Band 
Zweyter Theil [4].
Seite
3026
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zor6 Vien.

eine Reise nach Rom , wo er die unsterblichenDenkmale der Antike und die edelsten Meisterwerkestudierte, und sich einen eigenthümlichen, origi-nellen Styl bildete. Da er sich nur das Edleund Große zum Muster gestellt hakte, so mußtendie Arbeiten, welche er im Jahr 1/55. zu Exhibi-tion der Akademie lieferte, die manierirtcn undleeren Machwerke seiner Zeitgenossen weit über-treffen und ihm das Ansehen eines Reformatorsder Französischen Schule verschaffen. Eins seinerbeßten Gemälde stellt die heil. Martha, Maria Magdalena , ihren Bruder Lazarus und den heil.Maximinus dar, welche sämmtlich vou den Rö-mern aus Jerusalem vertrieben werden. Es em-pfiehlt sich durch eine edle Einfall und einen gran-diösen Stil, der an die Schule der Carracci er-innert. Ein gleiches Lob verdient ein andres Bildvon ihm, ein Eremit, der in einer anmuthigenLandschaft schlaft, wegen des frischen Farbentons,der richtigen Zeichnung, und der treuen Nachah-mung der Natur*). Bei der Ausstellung imJahr 1762. sah man ebenfalls von ihm ein kleinesGemälde, die H. Jungfrau, welche von einigenEngeln bedient wird, das ihm sehr geglückt istund eine bezaubernde Süßigkeit hat. Obgleichalle diese Werke bei ihrer Erscheinung viel Auf-merksamkeit erregten und bei vielen Beifall fanden,so mißfielen sie dennoch dem großen Haufen, deran den künstlich zusammengesetzten, glänzendenund unkeuschen Bildern eines Bouchers hing **).Allein die unerschütterliche Consequcnz, womitDien seine Grundsätze immer weiter durchführte,und die zahlreichen Jünglinge, welche von Rom zurückkehrten und der Meisterschaft desselben volleGerechtigkeit wiederfahren ließen, verschafften ih-nen endlich Eingang und allgemeine Bewunderung.Außer den bereits erwähnten Bildern malte vieneinen Ikarus und Dädalus , den er der Akademiefür seine Aufnahme überreichte, und der sich durchWahrheit und edle Zeichnung, durch Harmonieim Ton der Farben, und eine liebliche Dispositionder Schatten und Lichter sehr auszeichnet. Alleinin keinem Werke hat er das ganze Vermögen seinesGeistes so offenbart, als in dem H. Bischof Dio-ysius, der den Galliern das Evangelium predigt,und in der Kirche des heil. Roch zu Paris aufbe-wahrt wird***). Der Heilige steht erhaben aufden Stuffen eines heidnischen Tempels; vor ihmbefinden sich die Gallier, in deren Zügen Bewun-derung, Rührung und Eifer, die neue Lehre anzu-nehmen , auf das mannigfaltigste und meisterhaf-teste ausgedrückt sind. Dieß Werk, das über 21*hoch, und 12^ breit ist, erscheint in einem erhabe-nen Styl und im Charackter der Schüler der Car­ racci . Auch wurde es im Jahr 1774., als man eszum ersten Mal im Saal des Louvre ausstellte,mit jubelndem Beifall aufgenommen. Ein anderesWerk von vien, das gleichfalls einen großenRuhm verdient, stellt den Julius Cäsar dar, derzu Cadix landet, im Tempel des Herkules eineStatue von Alexander findet, und sein Schicksalbetrauert, daß er in einem Alter, worin dieserHeld mit Ruhm bekrönt war, noch unbekannt sey.

Vien.

Dieses kostbare Bild kam in den Besitz des Königsvon Polen . Die Einweihung der Rittersiatue vonLudwig XV -, welche vien um eben diese Zeitmalte, hat auch ein ausgezeichnetes Verdienst,und trug sehr viel dazu bei, den guten Geschmackin Frankreich zu begründen. Nachdem er alleStellen bei der königlichen Akademie zu Paris ,als Profeßor, Rector und Director verwaltethatte, so wurde er zum Director der Französischen Akademie in Rom ernannt, und bekleidete dieserWürde bis zum Jahr 1781., worauf ihn der Kö-nig mit dem Kreuz des H. Michael beehrte, undnach Pierre's Tode im Jahr 1789 zu seinem erstenMaler erwählte. Nach der Revolution wurde erein Mitglied des Senats, und genießt gegenwär-tig (i 8 o 5 .) als ein neunzigjähriger Greis die voll-kommenste Gesundheit, und die allgemeine Achtungaller seiner Schüler und der ganzen neuen Fran­ zösischen Schule. In allen seinen zahlreichenWerken offenbart sich seine Individualität mehroder weniger, nnmiktelbarer oder mittelbarer. Inallen leuchtet eine reine sittliche Würde, Herzlich-keit, Edelmuth und ein zartes Gefühl für Freund-schaft hervor. Fiorillo III. 5 o. Nach einerNotitz von ihm bei Landon war es i7?5. daß er,an die Stelle des wegen Alters entlassenen CarlsNatoire zum Director der Französischen Akademiezu Rom (wo er auch Mitglied derjenigen von St.Lucas war) ernannt wurde, und von dem Köuig«zugleich den St. Michaels-Orden erhielt, und1780. wo er zum Rector der Königl. Akademiezu Paris erkiest wurde. Alsdann lesen wir ingedachter Notitz bei Landon, in demselben Sin-ne, wie oben bei FioriUo und Millin:Inseiner Jugend war der verderbte Geschmack, dasgesuchte, übertriebene, manirierte Wesen, dasman mit Recht den französischen Künstlern vor-warf, noch allgemein herrschend; und vien hattedas Verdienst, der Wiederherstelle,: eines reinernKunstgeschmacks in seinem Vaterlande zu seyn.Muthig kämpfte er gegen den falschen Sinn, gegendie Uebertreibungen seiner Vorgänger und seinerZeitgenossen; er führte die Kunst auf Einfachheit,Wahrheit und eine getreue Nachahmung der Na-tur zurück, und der Kenner sieht mit Vergnügenin seinen Werken den markigten Pinsel eines Guidomit der weisen Anordnung eines Dominichinovereinigt. Noch im Jahr i8uZ. genoß der 85jährige Greis die Früchte seines talentvollen undtugendhaften Lebens. Der erste Consul wußtedas Verdienst dieses Nestors der zeichnendenKünste zu belohnen, indem er ihn züm Mitglicvdes Erhaltungssenats ernannte, und er verdiente,durch seine mannigfaltigen Kenntnisse, die Arbei-ten dieser vornehmsten Corporation des Landes zutheilen". In demselben Jahr wurde er zumMitgliede der vierten Klasse (der schönen Künste)erster Sektion (der Malerei) des National-Insti-tuts zu Paris ernannt. Eine zweite ähnliche No-titz über unsern Künstler, noch bei seinemLeben gefertigt, erschien (mit desselben Bild-niß, nach Madame Labille), im ksusamnskrancais (8°. ?uris 1806. )p. 3 g60, mit dem

Dies Gemälde entstand auf eine sonderbare Weise. Als Vien im Jahr 1750. zu Rom einen Fuß nach derNatur malte, so diente ihm ein Eremit als Modell, der aber, während vien arbeitete, einschlief. DieLage dieses Mannes, die eigne Beleuchtung u. s. w. waren so pittoresk, daß Vien eine Skizze entwarf, undsie in acht Tagen aufs meisterhafteste mit Farben ins Große ausführte. Das Gemälde wurde von dem Mini-ster, der die Aufsicht über die Gebäude hatte, für deu König gekauft, und stand («goz.) in der Galleriedes Senats.

-U-N-) So wnrde auch sei» H. Dionysins, ein vortreffliches Bild ( übrigens nicht mit einem bald unten folgende» zuverwechseln), das er für die Kirche der heil. Genoveva zu Paris gemalt hakte, einem elenden Gemälde vonDopen nachgesetzt. Millin sagt daher sehr wahr: ,, Osu, ce lern- le Public ßüts psr Is lusuvsi's goül

«l'alors lui «lunus 1s puluie lucelui «1e8c. Oeuis peiut psr , czui eloit eu isee. Ce «leru«er etoit luge,

ü'un «lellei'u pur er «l'uue uisuiere «zu, ieuloil I'eruäe «je l'surigue. Xujourcl' bu! «>ue I'ou ekc reveuu ätvetliocle «1e ces grsulls «ucxleles, gui lerour roujours les Guides «1e I'srt, isus Io,«zuels on ne pourr» guer'egsrer, ou reud plus cle juili'ce s s «zu! ou ekc redsvsble d'svoir teul, ucslgre Is coucsgioo <1 slcr»

«ousenve 1e lr^Ie pur de I'suciguice er des uisilres d'Icstie. L'elc de tou ecole gue Wut korci, le»les les les ekc. S. , 1*. V. b.x. p. 6g.

i-sn) Sehr wahrscheinlich das nämliche, was oben, als in St. Genevieve befindlinch erwähnt wird.