V e c e l l i o.
sie in hohen Ehren hielt; die männliche Figurist voll Würde. Uebrigens ist dasselbe nicht sogut erhalten, wie ein anderes Aehnliches, dassich in München befinden soll *). Neben dieseni 5 . Bildnissen von genannten Personen, besitztdie Galerie zu Asien noch vier männliche undzwey weibliche anonyme, von mehr und mindern»Werthe. — Unter den historischen Bildern hier-nächst soll ei» großes Ecce Homo (11/ 3 " br. 7^7" hoch), mit: D'tMML Lgnes. Lses. k. »5^3.bezeichnet, eines der kostbarsten Werke des Unsri-gen seyn; zwar von^pöbelhaftcm Ausdruck an derHauptfigur; statt Charakterschilderungen Bildnisse:Tizians Freund Pordenone (a. h. Aretin ) alsPilakus, dann Carl V., und Sultan Solyman,^u Pferde, und der Künstler selbst, als Zuschauer;überall grober Verstoß gegen das Costum, aberdafür verständige Anordnung, große Wahrheit,Farbuug und Helldunkel von höchster Kraft; dasGanze indessen an vielen Stellen durch Ritocci-run^ verdorben. Ein anderes kleineres Ecce Homoerhalt I, c. das Urtheil, es sey zwar schon colo-ritt, aber kein Verbrecher aus dem Skockhausedürfte von häßlicherm Aussehen, als hier derChristus seyn **). Unter sieben H. Familien,oder auch einzelnen Madonnen mit dem Kinde,findet das erste von den genannten kritischen Ver-zeichnissen keine von tadelloser Schönheit, diemeisten nur in einzelnen Theilen lobenswerth, eine(wo St. Rosalie dem Kinde ein Körbchen mitBlumen überreicht) bloße Copie, deren Urbildsich in Rom (?) befinde; eine andere, (wo derkleine St. Johann dem Kind Erdbeeren bringt)niedlich i?) erfunden, gut gefärbt, aber ohne be-sondern Ausdruck. Das zweyte Verzeichniß hin-gegen nennt dieses Bild vortrefflich; und voneinem andern (wo das Kind auf dem Tische ste-hend von der Mutter gehalten wird) heißt esdort: Wenn die Idee an dem Kopfe der letztemnicht edel genug sey, so zeige hier Tizian an dernklebrigen, zumal an dem (zugleich schön gezeich-neten) Kind, was sein Pinsel vermöge. Dreyandere seyen fast ganz durch Ritoccirung verdor-ben; endlich eine mit St. Hieronymus , St. Ste-phan und St. Georg hätte ein Paar bedeutendeKöpfe, und sey mit viel Anstand componirt,aber gar nicht von Tizians gewohnter schönerFärbung ***). — Die Ehebrecherin im Evangcliodann heißt im zweyten Verzeichnisse ei» herr-liches, nur nicht vollendetes Bild; im erstem hin-gegen von gemeiner Natur, und selbst das Kolo-rit nicht von des Künstlers Beßrem »fi). EineGrablegung soll, nach dem erster» Verzeichnissevon vielem, obwohl gemeinen Ausdrucke, fast ambeßten erhalten (d. h am mindesten verdorben)und von Tizians keckerm Pinsel seyn ff"j°). Vonzwey kleinern Bildern, Anbetung der drey Königeund einer Auferstehung heißt es ebendaselbst: letz-teres, war' es gut erhalten, würde sich noch se-hen lassen, ersteres hingegen sey zum Erstaunenschlecht, und stelle Puppen des elendesten Mario-
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netkentheaters dar. Christus, mit den Jüngernzu Emaus heißen dorr pöbelhafte Naturen undvon den ärgsten Schmierern ritoccirt. Von zweylebensgroßen Brustbildern (einem Salvator Mundi mit der Weltkugel und einem Apostel St. Jakobdem ältern) wird im ersten Verzeichnisse geurtheilt,sie seyen, zumal der erstere von gemeinem Aus-drucke, aber wegen dem ausgesucht schönen Ko-lonie dennoch hier Haupkbilder. Im zweytenVerzeichnisse wird dem Salvator Ausdruck erha-bener Sanftmuth, und dann ja eben her. sicherFarbenton zugetheilt. Eine kleine Landschaft,mit Jakobs Traum von der Himmelsleiter staffirt,wird nur in jener zweyten Notiz;, und dann vondem Mechelschen Katalog, und zwar von demerster« in Deutschland als Seltenheit, aber leidernachgedunkelt genannt. Eine St. Catharina mitihren gewohnten Attributen heißt artig erfundenund gut colorirt. Eines der kostbarsten Tiziani-schen Bilder zu Wien , und worin Ausdruck undColorit zu wetteifern scheinen, nennt das erstejener Verzeichnisse einen jungen Märtyrerdermit brünstiger Andacht gen Himmel sieht, vonwelchem Lichtstrahlen auf ihn fallen. Seine Rechteauf der Brust; die sinke hält zwey Pfeile und ei-nen Schwamm. In dem zweyten Verzeichnissewird bemerkt: Das Traktament des Pinsels ver-diene vorzügliche Aufmerksamkeit. Von einemallegorischen Bilde: Der Tugend (einer Mutter),die der Unschuld (ihrem Kinde) den Weg zumHimmel weist, von welchem Lichtstrahlen auf siefallen, die das Kind schrecken, zu dessen Seiteein Schutzengel, wird in dem Verzeichnisse sicher-lich gesprochen. „Ob die Figur der Tugend wirk-lich eine Mutter oder das Weibchen eines Engelssey, weil es keine Flügel und breite Hüften habe,bleibt unentschieden." Das Bild habe — übrigensreligiösen Ausdruck, und ganz vortreffliche Be-leuchtung, sey aber, so wie viel Anderes, verdor-ben. Von dem Tizianischen Bildern aus derMythologie uud Profangeschichte m unserer Ga-lerie dürfte wohl die Danae, von dem goldenenRegen heimgesucht, das vorzüglichste seyn st-f-f).»Sie liegt" (heißt es in dem ersten Verzeichnisse)„entblößt auf einem weisst» Ruhbette da, ganzbeleuchtet, außer einem Schlagschatten, der sich,vom Vorhänge geworfen, über die Hälfte des Ge-sichts ausbreitet. Ein altes Mütterchen fängtden seltenen Regen (pränumerendo) mit goldenenSchüsseln auf. Unten liest man: Ditisnus Lg.Cws. t'ecit, ohne Datum. Dieß Bild würdevielleicht der Florentinischen Venus die Wagschalehalten, oder sie noch übertreffen, wäre sie so guterhalten, wie jene. Indessen hat es dennoch nichtso viel gelitten, daß es nicht noch eine Galeriezieren kann, und ist dabey von Tizians stärksterFärbung. Auch das zweyte Verzeichniß nennt esein Hauptgemälde des Unsrigen. Denn, wenngleich die Idee nichts Vorzügliches hat, so wirdman doch, auch von Tizians Hand, keinen schö-nern weiblichen Körper finden. Ohne das Koloe
*) In deu Katalogen von München und Schletshetm finden wir dasselbe nicht angezeigt. Dann aberhat Wien noch ein zweytes solches Gesellschaftsbild von dem Unsrigen, ebenfalls »Liebe und Treu" ru-brizier, dieses jedoch mit idealen Bildnissen.
"U-) Das große Ecce Homo, Halbfigur, (mit dem Rvhrstab in der Hand), hat W. Hollar gestochen; seingrößtes Blatt, aber darum auch vielleicht sein schlechtestes. Dann hat es I. Männ'l schön geschabt.Das kleinere (glauben wir) hat Prenner nach seiner gewohnten Weise gefertigt. S. über Männl « undPrenner's unvollständige Werke nach der Wiener-Gallerie Heinecke ich« ere. p. 5,-55. Die M-innl'-schen sollen äußerst selten seyn, da die Platte» (weil der Absatz fehlte) vernichtet worden.
»«») Ei„e dieser H. Familien (welche?) hat Prenner gestochen; diejenige, wo das Kind auf dem Tische sieht,Männ'l gut geschabt, //--necäe läse I. c.
O Wahrscheinlich dieses von mehrern Bildern gleichen Gegenstands hat I. Troyen für die Brüsseler-Galeriegestochen.
sf) Eine Grablegung (ob diese) hat P. Pontius gestochen, und hingegen (wohl sicher die unsrige) I. Männ'lgut geschabt. Dieß ist ohne Zweifel dasjenige Blatt, welches Heinecke (l. c. 51.) Vierge tiv jsirie, earegarcl (?) nennt.
sff) Eine Venus, der ein Amor den Spiegel vorhält, finden wir in keinem Verzeichnisse der Wiener-Galerieangezeigt; und doch hat Männ'l es , als solches, in Schwarzkunst geschabt.
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