischen nennt, frey gemachtund ein guter Geschmack in Oel und al Freskozu mahlen eingeführt wurde. Er erwarb sichfrühzeitig eine große Leichtigkeit, den Pinsel zuführen, da er die sogenannten Sargastapetenmalte, ging aber in der Folge nach Rom , woer, wie man glaubt, ein Zögling des Pierino del Vaga wurde, weil seine Werke mit denendieses Meisters ziemlich viel Aehnlichkeit haben.Nach der Angabe des Palomino ^ursieben Jahre, nach dem pacheco aber, der bey-nahe sein Zeitgenosse war, acht und zwanzigJahre in Italien . Das erste Werk, das manvon ihm in Sevilla findet, stellt eine Ge-burt des Heilandes dar, und ist wahrscheinlichim Jahr i 555 . verfertigt worden. Es hat dieUnterschrift: I'unc äiscebnnr I^uisins äs Vär-8ss und steht in der Kathedralkirche *). Ineiner Seitenkapelle trifft man drey andre Gemälde

Vargas.

von ihm an, worunter eins, das die zeitige (?) Ge­ burt Christi enthält, das berühmteste ist. Manerblickt darauf Adam und Eva, einigt Patriar-chen und die Madonna mit dem Kinde. DiesBild ist unter dem Namen la Gamba bekannt,den eine von polomino erzählte Anekdote veran-laßt hat **). vargas lies sich in seiner Vater-stadt nieder und erhielt den Deynamen des Aus-serordentlichen (Excellente), weil er wirklichalle seine Vorgänger übertraf. Seine Oel- undFreskomalereyen haben alle Eigenschaften derWerke berühmter Jkaliäner. Die Umrisse sindbestimmt, die Formen großartig, die Verkürzun-gen stets tadelfrey, die Tinten und der ganzeFarbenton brillant und die Falten mit Wahlgeworfen. Dabey besitzen seine Figuren den er-forderlichen Charakter, viel Natur, Ausdruck undAdel. Die Beywerke sind treu aus der Naturgeschöpft; und gewiß würde es ihm gelunAenseyn, alle seine Zeitgenossen zu übertreffen, hatteer mehr Aufmerksamkeit auf die Abfälle von Lichtund Schatten, und auf den harmonischen Ein-klang des Ganzen gewendet, worin es nur diegroßen Männer der Venezianischen und Lombar-dischen Schule so weit gebracht haben. Uner«achtet viele Werke dieses Künstlers, die sich inSevilla zerstreut befinden, theils ungeschickt retou-chirt, theils durch die Länge der Zeit fast völligzerstört sind, so haben sich dennoch glücklicherWeise einige wenige der beßten erhalten. Dahingehören die Frescomaicreyen in der Kathedrale von Sevilla , nämlich das Bild in der Capelledes H. Lorcnz, das die Geburt des Heilandes,die Ankündigung Mariä, die Anbetung der Mor-genländischcn Könige, die Deschneidung Christiund die vier Evangelisten darstellt; wie auch dasbereits oben erwähnte Gemählde della Gamba.In dem Hospital der H. Martina findet manein köstliches Werk von ihm, nämlich eben diese,wie sie das Brod, das ihr ein Engel in einemKorbe reicht, unter die Armen austheilt; inSanta Cruz eine Vorstellung Christi im Tempel,und in Santa Maria la Bianca einen todten Chri-stus in den Armen der Maria, mit einigen Hei-ligen. An der einen Seite steht St. Franciscus,der die Stigmata erhält und an der andern dieDonatacien des Bildes, vargas war in Ge-sellschaft angenehm, geistreich und witzig. Alsihm z. B- einst ein schlechter Maler einen Chri-stus am Kreuz zur Beurtheilung brachte, gab erihm zur Antwort: Daß Christus wirklich zusagen schiene: Herr, vergib ihnen, sie wissennicht was sie thun". Bey LVareler und l'Eves-qire lesen wir, uns unverständlich:Es heisst,daß seine Strenge (868 Lüsternes, etwa wie erdie Stümper behandelte?) sein End beschleunigthätten". In Deutschland befindet sich, unsersWissens, nichts von seiner Arbeit. Dagegenbesaß einst die Gallerte Grleans von ihm eint? ho-hes und Z/, ir" breites Bild i» lebensgroßenFiguren: St. Johann in der Wüste, der inziemlich ungezwungener Stellung sein Kreuz hält.Nach ihm hat P. Bailleu die Vergabung Con-stantins an St. Peter gestochen.

vargas (Marchese von), ein SpanischerGroßer unter der Regierung Carl V. und Kunst-dilettante, der einen schönen Pallasi aufführen,und mit Malereyen auszieren ließ. FiorilloIV. 55.

") In eben diesem Jahre malte vargas eine Madonna mit dem Rosenkränze an einen Pfeiler der Kirchedes heil. Paulus rn Sevilla al Fresko; allein das Vllv eristirt nicht mehr.

"') In der Kirche, worin sich dieß Bild befand, hatte ein Römischer Maler. Matteo Pietrv dl Alelslo. einencolvssalischen heil. Christoph gemalt; als aber Aleffko das Bild des vargas und vorzüglich das Bem desAdam, das in Verkürzung gemalt war, betrachtete, rief er aus: pi» vai« ia tua c>,s u mio rane:llr,8tüpiwro (»dein Bein ist mehr werth als meiu heil. Christoph") und -lug nach Italien mit der Ver«sicherm»« zurück, daß kein Fremder in der Nähe eines vargas arbeite» dürfe. Die ganze Anekdote scheint,edoch ein Märchen zu sevn; denn der heil. Christoph des Wessis wurde zufolge einer Inschrift im-s- >58i. vollendet. Vargas war aber bereits im I. -563. gestorben.