Band 
Zweyter Theil [4].
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2040
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2040 Vecellio.

rit zu erwähnen, weicht diese Danae, weder inAnsehung der Zeichnung noch der Gesichtszüge,seiner Venus zu Dresden , und ist überdieß noch(heißt es nun hier) was so selten gefunden wird,rein conservirt. Künstler, die dies Gemald zutopiren unternahmen, konnten damit (das glau-ben wir) nicht zu Stande kommen *). Bacchusund Ariadne dann, und Diana mit ihren Nym-phen im Bade, (wo Kallistens Vergehen entdeckt,und ihr nämlich von ihren keuschen Gespiclinendas verhehlende Gewand weggezogen wird) sollen,nach dem ersteren Verzeichnisse, beyde durch Ri-toccirung verdorben, letzteres aber von schönerErfindung seyn. Das zweyte Vcrzeichniß nenntdies Dianenbad vollends eines der vorzüglichstenBilder, die aus Tizians Hand gekommen seyen. **)Von zweyen Lucretien, beyde mit dem Dolch inder Hand, steht auf der einen, nicht unmerkwür-dig, geschrieben: äM Utisnus ksciebst,einstwohl sehr schön" (heißt es im ersten Verzeichnis)was man aus den Trümmern noch sehen kann."Und in dem zweyten:Auf die gepriesene Schön-heit seiner Heldin mag Tizian nicht gesehen ha-ben; dagegen gab er ihr viel Empfindung, einenachdenkende Miene und ein sehr schönes Kolo-rit." In dem zweyten Bilde bemerkt man aufder Seite einen männlichen Kopf, welcher Lucre-tiens Vater darstellen soll. In dem freylich schonsehrausgeputzten" (verblichenen) Gesichte lassensich noch alle Züge lesen; die Pinselstriche gehörenzu den zartesten, mit denen Tizian jemals ge-malt hat.Aber, sonderbar: der Aus-druck scheint mehr Freude als Wehmuth zu ver-rathen; vom Halsgrübchcn an bis hinunter istAlles aufs Elendeste uberschmiert." So im erstenVerzeichnisse. Auch das zweyte sagt: «Die Zügedes Antlitzes drücken den blutigen Entschluß nichtaus; hingegen ist die Fleischfarbe unnachahmlich."Ein nacktes Kind endlich, welches, unter einigenBauern sitzend, auf dem Tamburin spielt, wirdvon dem ersten Verzeichnisse ein zierliches Bild-chen genannt, aber von Tizians leichtester (?)Art; die Schatten desselben spielen ins Gräu-lichte ***). Auch die Galerie Lichrenstein zuWien besitzt von unserm Künstler drey Bilder:Eine H. Familie mit St. Catharine; die Ehebre,cherin im,Evangelio, hinter ihr einen alten Mann;und einen sitzenden Liebesgott (!). München hat von ihm vörderst vier Bildnisse. Carl V.in einem Lehnstuhle, lebensgroß; dann Peter Are-tin; einen jungen Mann, lebensgroßes Brustbild,(wie man glaubte, den Künstler selbst in der Ju-gend -fi); einen mit Loorbecr gekrönten Kaiser,(die drey letztem Brustbilder); von Mythologi-schem dann (klein): Eine auf einem Bett liegende

Vecellio.

Nymphe, zupft lächelnd einen Faun am Barte,der den Scherz mit einem Kuß gebührend erwie-dert. Andere von Tizians Bildern besitztSchleisbeim, und zwar, wie es scheint, diewichtigern: Einen St. Johann in der Wüste,lebensgroße Figuren (5^8" 9 /" hoch, 3^ 8 ^ 8 "chr. ^);eine Madonna mit dem Kinde, die HH. Franz,Dominicus und Hkeronymus vor ihr knieend,ganze Figuren (3^ s" hoch, 4' br.); einEcce Homo, lebensgroßes Brustbild; dann einekleine schlafende Venus, und ein Paar Bild-nisse 'fi^). Sehr gut charakterisier der H vonMännlich unsern Tizian ; z. D. wie folgt:Seine Composition ist groß und natürlich; dieZeichnung zwar richtiger als rein, aber von gu-tem Geschmacke. Der Effekt in seinen Bildernist ebenfalls einfach und natürlich; er opferteder Phantasie keine Wahrheit auf, sondern wußteihren Reiz mit dieser zu verbinden, und an dieVernunft anzuketten; daher (hört, hört!) verweiltder Kenner so gerne bey seinen Werken, weiler vollkommne Harmonie zwischen Begeisterungund Vernunft, und zwischen dem Geiste mit demHerzen findet. Seine Behandlung ist groß, breit,geistreich und von sorgfältiger Ausführung."Auch Düsseldorf besaß einst von ihm, in seinerletzten Manier, ein von dem zu Schleisheim offen-bar verschiedenes Ecce Homo, ein Paar H. Fa,milien und ein Paar Bildnisse, deren neuereSchicksale uns unbekannt sind. Das glückliche,an seinem Kunstschatze nie angetastete Dresden ,besaß von alten Zeiten her i5. Tizianische Bild-nisse. Hier nennen wir nur die von bekanntenPersonen. Vörderst dasjenige der berühmten Kö-nigin von Cypern , Catharina Cornara, welche,als kinderlose Wittwe, ihr Vaterland Venedig zumErben ihres Königreichs einsetzte, schwarz gekleidet,im Schleyer, die Carnation von bewundernswür-diger Blüthe. Dann dasjenige seiner eigenenTochter, Lavinia, ebenfalls ungemein geschmack-voll gekleidet, und eines der schönsten seinerWerke dieser Gartung; doch noch von demjeni-gen seiner Beyschläferin übertreffen, in dem an-genehmsten Haarschmucke, weiß gekleidet, und eineArt Fächer in der Hand. Der Herzog Alphons I.von Ferara hatte nämlich von dem Künstler einBildniß, völlig nach seiner Auswahl verlangt.Welcher Gegenstand konnte ihn mehr zu einemwürdigen Geschenke) begeistern, als dieser? Nochbegleitete er solches mit einem sehr galanten Briefan den nicht bloß verehrten, sondern auch gelieb-ten Fürsten. Schöneres läßt sich nichts denken.Schon sind unzählige Copien davon gefertigtworden. Ferner: Das Bildniß Peter Aretins mitentblößtem Haupt und Schnurrbart, einen Palm-

") P. Lisebetius, und ei» mit I. v. bezeichneter Ungenannter haben es gestochen. Ob vielleicht letzterer nachdem Bild zu Neapel , ist uns unbekannt.

*--) Diesen Gegenstand hat in ältern Tagen C. Cork, während seinem Aufenthalte bey Tizian (1566.) in ei-nem schönen und seltenen Blatt, späther Th. van Kessel (wohl das Wiener -Bild), auch M- Pool, nacheinem Bild im Kabinet Mariette gestochen. Sicher dann die Lucrezien in Wien , oder wenigstens einederselben (aus Brüssel ) gaben Trojen und Premier, letzterer sehr artig und fein.

Findet sich sowohl von I. Matham, als auch von einem Ungenannten gestochen.

f) Wenn es sich so verhält, eine große Seltenheit, da wir sonst Tizian in Bildern und Blättern nie andersals wie Greisen erblicken. Nur Morgenstern (s. unten) nennt Tizkans (sicheres) Bildniß zu Florenz ,als in der Jugend dargestellt, was aber aus den Blättern nach demselben nicht erhellen will.

ff) Einen solchen, der sich aber wahrscheinlich zu Venedig befindet, hat V. le Fevre gestochen.

Sonderbar! Der alte Catalog von 6>chleisheim hat von Tizianischen Bildern (den St. Johann.ausge-nommen) ganz andere und weit mehrere, die sich gegenwärtig weder in dem Verzeichnisse von München ,noch in dem neuern von Gchleisheim vorfinden. Wo mögen denn solche hingerathen seyn? nämlich:Eine große Dvrnenkrönung (dem Maaße nach ein Hauptbild), eine bußfertige Magdalena von mittlererGröße, und eine kleine H. Familie. Dann eine Venus, der ein Liebesgott den Spiegel vorhält; eine an-dere, der zween Satyren Trauben überreichen; einen Satyr, der eine Nymphe küßt (dieß vielleicht das Bildzu MüncheN ); eine Vanitas, die im Spiegel allerley Schätze sieht, (eine solche hat ein Ungenannter,auf zwey großen Blättern, mit dem weisen Salomonischen Sinnspruche: Vanir-, gestochen). End-

lich sieben Bildnisse, wovon freylich das große von Carl v. jm Lehnstuhl nunmehr zu München erschein-;nicht aber ein anderes vollkommen gleicher Größe ((? 4" hoch, 4- 2" br.) einer Herzogin, ebenfalls imLehnstuhle; »ebenkjhr ein junger Prinz. Wer lost uns den sonderbaren Knotte»?