Band 
Zweyter Theil [4].
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4055
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Utkiii.

Utkln ( ). So heißt irgendwo ein talent-

voller Zögling der Akademie fi» St. Petersburg um i8oZ. der bestimmt war , nach Paris zu gehn,um sich im Kupferstechen zu vervollkommnen.

* Utrecht , auch utragt (Adrian van).Der Zufall bestimmte ihn für seine Gattung. Erharte einige Vogel zu seinem Vergnügen gemalt;sie gefielen, und es wurde Mode, mit diesembelebten und flüchtigen Gegenstände die Zimmerzu zieren. Dann that er eben noch Blumen undFrüchte hinzu , und, bald so vereinigt, baldeinen dieser Gegenstände einzeln, konnte er der-gleichen Arbeit nicht genug liefern. Indessen(wie schon das Lex. bemerkt) kaufte der Königvon Spanien bald Alles, was aus seiner emsi-gen Hand kam. Oercamxn II. 3 i 32 . InDeutschland besitzt von ihm, unsers Wissens, dieeinzige Gallcrie zu München ein 3 ^ hohes, und

5 " breites Bild auf Leinwand, welches aller-ley todte Thiere und Geflügel, nebst Früchten,auf einem Tische darstellt. In der Königl. Gal-lcrie zu Kopenhagen findet sich ein großes Frucht-stück mit lebendigen Vögeln u. s. f. von ihm, wasHauberr's Beschreibung von Koppenhagen 1777.S. 99. unvergleichlich nennt. In der zu Lasse!dann» ein großes Küchenstück (auf Leinwand, 6^

hoch, 9, br.) wo drey Personen sich miteiner Schwanenpastete, vielem todtem Wildpretund Gartengewächsen beschäftigen.

Ulken ho fer (Caspar), ein sowohl in deninathematischen Wissenschaften als den mathema-tischen Künsten wohl erfahrner Mann, der aucheiniges über solche Dinge geschrieben hat. Erlebte um i 6 i 5 .; nicht mehr aber 1827. In wikl'sNürnberger - Gelchrtenlex. und dessen Fortsetzungvon Nopttsch, mag sich ein Mehreres über ihn finden.

vuchr (I. V.) Nach ihm bat P. Nolpe denH. Petrus gestochen, den ein Engel aus seinemGefängnisse befreyt, in qu. -4°. Dieses Blatt er-schien bey C. I. Visscher zu Amsterdam . S. auchden gleich folgenden Art.

* vuech (L. van). So heißt irgendwo einNiederländischer Architekturmaler, der aber wohlkein Anderer, als der I. van der Ulft des Lex.ist; vielleicht auch Ein und Derselbe mit dem gleichvorstehnden vuchr.

* vuez (Arnold de). Sein Vater zu Verona geboren, war ein Kunstdrechsler in Metallen,aber zugleich ein lüderlicher Geselle, der zuletztdas Soldatenhandwerk ergreifen mußte. Von zehnKindern war Arnold das Aelteste. Anfangswollte der Vater ihn zu seinem Handwerk erzie»hen, fand aber nicht ohne Grund, daß auch hie-für ein ernstes Zeichnungsstudium nichts minderals unnütze sey. Wie er dann zuerst von einemJuden, dann von dem Recollet Luc zu Paris Un-terricht erhielt, dort drey Jahre blieb, und schondamals zeigte, daß er für die Malerey geborensey, ist bekannt. Mit einem Gezeugnisse seineszweyten Lehrers versehen ging er hierauf nachVenedig , wo ein Oheim von ihm, Canonicus ander dortigen Kathedrale, ihn sehr wohl aufnahm,und mit weiter» Empfehlungen, und einem Rei-segeld von Zecchinen nach Rom förderte, wasdenn (doch noch mehr sein Genie und sein Fleiß)seinen Ruf und sein Glück gründete. In kurzerZeit gewann er «inen akademischen Preiß. Eine

Vuez. 4055

Copi'e der Raphaclischen Schule von Athenbrachte er selbst nach Venedig , als Geschenk fürden gütigen Oheim, der ihn dann dankbar miteinem Beutel von 100 Zecchinen wieder nach Rom entließ. Seine Verdienste erweckten ihm Feindeunter seinen Kunstgenoffen, welche mehrmals so-ar sein Leben bedrohten. Ein Zweykampf, wo-ey er einen seiner Gegner todtere, nöthigte ihnRom und seine dortigen geliebtesten Studien zuverlassen, als er eben durch le Brun den Rufnach Paris erhielt, der ihm sofort ein Jahrgeldausmittelte, und ihm eine seiner Verwandkinnenzur Frau geben wollte, als ein dem obigen ähn-licher unglücklicher Ehrenhandel ihn vermochte,einsweilen dem Französischen Gesandten nachConstantinopel zu folgen, von wo er jedoch, gleichnach Jahrsfrist wieder nach Paris zurückkehrte,wo er sich eine neue Gönnerinn in der Mutter desPrinzen Eugens, und durch dieselbe eine Gattinvon vornehmer Geburt erwarb *), was ihm neuesAnsehn, so wie ein Bild, welches er, aus Auftragdes Ministers LouvoiS , für die Spithalskirche zuLille malte, neuen Ruf erwarb. Von nun an nahmer in letzterer Stadt feinen beständigen Aufenthalt,weil er dort lieber der erste, als in Paris einKünstler vom zweyten Range seyn wollte. Da-selbst hielt er sich ein von den Vornehmsten derStadt besuchtes Haus, arbeitete dabey unermü-bet, wurde zum Schöppen und Küster seinerPfarrgemeinde St. Andre **) erkiest, wo er auchbeerdigt liegt, und dort für sich und seine Fami-lie ein kleines Grabmal erbauen ließ. Vuez hin-terließ eine einzige Tochter, die (1687.) in zwey,tcr Ehe mit H. von iJeuville, Posidirektor zuBourdeaux vermalt wnrde. Seltsames immerhin(obgleich eben nicht besonders Merkwürdiges) hatdie Privatgeschichte dieses Künstlers, die danndoch bey Descamps III. 126. u. s. f. mit all'ihrer Weitläufigkeit nachgelesen zu werden ver-dient. Von ihm heißt es dort, neben Anderm:»Derselbe hat der Kunst eben so viel Ehre ge-macht, als sein Betragen ihm die Hochachtungaller derer erwarb, welche mit ihm zu leben Ge-legenheit hatten. In Flandern genoß er ausge-zeichneten Ruhms, wo seine Werke denjenigender größten Meister dieses Landes zur Seite ge-stellt werden. Seine eigciiiliche Gattung war dieGeschichte im Großen; mit dein Bildnist beschäf-tigte er sich nur sehr selten, um zu zeige», daßer auch hiefür geschickt sey ***). Dann nach Ei-nigen , was schon das Lex. von Descamps ent-lehnt hat:Er malte nichts, ohne die Natur zuRathe zu ziehn"; seinem falschenbloß Praktikverrathenden" Colorit indessen muß D- leider!sein Recht widerfahren lassen. Nicht nur Bas-reliefs, sondern auch runde Bildhauer-Arbeitenwußte er trefflich nachzuahmen. Hierauf nennter eine Menge seiner in Lilie, Cambrai , Douay,u. s. f. noch vorhandenen Werke, alle, ohne Un-terschied, aus der geistlichen und Heiligen-Ge-schichte , von welchen er namentlich eine Abnehrmuiig vom Kreuze bey den Jacobinern (zu Lilie?),dann das Manna, und Moses , der den Felsenschlägt, in der Abtey de Marcienne bey gedach-ter Stadt, schöne Bilder, so wie den Berg La-bor bey den Carmeli'tern zu Douai sinnreich nennt.Irgendwo lesen wir noch, vuez habe um i 683 .verschiedene Bildnisse in ganzen Figuren, nachder Mode gekleidet (in weichem Fache er ein be-sonderer Meister war) gestochen. rJach ihm dann

«) Deren Vater die Ehre hatte, zum Geblüt erwähnter Prinzessin zu gehören. Man denke!

A») ktsce «ie Oisunlioii <lso» ce Laoloo, belehrt uns Dtscamp».

Und, sonderbar! ein Bildni'ß des Franziskaner - Generals Fr. de Volene, von Cl. du Flos, ist denn dochdas einzige nach ihm gestochene Blatt. Es will uns daher immerhin bedünken, daß Descamps den Unfti-gen, ein wenig über die Gebühr, zum Kunsthelden macht. Um i'ndeßeu dem wackern Manne nickt Unrechtzu thun, müßen wir hinwieder bemerken, daß wenn sein Geschichtliches, statt in Flandern , zu Paris wäreaufgestellt worden wo die Stecher, von je Welten her, wie die Pilze wachsen er sicher auch die seini-gen gefunden hätte. . . . Und endlich muß ich (wie so oft) über mich selbst lachen, daß H. Descampsmich zu s» vielem so wenig nutzem Geschmatze verleitet hat-. . Die Gelegenheit macht Diebe.

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