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theils in seinen Schriften; und zwar bekanntlichin zwey verschiedenen, ganz eigens diesen, Zweckegewiedmeten Aufsätzen. In seinen Betrachtun-gen über die Schönheit und den Geschmackin der Malerey lesen wir über Tizian vörderstim Allgemeinen, und in Vergleichung mit Ba-phae! und Torreggio, kurz, aber recht gut:„Raphael wählte die Bedeutung, die er in derCompvsilion und Zeichnung fand; Torreggiodie Anmuth, und fand sie in gewissen Formen,hauptsächlich aber in Licht und Schatten. Ti-zian wählte den Schein der Wahrheit, und fandsolchen in den Farben. So war nun der größteunter ihnen, der den größten (d. h. wichtigsten)und einzig nützlichen Kunsttheil, die Bedeutungbesaß Nach dieser folgt die Anmuth; so warTorreggio der Zweyte. Die Wahrheit endlich istmehr Schuldigkeit als Zierde; so war Tizian derDritte". (Noch an einem andern Orte drücktMengs sich so aus: »Tizian begnügte sich mitder bloßen Nothwendigkeit. Alle drey sind abergroß, weil jeder einen Haupttheil der ganzenKunst in höherm Grad als die übrigen, und alsalle seine Nachfolger besaß." Hierauf heißt esüber des Unsrigen Zeichnung insbesondere:„Was dieselbe betrifft, kopierte er die Natur, sowie sie war; wenn er sie schön vor sich hatte, sozeichnete er sie auch schön nach; den» alle Malerder damaligen Zeit hatten ein richtiges Augenmaaß;und, wenn sie alle so klug wie kvaphael gewählthätten, so würden sie auch alle eben so gut alser gezeichnet haben" *). Dann über sein Hell-dunkel: „In diesem hatte er nicht viel Wahl;was man in ihm bisweilen hierin schön findet,ist nicht aus dem Studium dieses Kunsttheilcsentsprungen; sondern indem er die Natur in ihrenFarben nachzuahmen suchte, sah' er, daß diesesnicht möglich sey, ohne auf den Grad ihres Lich-tes Acht zu haben; und so fand er z. V. daß einegemalte Luft, um natürlich zu scheinen, helle seynmüße; die Erde nicht so licht wie die Luft, dasFleisch lichter als die Erde. Diese Betrachtungführte ihn bisweilen allerdings zu einer Art Schön-heit im Helldunkel, welche aber bloße Wirkungder Eigenschaft seiner Farben war. Oft hingegenverfiel er in große Hartigkcit, besonders wenn erden Gegensatz (contrnposto) suchte, und andre-niale wurde erstach; aus welchem Allem erhellet,daß er nicht den größten Fleiß auf diesen Kunst-theil gewandt, sondern sich bloß mit demjenigenbegnügte, was zur Bedeutung der Eigenschaftender Dinge nöthig war." — »Das Lolovir betref-fend fing Tizian, eben so wie Correggio , mitder Oelfarbe a»; und da er Figuren und Land-schaften gleich nach dem Leben malte, so erwarber sich bald eine wahre und gänzliche Kenntnißder Natur. Sein häufiges Fertigen von Bildnissenübte ihn vollends hierin, und nöthigte ihn, dieverschiedensten, auch kleinft'igige Dinge, dannwieder starke, grelle, schönfarbige Gewänder u.s. w. darzustellen; und so mußte er allen Fleißanwenden, dieses Mannigfaltige in wohlanstän-dige Vereinigung zu bringen. Da er nämlich sah,daß gewisse Gegenstände in der Natur gefallen,welche aber oft in der Malerey schlechte Wirkungthun, so suchte er zu einer Auswahl in der Nach-ahmung der Wahrheit, zu gelangen. So bemerkteer z. B. daß es solche Gegenstände gebe, derenLokalfarben sehr schön seyen, die aber, bald durch
Vecellio.
Widerscheine, bald durch die Porosität der Kör-per u. s. f. von ihrer Schönheit verlieren; fer-ner, daß jeder dieser Gegenstände viele Mittellin-ien habe, und eben so seine eigenthümliche Zursammcnfügung von Durchsichtigkeit, Dichtigkeit,Rauhigkeit oder Glätte, und daher auch eine Ei-genthümlichkeit der Farbe in Licht und Dunkel;daher suchte er in unermüdeter Nachahmung allerdieser Verschiedenheiten die Vollkommenheit derKunst, und fand sie- Dann nahm er aus jedemTheil seines Gegenstands das Mehrere für dasGanze; so z. B. ein Fleisch welches viele Mit-teltinten hatte, malte er ganz in Mitteltinte; washingegen nur wenige hatte, ganz ohne solche; sodas Rölhliche ohne andere Farben, und eben soauch die übrigen — versteht sich, immermit Nachahmung der Wahrheit. Dadurch kamin seine Werke jener große Geschmack im Kolori-ren, worin er der Vortrefflichste, und hierin ei-gentlich nachzuahmen ist **). Durch die Bezeich-nung der Hauptfarben fand er nämlich die Haupt-massen, so wie Naphael durch die Zeichnung,und Correggio durch Licht und Schatten solchegefunden." — „In der Toinposirion" (meintMengs) „hatte Tizian wenig Gefühl, und er-fand mehr nach den allgemeinen Gewohnheitsre-geln; daher er in diesem Kunsttheil nicht nachzu-ahmen ist. Wohl hat er bisweilen die eine undandere Figur schön gedacht, allein wohl mehrdurch Zufall als wissentlich, da sich gleich dane-ben wieder etwas Schlechtes findet''. „ So, wiein allen Kunsttheilen, die von der Nachahmungentspringen, war Tizian auch in den Gewändernin Einer Rücksicht vortrefflich; er malte sie näm-lich eben so wahr als schon, mit einer hochhellenFarbe, die Wäsche zumal sehr leuchtend, aberAlles ohne Wahl der Falten, so wie die Naturihm solche zeigte; also in letzterer Rücksicht ist erfreylich nicht nachzuahmen. „Harmonie hatteer abermals so, wie sie durch die Betrachtungder Natur in seine Werke kam; bey ihm war solchenicht eine systematische (§ra-luata) Ueberlegungdieses Kunstttheils; meist hat er sich bloß durchdie Einförmigkeit geholfen, und dadurch harmo-nisch geschienen." — In dem zweyten Mengst«schen Aufsätze: Berrachrungen über die dreygroßen Maler Rapbael, Torreggio undTizian , und über die Alren "*), liest manüber den Unsrigen substanzlich, was folgt; vör-dersi wieder im Allgemeinen: »Tizian fing an,die Kunst in der Schule des Bellino zu studire»;doch kennt man kein Bild von ihm in ihrem Ge-schmacke, so daß ich denke, er habe nach ihnenbloß Copieen, dann gber seine eigentlichen Stu-dien für sich selbst gemacht. Giorgione war vonder nämlichen Schule, übertraf aber seine Mei-ster früher als der Unftige, da, meinerhMeinungnach, sein Genie viel Aehnlichcs mit Correggio'shatte, und auf dem nämlichen Wege sein schönesHelldunkel, und einen höher» und stärker» Ge-schmack , als die Bellini, fand. Dann fing Tizian selbst an, den Giorgione zu studiren, und nahmvon ihm Stärke, Sanftheit und Rundung an;in Großheit des Geschmackes kam er ihm niemalsbey; doch findet sich von ihm in der Sakristei)della Salute zu Venedig ein Bild von noch glän-zenderm Kolorit, als Barbarella's seines, undwie er, Tizian , selbst sonst keines gemalt. ImGanzen aber verbesserte und vergrößerte er seine
6 ) S. Mengs Werke, nach der prangerschen Uebersetzung Th. II. S. 65. Im Verfolge indessen führ' ichseine Werke substanzlich lieber aus der in Zürich gedruckten deutschen Urschrift dieses Kunstvamphletes an,dock vergliechen mit der italienischen Uebersetzung seines Freundes d'Azara, der den Künstler oft besserverstand, als dieser sich ausdrücken konnte.
üoinnzzo drückt sich über Tizians Kunst zu coloriren, wieder anders, uns aber nicht ganz verständlich,
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Oper» lom. I. p. 187—Y7.