Band 
Zweyter Theil [4].
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2082
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2082 Verbruggen.

sen Mitte eine Büste der Flora sieht. Dann be-saß (1794) das Kabinet des H. Kaufmann Fi-schers zu Potsdam von ihm, wieder in obigerGröße: Ein in Mitte einer Guirlande angebrach-tes Architecturstück, mit weiblichen Figuren im Abenddämmerlichte; Alles seltsam zusammen-gestoben,-und ausführlich beschrieben in Men-sel s M Mus. 91.

*verbruggcn (Heinr). Wahrscheinlich ist esder Bildhauer dieses Namens im Lex. von welchem(l8iv) das Kabinet Gplvestre zu Paris iZ Hand-zeichnungen (Altarverzierungen) besaß. Dann istjener andere Heinrich verbruqgen des Lex. beywelchem dasselbe auf Heinrich Terbrugge zurück-weist, wohl nicht dieser, sondern nicht unwahr-scheinlich ein älterer Bruder von Caspar perer,aber in der Kunst noch unter ihm. Auch dieserbekleidete die Stelle eines Directors der Akademiezu Antwerpen >688, und sein Jüngerer folgte ihmvermuthlich darin nach. DeLcampL IV. 124.

* (Johanns Nach seinen Gemälden,und der Zeichnung von Joh. v. Hasiacrt, sollG.L. Heriel zwey Marinen in Kupfer gebracht haben.

* (Gusanna). Nach den Kupferstichendes S. A. Bolswert soll sie eine Maria und einenChristus nach van Dyck copirt haben.

( ). Einen solchen nennt Barrsch

in seinem Catalog der Handzeichnungen des Prin-zen Carl de Ligne, 1794, als einen jungen Künst-ler zu Brüssel , und rubricirt von ihm eine artige,effektvolle Zeichnung (mit schwarzer Kreide aufgrundirt Papier, weiß gehöhk) die einen Schäfermit Wehe zeigt.

* So nennen auch Einige irrig denHolländischen Schwarzkunstsiecher Johann vanBruggen.

* verbrugb (Johann). Grohmann'sBiographisch. Handwörterbuch, wo er N?an-drouck rubricirt ist, sagt von ihm: »Er war auchein komischer Dichter; baute aber eben so schwer-fällig , als er leicht und zierlich schrieb. Das SchloßDlenheim würde bequem seyn, wenn dessen Zim-mer eben so weit wären als dessen Mauern dicksind. Unbekannter Ursachen wegen, wurde er beyeiner nach Frankreich unternommenen Reise, dortin die Bastille gesetzt." In RnurhslUebersetzungvon U). Gilpins Naturschönhetten Englands und«Schottlands , Leipzig 1792, I. 25. ff., heißt esdann von gedachtem Schlosse, daß man ihmPlump-lheit und Schwere vorwürfe; es sey aber ein ge-niales Werk. vanbrugh (so ist er nämlich hierrubricirt) habe damit ein prächtiges Gebäude ge-schaffen, über dem sich ein Ansehen von Größeverbreite, was man nur selten an Gebäuden vonregelmäßigerer Bauart wahrnehme. Endlich spre-chen auch die berühmte» englischen Architekten Ro-bert und Jacob Adam in ihren: Iske vorlcg in^rcbitecturs etc. hes Ouvraxes ü'Arckitec-ture etc. 1773 ff., über den unsern, der hier ineiner wiederum unterschiedenen Namensschreibartals Ritter Johann vanburgh erscheint, (Vor-rede des ersten Hefts, S. 4-, Anmerk. ^..) unge-fähr: »Wir können nicht umhin das Andenkendieses großen Mannes zu verehren, über dessenRuf als Architekt das Vorurtheil den Stab gebro-chen hat. Er war ein Genie der ersten Classe,und keiner der modernen Meister übertraf imBauen seinen abwechselnden, reizenden, verziertenStyl, gieng ihm an Neuheit der Gedanken vor,oder übertraf den innern Werth seiner Erfindun-gen. Das von ihm erbaute Schloß Blenheim ,und dann Castle Howard , sind als große Vorbilder

''-') S. Walpole, S- 394 -397-

Seit zwanzig Jahren hat Blenheim viele Verändl

Umgebungen sind durch den Architekten Rrown

ren kann, die Reynolds, Gilpin, pricr ». a

V e r L r u g h.

der Baukunst zu betrachten. Ja wir würden die-selben den Arbeiten aller andern modernen Archi-tekten vorziehen, wenn sein Geschmack seinem Ge-nie entsprochen hätte. Daher das Ansehen vonSchwere, ja selbst bisweilen des Nichtsnutzigen(srivolite); bey welchem nichts desto minder aber,für den Kenner, stets und durch alle Gebrechenhindurch, die Macht seines Werthes hervorleuch-tet. Immer pflegten wir seine Werke gleich rohenEdelgesteinen zu betrachten, die ihre Kostbarkeitnur dem geschickten Künstler zu Tage legen, derihre Bearbeitung versteht." Dann urtheilen sieferner (Heft V.) über ihn:vanburgh verstandbesser die Art zu leben, die unter großen Herrenim Gebrauche ist, als Jnigo Jones und ChristophWreen; aus welchem Grunde bequeme innre Ein-richtung der Baue eines seiner besondern Ver-dienste ausmacht. Seine lebhafte Einbildungs-kraft verachtete jedoch dabey den Zwang der Re-gelmäßigkeit, und seine Neigung zu einer sinnreicherfundenen Pracht entfernte ihn von derjenigenEleganz und Erhabenheit, die auf dem Wege deswahrhaft Einfachen gefunden wird." Noch stren-ger ist das Urtheil über ihn bey FloriHo V. 62b 27. Dort heißt es nämlich: »Er hatte auchnicht den mindesten Begriff von Wissenschaft, Ver-hältniß und Bequemlichkeit*). Er scheint um nichtsbesorgt gewesen zu seyn, als Steinmassen aufzu-thürmen, und große Plätze auszufüllen. SeinStyl, wenn man ihm einen zugestehen will, ge-hört keinem Volke und keinem Jahrhundert an,und ist durchaus regellos. Die Spötter unterseinen Zeitgenossen behaupteten, daß er die Re-geln der Baukunst in der Basiille, worin er eineZeitlang eingesperrt gewesen, studiert, und jeneBurg stets zum Muster genommen habe; alleinbey ernsthaften Beschauern müssen selbst seine Haupt-werke, z. B- das ungeheure Blenheim , womit dieNation dem großen Marlborough ein Geschenkmachte, Unwillen erregen. Dieses Blenheim , einbey Oxford liegender Pallast, ist ein erstaunlichesBauwerk, das aber nur durch seine enorme Massein der Ferne imponiren kann**). In der Naheverschwindet alle Eurythmie; alle Theile sind buntunter einander geworfen, mit Ornamenten über-laden, ohne Rückstait auf die verschiednen Ordnun-gen der Säulen, auf die Rustik, die Carniese u.s. w. van Brugb muß über den Plan und dieAnlage ganz sorglos gewesen seyn; denn, wenner nur die Zimmer so breit, als die Mauern dicksind, gezeichnet hätte, so würde man darin be-quem wohnen können; dagegen einem jetzt in denungeheuern Hallen nicht wohl zu Muthe wird. Indemselben Geschmack errichtete er Castle-Howard in Dorkshwe, einen Pallast, der 660" lang ist,mit einer Faqade von schlecht vertheilten dorischenMastern. In der Nähe liegt ein großer Parkmit Obelisken und anderm Pomp. Diese Ge-bäude werden zwar ihrer Festigkeit wegen nochlange stehen, aber erst in Ruinen einen schönenAnblick gewähren. Dieser Künstler stand zwarbey Hofe in großem Ansehen; allein es gab dochEinige, die ihm Mangel au Kenntnissen vorwar-fen. Die Critiken von Pope, greift und Evansdrohten seinem Ruhme einen gefährlichen Stoß,und bewirkten auch, daß er in seinen letzten Jah-ren nichts mehr sür die Krone arbeitete, ob ergleich die Aufsicht über die Gebäude zu Greenwich und andre ehrenvolle Bedienungen hatte. Nachlvalpole, der uns mit seinen übrigen architekto-nischen und litterarischen Arbeiten, (welch letztemer eine längere Dauer verspricht), bekannt macht,st. er zu Whitchall 1726. Dr. Evans setzte idmdas bekannte Epitaph: Erde! liege schwer aufihm; denn er legte manche schreckliche Last auf

erlitte» und ein besseres Ansehen gewonnen. Dieso verschönere worden, daß man sich die Lobsprüche erklä-dem Gebäude ertheilen.