Vecellio.
verschiedener anderer Arbeiten für eben diesen Für sten , und dessen Bruder, den Kardinal, hier nichtzu gedenken. In ihZo. begab sich vecelli zur Krö-nung CariS V. nach Bologna , wohin der Kardi-nal Hypolik von Medicis ihn eingeladen hatte.Hier malte er dieses Reichsoberhaupt zum ersten-mal *). Nach seiner Rückkehr gen Venedig dann,fertigte er viele Werke für verschiedene dasigeKirchen aus, und malte, auf Befehl des Senatsdie Bildnisse der denkwürdigsten Personen dieserRepublick **), was ihm ein jährliches Gehalt von400 Scudi verschaffte. In i 54 i> sah man vonihm das Bildniß des damaligen Kais. Gesandtenzu Venedig , Don Diego's di Mendoza, welchesaußerordentlich wohl gcrieth, und, vasari zufolge,den Gebrauch, Bildnisse stehend und in ganzerStatur zu malen, zuerst aufbrachte. Für denRathssaal stellte er ein Gefecht zwischen den Ve-netianischen und Kaiserlichen Flotten, im Augen-blick eines Meersturmes dar "*). Die glücklicheAusführung eines so großen Gegenstandes über-traf alle Erwartung, und nöthigte den Neid, derihn bloß als Bildnißmaler loben wollte, znmSchweigen -fi). — Zu seinem übrigen Vorzüglich-sten dann zu Venedig gehört sein Peter der Mär-tyrer, einst in St. Johann und Paul daselbst,dann (für eine Weile), nebst fünf andern Bilderndes Unsrigen nach Frankreich gewandert.
„Wiewohl nun dasselbe" (heißt es bey FiorilloII. 71—81.) „an der Klarheit und Kraft des Ko-lorits etwas verloren hat, so zieht es doch dasAug zrrr lieblichsten Dezauberung an sich. Einigesind der Meinung, daß die große Kunst der Far-bengebung und des Helldunkels die Hauptursachedavon sey; allein, ich für meine Person möchtejene zauberische Wirkung lieber der vollkommenenZeichnung und der getreuen Nachahmung desWahren zuschreiben. Das majestätische Gebüsch,an dessen Eingänge der Heilige angegriffen wird,das Schrecken seines fliehenden Begleiters, dievom Winde flatternden Kleider, deren Bewegungmit der des Gebüsches übereinstimmt, die gefühl-lose Grausamkeit des Mörders , die heitere Ruhedes Heiligen, und diese wahrhaft himmlischeGlorie zwey kleiner Engel, die mit den Attributendes Martyrerthums Herabschweben — alle diesmacht den Eindruck eines angenehmen Grausens,welches so entzückt, daß das Auge sich gar nichtwieder von dem Bilde losmachen kann. Wasmir aber immer die größte Bewunderung erregthat, ist die Komposition, daß nämlich ein sogroßer Raum so meisterhaft mit nicht mehr alsdrey Figuren ausgefüllt ist,- was ich als ein inseiner Art einziges Beyspiel der vortrefflichstenmalerischen Anordnung anführen möchte. Hiezukömmt nun noch die Einfachheit, welche allenWerken Tizians eigenthümlich ist, und jene Lo-kaltinten , welche nicht sowohl eine sich annäherndeVorstellung, als die Sache selbst sind. Der
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Heilige und sein Gefährte sind als Dominikaner in ihrer Ordenstracht, also weiß und schwarzgekleidet; nur an dem Mörder sieht man einigenackte Theile, und Kleidungsstücke von buntenFarben; und doch, welche Anmuth und Harmoniein dem Ganzen! Dann könnte» selbst die berühm-testen Landschaftsmaler an diesem Bilde noch ler-nen, Zweige und Blatter in der Verkürzung (?)zu zeigen, und den verschiedenen Charakter derBäume und ihre wahren Töne zu treffen. Inder That war es Tizian , der den großen Land-schaftsmalern, welche nach ihm kamen, die Bahnerst öffnete, welche aber von einem großen Theilder neuern Bearbeiter dieses Faches wenig mehrbetreten wird — jene mey'n ich, die dem bloßenEffekt Alles aufopfern, und den Gebrauch, dieFormen des Laubs zu charakterisire», ganz aufge-geben, so daß es bey ihnen (hört, hört!) nureinen einzigen Blatkerschlag giebt. Auch jene En-gelchen verdienen noch besondere Erwähnung. —Nach Ridolfi soll Tizian dabey eine antikeerhobene Arbeit, die man dem Phidias zu-schrieb , vor Augen gehabt haben. Zanerti hin-wieder halt sich überzeugt, daß er sich dabeynach den antiken Basreliefs gerichtet habe, die inder Kirche Santa Maria de' Miracoli unter derOrgel stehn, und einige Liebesgötter vorstellen,welche den Scepter des Jupiters und das Schwerstdes Mars tragen. Dieselben waren vormals inRavenna befindlich, und sind sicher von einerder geschicktesten Hände des Alterthums gebildet;die Formen gehören zu den schönsten und unmu-thigsten, die man sich denken kann; nur sind sievielleicht etwas genauer angedeutet, als es derWahrheit bey solchen kindischen Körpern gemäßist. Uebrigens ist es eine bekannte Sache, daßTizian in der Folge das große Vorbild in derAbbildung der Kinder ward, welche Poussin ,Flamingo, Algardi , und alle Andere, die sichhierin hervorgethan, nach ihm studirt haben, umsich jene naive Unschuld und anspruchlose Wahr-heit zu eigen zu machen, worin das Schöne indieser Gattung besteht — Nach einer lan-
gen Abschweifung über zwey Tizianische Bilderin Spanien , deren Beschreibung wir unten findenwerden, fährt Fiorillo also fort: „In der nahebey der Kirche St. Rochus zu Venedig stehndenSchule sieht man eine Verkündigung Maria, vonTizians beßter Zeit, aus welcher man erstehet,daß derselbe nicht bloß auf getreue Nachahmungder äußern Natur bedacht war, sonder» auch,wenn er wollte, den innern Gemüthszustand inlebendigem Ausdrucke darstellen konnte *). InSt. Nicolo de Frali dann findet sich ebenfallsein Bild von ihm, welches die H. Jungfrau inden Wolken, von St. Niclas und fünf andernHH. angebetet, darstellt, und zwar auf denersten Blick nicht gefällt, weil die Figuren miteiner gewissen Einfachheit, alle in andächtigen
hätte hingegen der Herzog von Buckingham diese Kunstjuwelen an sich gebracht, und nach d-sseir Tode wä,ren sie von Kaiser Ferdinand III. erstanden, und nach Prag gebracht worden, wo Sandrart nach denselbenstudirt, und Sadeler dann dieselben gestochen habe.
Dann 1552. wieder zu Bologna , und 1536. zum dritteumale, zu Asti , bey seiner siegreichen Rückkehr ausAfrika.
v'') Diese Bildnisse gierigen größtentheils, ebenfalls bey einem Brande zu Grunde.
-»»») x,b die Schlacht bey Cadvr, von welcher der wmklerische Katalog ein schlechtes Blatt kennt.
f) Auch dieses herrliche Werk wurde in jenem Brande zerstört, und ist nur in einem Blatte von Fontana aufuns gekommen.
-j-f) Diese fünf« wären nach Fiorillo: Die Dvrnenkrvuung aus St. Maria belle Grazie zu Mailand , dieEhebrecherin, von Verona ; die Ehebrecherin von Modena ; die Marter von St. paurcnz, aus der ehe-maligen Jesuiterkirche zu Venedig ; der Glaube, aus dem Pallaste des Doge daselbst.
kkt) Gestochen ist dieses berühmte Bild, in ältern Tagen von M. Rota (in Rücksicht auf die Figuren gut),spärerhin von V. le Fevre in dem bekannten Werke: Opera zslectinra, quse litlanus Vecellius st? Oa-Uari V. inven. etc. Venet. Lgo. in So. Tafeln, und in noch neuern Tagen von I. B. Jaksvn schon,in gelblickt Camaveu; in einem geistreichen Blatte auch von Domenic Denen, und von andern mittelmäßi-gen Stechern zum Lftern.
«) Diese Verkündigung ist wohl diejenige, welche V. le Fevre für das in der vorhergehenden Anmerkung ge-nannte Werk gestochen hat.