Band 
Zweyter Theil [4].
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2041
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Vecellio.

zweig in der Hand -fi-f-fi). Und endlich gehörthieher das historische Bild der Familie des er-wähnten Fürsten von Ferrara , neben dessen Ge-mahlin Luccezia Borgia, und dem Sohne undNachfolger, Herkul II. die sich (alle auf den Knieen)unter den Schutz der H. Jungfrau und des Soh-nes begeben; ein 5 ' 9" br. und 4^ 1" hohesKnieestück, von erstaunlicher Wahrheit und Far-bcnkraft **). Von geistlichen Bildern: Einjunger Tobias mit dem Schutzengel; den altenTobias im Hintergrund auf den Knieen ***);ein Paar H. Familien, wie es scheint, eben nichtvon den vorzüglichen *fi); dafür das berühmte:Gebet dem Kaiser (il Ckristo «iella moveta 4 "fi).Endlich drey Liebesgöttinnen, darunter zwey lie-gende lebensgroße, die eine mit einer Flöte inder Hand, zu ihren Füßen einen Jüngling derdie Laute svielt, über ihrem Haupte Amor mit ei-nem Blumenkranz; nicht nur von dem schönstenColorite, sondern auch von sehr energischem Aus-druck; endlich eine dritte, welcher Cupivo denSpiegel vorhält Auch die Galerie vonGanssoucy will nicht minder als 9. Werke vonTizian haben, unter welchen, nach Oesterreich ,nebst einem Bildnisse von Aretin (welches Bergergestochen) die vorzüglichsten seyn sollen: Venusund Adonis *), eine liegende Venus, und einesehr schöne wohl erhaltene liegende Dana« **).Nach Eberleins Catalog von Salzchaluin,standen dort einst, nebst ein Paar Bildnissen (da-von eines Dominikaners mit einem Buch in derHand) eine große H. Familie mit St- Catharina,eine sterbende Cleopatra, lebensgroße Halbfigur,und ei» Schäferpaar in einer Landschaft (klein).Von ein Paar Christusköpfen wird dort selbst ge-sagt, daß solche bloß Copieen nach dem Unsrigenseyen. Auch zuDommersfelden befanden, oderbefinden sich noch von ihm zwey Frauen- undzwey Männerbildnisse; unter den letztem ein ge-harnischter Mann; dann das lebensgroße Kniee-stück einer Venus, der zwey Kinder den Spiegelvorhalten, und endlich eine sehr gute Copie nach

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einem großen Bilde der Diana mit ihren Nym-phen im Bade. Noch nenne» wir zum Schlüsseder Tizianischen Kunstschatze in Deutschland ***):Einen Christus im Brustbild, in Stellung undGebehrde als Lehrer, in der Galerie des H. Gra-fen von Benze! Grernau; dann in der Galerievon Söder ein selbstgemaltes Bildniß des Künst-lers , über dessen Originalität, wie der H. vonRaindohr sagt, kein Zweifel walte, welches aberso sehr gelitten habe, daß daran nichts Merkwür-diges als der Name des Gegenstands und desMeisters übrig geblieben sey. Endlich sott unterden selbstgemalten Malerbildnissen, welche, als einFirmianisches Fideicommis , in dem Schlosse Leo-poldskron bey Salzburg aufbewahrt werden, sichauch eines von Tizian befinden.

In dem Königl. Franz. Kabinette befanden sichschon von Alters her 21. Bilder von Tizian ,deren genaue Beschreibung uns Lepicie I I. S 19.bis Z8. giebt. Vörderst fünf H. Familien: Jene(au Bassin genannt) wo die H. Mutter ein weis-ses Kaninchen halt, nach welchem das Kind inden Armen von St. Catherina gelüstet; auf derSeite weidende Schaafe, deren einem (schwarzen -fi)St. Joseph liebkost. Dies Bild erfuhr immer-hin in Absicht auf Composition und Zeichnungsehr verschieden Lob und Tadel. Ueber die wun-derschöne Farbe, und die Wahrheit in Fleisch undStoffen war der Preis einstimmig Eine

zweyte mit St. Agnes soll ebenfalls sehr schön,und besonders wohl erhalten seyn >^ss"j'). Einedritte mit St. Stephan St. AmbrosiuS und St.Mauriz a. h. irrig St. Georg (wahrscheinlichein ex voto)^ ist zum Theil durch Ritoccirungverdorben, tragt aber doch in den Köpfen vonMutter und Kindoch schöne Spuren der Tizia-nischen Kunst *). Eine vierte, sehr einfach com-pouirte, wo auf dem Mittelgrund ein Hirt zweyRinder treibt, und auf den Wolken zwey Engelein Kreuz halten, ist zwar ebenfalls in schlechtemZustande; doch entdeckt man noch manchen Far-

Zwar, wie Lehninger, nach vasari's Zeugniß, bemerkt, nicht so schön, als ein anderes von diesemlosen Geiste, welches der Künstler dem Großherzoge Cosmus von Medicis rum Geschenk übersandte.

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4 ) Eine mit St. Johann, St. Paul, St. Hieromyinns und St. Catharina hat Folkcma gestochen,

44 ) Diesen Gegenstand nach dem Unsrigen haben mehrere, wie M. Nota, R. Cusios, C- Galle, namentlichaber- sicher das Dresdner -Bild L. Zucchi gestochen, was, wie Hubee beylänfig bemerkt, des Stechersbestes Blatt, im Geschmacke von Pitteri, seyn soll.

4 L 4 ) Doch nicht die, welche sich einmal in Schleisheim befand.

») Stiche von diesem Gegenstand s. unten bey Spanien .

»k) Von Punt, nach einer schönen Zeichnung von le Sueur gestochen, welche letztere sich vor 4050 Jahre»im Besitze eines Hosrath Tribels zu Berlin befand. Oesterreich macht ein Weites und Breites, wiedas Unternehmen dieser Platte, die er auf eigene Kosten fertigen ließ, ihn in Verlegenheit gesetzt,weiler keine Hülfe noch Mäcenaten gehabt." (Verflucht sey, wer seinen Schutz aufFleisch fetzt!). Auch indiesem Bild findet sich die Alte, die das Geld in ihrer Schürze sammelt. Noch finden sich aus denTijianen zu Berlin , von I. G. Bartsch dürftig gestochen: Christus mit dem Rohrstabe, und Cupido derseine Pfeile schärft; dann ein Männer - und zwey Frauen - (anonyme) Bildnisse.

22k) Die sich somit an die »oo. Nro. belaufen, die aus Schleisheim und Düsseldorf vermißten nicht mit-gezählt.

4 ) ä. ii. Hund.

44 ) Nur London (Annal. XII. -z.) findet das Colorit unangenehm röthlich, sonst aber manch Schönes indiesem Bilde, zumal im Kopfe der Mutter. Die von Lepicis genannte St. Catharina hält er hingegenwahrscheinlicher für die Schenken« («loos-sire). Im Umrisse s. es l. c. Nro. 8- Dann bey FtlholNro. 49Z. sehr schön.

444 ) Auch London Annal. xi. S. 70. kann das Bild besonders für eine bey Tizian sonst minder gewohnteReinheit der Formen nicht genug rühmen. Hingegen fand Er dasselbe an mehcern Stellen beschädigt. Ergiebt das ungemein liebliche Bild l. Nro. z». im Umrisse. Der Kopf von St. Agnes zumal ist vvmschönsten Charakter.

") I >5el>eliur rc. Und im Umrisse bey London (Annal. XII. Nro. zs ) der davon, namentlich von demschönen (fast idealen) Charakter von Mutter und Kind, viel Rühmens macht. Der Kopf von St. Ambro-sius dürste ein Bildniß seyn. Daß es guten Theils verdorben sey, wird von London (60. I. später alsLepicft!) nicht bemerkt.

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