Band 
Zweyter Theil [4].
Seite
2035
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Vecellio.

durch starkes Jneinanderspielen (forts restets)einer Farbe in die andere, in etwas harmonischz» werden, weiches hingegen Tizian im höchstenGrade war. Die Stoffen hat er sehr gut undcharakteristisch gemalt; sein Faltenwurf war esnur alsdann, wenn er ihn geschmackvoll in derNatur fand". Noch an einer andern Stelle vonMareler's und l'Eveque's Wörterbuch, (in demchronologischen Malcrverzeichnisse) heißt es dannweiter von dem Unsrigen, »eben Andern::Seitdem Wiederaufleben der Vcnetianischen Schule,durch die beyden Gebrüder Gentil und JohannBellini (also eben die eigentlichen Lehrer des Uns-rigen) bemerkte man bey den Malern dieser Schuleein Verfahren, welches ihnen mehr Ausführung,mehr Praktik der Hand, und selbst mehr Farbegeben mußte, als hingegen den Künstlern derRömischen und Florentinischen Schulen nicht eigenwar; was dann aber hinwieder einer großenRichtigkeit und Reinheit der Formen bey den er-stem schaden mußte. Jener ihr Verfahren bestandnämlich darin, daß sie, ohne vorläufige Zeichnung,sofort auf ihr Tuch malten, die letztere hingegennur nach, bis auf Schatten und Licht ganz aus-geführter Zeichnung". Auch hier wird bemerkt, daßvecellio seine Arbeiten zwar mit größter Sorg-falt vollendete, aber immer durch einige kühnePinselhiche die Mühe zu verbergen suchte, welcheihn solche gekostet hatten; daß er dann im Altereine fertigere und abgestoßnere (keurtise) Manierannahm, welche nur in die Ferne ihre Wirkungthat; daß er hicrnächsi in seinen letzten Jahrendie Schwachheit gehabt, frühere Meisterwerkedurch vermeinte Verbesserungen zu verderben, wasdann seine Schüler *) vermocht, eines Tags ihmjenen frommen Betrug zu spielen, den schon dasLex. erzählt. Ebendaselbst wird bemerkt: TiziansErfindung, Zusammensetzung und Ausspendungder Figuren **), zeugen eben nicht von großemFeuer, ober dafür von desto größerm Verständniß,diesen letztem solche einfache und natürliche Stel-lungen zu geben, daß man gerade die schönstenTheile an ihnen entdecken kann. Endlich heißt es:Ohne eine gewisse Behutsamkeit sey dieser Künst-ler in jenem überschwenglichen Lichte (lumiörsuniversell«) nicht nachzuahmen, welches er sogerne über weibliche Körper ausgoß, ohne auchnur einen Schatten zu lassen, der ihnen Rundunggegeben hätte. Seine al Fresko's seyen übrigensbeynahe von so kräftiger Färbung, als die Bilderin Oej. Hierauf zählen unsere beyden Kunst-richter» nebst allerley Geschichtlichem von Tizian ,eine große Anzahl seiner Werke her. Vörderstmehrere seiner Bildnisse der größten Personen sei-ner Zeit; neben andern, von uns schon erwähn-ten, eines historirten von Papst Paul lll. dersich mit dem Herzoge Octav und dem KardinalFarnese unterhält; wie dann Se. Heiligkeit zurErkenntlichkeit dem Sohne des Künstlers dasBisthum Celena ertheilen wollte, der nüchterne Va-ter aber bescheiden genug war zu glauben, daß esdem Jüngling an den behörigen Eigenschaften füreine solche Würde fehle. In denselben Tagen malteer zu Rom für den verbannten Herzog Octav Far-nese **->-) seine berühmte Danae; und bey dieser Ge-legenheit war es, wo Michael Angelo dem Kolo-rit der Venestanischen Schule alle die hohe Ehregab, die demselben ewig gebühren wird, aber ebenso sehr ihre dürftige Zeichnung zu bedauern schien.

Vecellio. 2035

Etliche Iahte brachte Tizian in Deutschland zu,und malte (wird hier irrig behauptet) zu Jn-spruck auf daS nämliche Tuch die Bildnisse desRöm. Königes Ferdinand, desselben Gcmalin, undihrer siebenTöchker. Zu Venedig erhielt er den Besuchdes Französ. Königes Heinrich lll. und bat densel-ben, einige seiner Gemälde, die ihm gefielen, vonihm anzunehmen, was auch der Monarch nichtausschlug, dann aber durch fürstliche Großmuthden Edelsinn des Künülers noch zn übertreffen wußte.Ueberhaupt genoß Tizian der allgemeinsten undhöchsten Achtung in und außer dem Vaterland.Die durch seine Arbeit erworbenen bedeutendenGlücksumstande benutzte er auf eine sehr würdigeWeise. Die Großen machten sich eine Ehre dar-aus, an seine Tafel gezogen zu werden, welcheglänzend war, deren Werth aber noch weit mehrdurch die Anmuth des geistigen Wirthes erhöhetwurde. Ungemeine Milde war ein Hauptzug sei-nes Charakters. Von seinen Nebenbuhlern, oderdenen, die sich wenigstens dafür hielten, spracher nur mit größter Mäßigung Die glänzendeEinbildungskraftseiner Jugend sprühte noch Fun-ken in seinem Neun und Neunzigsten, und er schiennoch ferne von seinem Ziel, als die Pest den sonstvöllig gesunden Greisen dahinriß. Der gewöhn-lich so schafsichtige Taillasson dann in seinenOdservstions sur guelstuos Aranlls ?eintressagt uns diesmal eben nicht viel Neues. DasBemerkenswertheste dürfte etwa Folgendes seyn:Das, was Tizians Kolorit ganz besondersunterscheidet, war" (meint auch Er)die geschickteWeise, womit er aus den Lokalfarben Vortheilzu ziehen wußte, um Wirkung hervorzubringen,ohne hiefür zu großen Schattenmassen seine Zu-flucht zu nehmen. Der Glanz seines Lichtes rührtefast immer von der Gegeneinanderstellung reinerund kräftiger Farben her, was denn seinen Bil-dern so viel Reichthum an Tönen, und, mit sowenig Schwarzem, doch so viel Stärke verlieht."Dann:Ueberhaupt erwecken seine Werke mehrBewunderung als Enthusiasmus; sie sind dieFrucht eines großen Verstandes, eines schönen undruhigen Gemüthes, kurz eines geschickten Mannes,der seine Künstlergedankcn mit Leichtigkeit, undzugleich mit dem erhebenden Gefühl ausführt,daß er in seinem Thun mit öffentlicher Achtungumgeben sey". Endlich, wo von seinen Bildnissendie Rede ist, heißt es (wirklich bemerkenswertlH:In dieser Gattung theilt er, unter allen Künst-lern, den ersten Platz mit van Dj>ck. Wann die-ser mehr Feuer hat, und deswegen vielleicht nochmehr gefällt, so haben hingegen die Bildnisse vonTizian mehr Adel, und gebieten mehrere Achtung,was freylich zum Theil auch daher rühren mag,daß meist durch Macht oder Genie ausgezeichneteMänner ihr großer Gegenstand sind."

Von deutscher Kritik über Tizian haben wirschon das Gründliche von Fiorillo vernommen.Hören wir indessen auch noch die übrigen Mei-ster im Urtheilen an; und vor allen RaphaelLssiengs. Bekanntlich hatte sich's derselbe mitzu einem Geschäft seines Lebens gemacht, die d eyvorzüglichsten Lichter der Malerey, Raphael, Ti­ zian und Allegri, und zwar jeden derselben,nach allen Haupttheilen der Kunst zu würdigen.Dieses tbat er theils unermüdlich in seinem lehr-reichen Umgänge mit Schülern und Freunden,

6) Nicht seine Bedienten (^«8 äomestiqueH, wie es bey b'Argensville I. 299. lustig genug heißt.

«») Was der Franzose Alles durch: Oisxoüition geben kaun.

vvK) Späterhin bewunderte man dies Bild (und sieht es wohl jetzt wieder) in der Galerie von Capo di Monte- ZU Neapel . DcvZZi (Vite äe pittori VscdU stc. p i;i.) beschreibt es sehr gut:b-IirakUv M quedo

csULÜro sppadsce l'iirtikclo clel pirtine, il gusls volenäo kar 8entirs I» voluttä rli Dana e sra ti smpleski lli6iove ssnrL die veäa a Isto il stiviixr smsitte, Is äieäs una cod dv» «»presdoue, cke den inteuüe

o^nuno, die i'inddbll nums e presente!"

-f) Doch nickt immer mir größter Bescheidenheit, wenn es nämlich (woran wir zweifeln) wahr sepn sollte,was Rdolfi S. i8y. erzählt: Daß er eines Tags die Arbeit eines andern Künstlers mit dem Lvbspruchbelegt habe: Sie scheinen ihm so gut, als wenn er, Tizian , sie selbst gemalt hätte.