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Stellungen geordnet sind. Wenn man aber dasWerk näher betrachtet, so findet man eine solcheAnmuth und Bescheidenheit darin, daß man eslieb gewinnen muß *). Zairern bemerkt, daßder Künstler in dem Kopfe von St. Niclaus dieAntike, und zwar den Kopf des Laokoon (?) zuRathe gezogen habe. Auch befand sich in derSchule, worin Fernern zuerst in der Kunst un-terrichtet ward, nach seiner Angabe, wirklich einalter Gipsabguß vom Laokoon, wovon es hieß,daß er einst im Hause Tizians gestanden sey".— »Auch in seinem hohem Alter blieb derselbe(im Wesentlichen) allezeit groß und sich selbstgleich. Wahr ist's, man findet in seinen späternWerken nicht mehr jene Verschmelzung der Tinten,jene Verblascnheit, bis zu welcher er seine frü-hern ausgearbeitet hatte; die Partien darin sindentschieden und stark bezeichnet, mit kecken undmeisterhaften Strichen. Dies hat Einige zu demVorgeben veranlaßt, Tizian habe eine andereManier angenommen, wie sie denn der hierinallzeit fertige de Pikes ihn wirklich nicht minderals viermal verändern laßt. Das Gegründetean der Sache ist dies, daß Tizian , da er bey-nahe ein Jahrhundert lebte, das Aufkomme»vieler neuen Ideen in der Kunst bemerken mußte,die zum Theil aus der Schule des Michael An-gelo, zum Theil aus der Lombardie herfloffen.Er suchte daher auch sich etwas davon anzueig-nen, gab seinen Figuren mehr Bewegung, be-zeichnete das Helldunkel stärker als er ehedem zuthun gewohnt war, und ging auch in der Com-position künstlicher zu Werke. UebrigenS urtheiltauch Mengs über die Bilder, welche sich ausTizians Greisenalter hcrschreiben: Daß die Ab-nahme des Gesichts wohl verursacht habe, daßer die Klarheit des Pinsels mehr vernachläßigte,darum aber noch immer ein vortrefflicher Kolo-riste geblieben sey. Sicher indessen habe esder Kunst Schaden gebracht, daß er so vielenachläßig ausgeführte Werke hinterlassen, indemnun viele diese Methode nachgeahmt, ohne daranzu denken, daß Tizian einst wohl verstanden,ausgeführter zu malen, und überdies ftüher-hin große Studien über alle dasjenige gemacht,was der Kunst zur Grundlage dienet. Ein Werkvon ihm, in welchem man jene leichte Behand-lung erkennt, die er sich in seinen letzten Jahrengebildet, ist eine Verkündigung Maria in derKirche St. Salvator. Derjenige, welcher dasBild bestellt hatte, wollte immer nicht glauben,daß es vollendet sey; um ihn also zu befriedi-
Vecellio.
gen, übergieng es der Künstler hier und da;und als er es endlich überdrüssig war, schrieb erdarunter: Dftraums teert, teert **)!
Im I. i54.Z. 6**) (also in seinem sechs undsechzigsten erst/gieng er, auf Einladung des Kar-dinals Farnese nach Rom . wo ihm eine Woh-nung im Bclvedere eingeräumt ward. Er wardem Vasari empfohlen, der ihm bey der Betrach-tung der Merkwürdigkeiten Roms zum Führerdiente -j-). Nachdem er kaum einige Tage aus-geruhet hatte, unternahm er die Bildnisse desKardinal Alex. Farnese l-j'), des Herzogs Ok-tavio und des Papstes Pauls 1)1. den er auchschon früher gemalt, als derselbe einen Besuchzu Ferrara gemacht Dieses letztere Bild-
niß gelang ihm außerordentlich, so daß cä beyder Ausstellung von mchrern Personen, ja sogarvon einem Schleppenträger des Papstes, der täg-lich um seinen Herrn war, demüthige Bezeugun-gen der Ehrfurcht erhielt, indem sie es für leben-dig ansahen *). Tizian wurde reichlich belohnt;ja das Verlangen des Papstes, ihn bey sich inRom zu behalten, war so groß, daß er ihm daseben so einträgliche als wenig mühesame Amtdel Piombo **) antrug. Allein der Künstlerkonnte sich nicht von seinem geliebten Venedig und von seinen Freunden trennen ***), und schlugdas Anerbieten aus.
Außer vielen andern Arbeiten, die Tizian imDienste Karl V. unternahm, mußte er, wie wirschon oben vernommen, verschiedentlich das Bildsniß dieses Monarchen malen, welches kein leich-tes Geschäft war, wenn wahr ist, daß dieser sich soschwer zum ruhigen Sitzen bringen ließ. als einGeschichtschreiber uns bereden will ^). Wirhaben schon gesehen, daß Tizian sich zweymalnach Bologna , und nachher nach Piemont zu demKaiser begeben; er besuchte ihn aber auch zwey-mal (r54?. u. 5o.) zu Augspurg Hingegenist es ein Irrthum, daß er einmal nach Jnspruckbefehligt worden, um den Römischen König Fer-dinand, seine Gemahlin Maria und ihre siebenPrinzessinnen zu malen. Wahrend seinem Auf-enthalt in Deutschland erhielt er viele Auf-träge von den dasigen Großen; und in der Thathaben die Galerien von Wien , Dresden , Mün chen u. s. f. fast einen Ueberfluß an schönen Wer-ken dieses berühmten Künstlers; auch Frankreich (selbst seine nunmehr zurückgestellten Kunstbeutennicht gerechnet) ist reich, und England und Spanien
--) Gestochen ist dasselbe wieder von le Fevre, und Jackson, von diesem in gelb Camaneu; auch mit der trock-nen Nadel, von einem Ungenannten, in P. Nvlvc's Verlag; dann der untere Theil desselben, schon in äl-tern Tage», in zwey seltenen Blättern von Andrea», und Roffigliuni.
S- unten, wie ilanzi diese Kunstauekdvte iu einem etwas verschiedenen Lichte aufführt.
Nicht, wie Einige irrig behaupten -546. An dieser Verwechslung mag Schuld seyn, daß er -5)5. de»Besuch erneuerte. Doch dem sey wie ihm will —was würdiger zu erwähne» ist, so war es bey einem seinerAufenthalte zu Rom , wo er im Vatikan einige während der Plünderung dieser Stadt (>527) durch dieKaiser!. Soldateske zugrundgerichtete, und seither allzudürftig wiederhergestellte Raphaelii'che Köpfe in denStanzen mir Bedauern bemerkre, und zwar —lustig genug! an den dabeysteheuden ihm unbekannten Urheberdieser mißgerathenen Nüoccirung, Sebastian dek piombo, selber die Frage richtete: Wer doch der ebenso unwissende als vermessene Mensch sey, der diese Köpfe so überkleibt habe?
-f) Vasari hat ihn späterhin (1566.) noch einmal zu Venedig wieder gesehn, und fand ihn, damals einenNeunziger, doch noch mir dem Pinsel in der Hano beschäftigt.
j"f) //. kkonr 80 .
-fsf) Unten werden diese Bildnisse (wie wir glauben richtiger) als ein Gesellschaftsbi'ld der drey genannten Per-sonen angeführt.
*) Was es übrigens mit solchen Mähren von Vögeln und Menschen aus alter und neuer Kunstgeschichte aufsich habe, brauchen wir dem vernünftigen Leser nicht zu bemerken. .
Unter die Päbstliche Breve's das Siegel zu setzen.
Worunter sich aber auch ein Aretino und Sansovino befanden!
j-) II »e pouvoir nouKHl- gii'on le rsgsräoit bxement; er loi-8>iu'll k„t gueztion cle 8Sti8kslre 8V» sjeulblaximUie» I. l>ui ciemanäoit 80 » kortrait, u ssUut le.instlre entre len, po»»»e8 cks guxlre sps«8 , pourI'vbliger cke ckouner le te>»8 su peintie cke le cuN8iäe>er.
j"f) » 7-etra»-" (Titisnu-j)" schreibt Melanchto» an Camerarius ) plctor VenstU8 e8t KugU8t«, qui 8SLPS acc«-äit all Imperators!» u guo accsr8ltu8 ent.