Cadmus, den Tod der Dido, eine Pallas, Juno,Diana und Flora, das Colisäum zu Rom u.s.f. *)Auch scheint der ungemcine Beyfall, den er erhielt,und die damalige Prachkliebe des Hofes, ihnselbst zu allerley Eitelkeiten verleitet zu haben.So erzählt uns z. B. sein Schüler, wjldelmSteriler von Bern , der sich damals bey ihmaufhielt: „Seine Pinselstiele waren von Silber,wie ich meinte nur zur Pracht; darum fragte ichihn, ob die hölzernen nicht eben so gut waren?Er sprach nein; denn so kleine hölzerne Stielewaren ihm zu leicht." Und bey Gelegenheit ei-ner Reise, die Werner nach Deutschland machte,erzählt ebenderselbe: „Als nun Herr Werner inGesellschaft ein Paar guter Freunde verreiset undzu Schaffhausen angekommen, stuhnden die Thor-wachter zur Wehr, sahen Herr Wernern köstlichgekleidet vorherreiten, als ob die andern seineDiener waren. Die Wächter fragten ihn alsobald:Wer er wäre? Herr Werner aber wollte sie keijner Antwort würdigen, oder vielmehr, er schämtesich seines Herkommens und Handthierung; alsodaß die Wächter noch einmal fragten: Ob ervielleicht ein welscher Edelmann sey? Als aberHerr Werner sahe, daß er gezwungen sey, sichzu offenbaren, sagte er, daß er ein Maler undBürger von Bern sey; da ließen die Wächter als-bald ihre Hellepart sinken, und diesen welschenEdelmann fahren! So sehr indeß Werner zumHofmann gemacht schien, und so gut er selbstbey dem Könige angeschrieben war, so wußte dochder Neid des ersten Hofmalers Lebrun, verschonLesueur unterdrückt, und Pouffin vertrieben hatte,auch Werner» zu entfernen. „Er brauchte"(sagt Füßkl) „alle List, die Mignatur-Acbeiken zuverkleinern, ohne es wagen zu dürfen, etwas ander Kunst oder dem Charakter des Künstlers aus-zusetzen. Er wollte sicher gehen, und überzog ei-nes dieser zarten Gemälde mit einem Firniß,von welchem er wußte, daß er dasselbe allerSchönheiten berauben würde. Nun zeigte er esdem König, welcher, fern von allem Verdacht,seinem Maler glaubte, daß es mit den übrigenArbeiten die gleiche Beschaffenheit habe; und so-gleich änderte er seine Meynung, und wurde kalt-sinniger gegen Werner. Dieses veranlaßte ihn,Paris zu verlassen, und nach Teukschland zu gehen.Er kam nach Augsburg , wo er sich verheiralhete,und erhielt bald einen Beruf nach München , umfür die Churfürst»; von Bayern , die eine großeLiebhaberin der Malerkunst war, die sieben Ge-heimnisse Unserer Lieben Frauen (!) in so vielenMignaturstücken zu malen. Werner suchte sich indenselben selbst zu übertreffen- Entzückt über seineArbeit, zahlte ihm die Churfürstln jedes dieserGemälde mit ivo Dukaten, und beschenkte ihnköniglich. Der Churfürst verlangte ein großesGemälde in Oclfarbe von ihm zu sehen. Wernermalte in dem Geschmack des Guido eine (seltsamgenug!) durch die Luft fahrende Thetis, mit vie-len Liebesgöttern umgeben, die von ihrem Wagenvielerlei) seltene Seemuscheln herabschütten; derleichte und fließende Pinsel, die fchlcrfreye Zeich-nung , die geistreiche und poetische Erfindung,nebst einer lieblichen und hellen Färbung, gabendiesem Gemälde alle mögliche Vollkommenheit.Werner war im Begriff, diesem Bilde nocheines beyzufügen, als er eilends nach Innsbruck reisen mußte, um das Bildniß der ErzherzoglichenPrinzessin in Mignatur zu malen, welches demKaiser vor der Vermählung üdersandt werdenmußte. Goldene Ketten, kostbare Schaupfenninge,die er von den Höfen zu Wien und Jnspruck er-halten, sind Zeugen der Zufriedenheit über diese
Arbeit. In ganz Deutschland redete man vonihm; die Wiernerfchen, Baierschen und Pfälzi-schen Höfe theilten sich Wechselsweise in seineKunst. Er hatte wenig Zeit übrig, die häufigenLiebhaber unter den Privatpersonen zu befriedigen;und man muß sich wundern, daß noch so viel«Stücke von seiner Arbeit in Kabinetten und beyeinzelnen Liebhabern zu finden sind. Seine klei-nern historischen Stücke an den Höfen zu Stuttrgardt und Durlach, in den Städten Nürnberg ,Augsburg u. s. f. sind Beweise von dem Fleißund dem ausserordentlichen Genie dieses Künstlers.Des beständigen Herumreisens und der großenWelt müde geworden, wünschte er bey dem An-wachs seiner Familie die Ruhe und die Annehm-lichkeiten des häuslichen Lebens zu genießen undin dem Schooße seiner Mitbürger sich seiner Kunstzu wiedmen. Er gieng in dieser Entschließungmit seiner Familie nach der Schweiz zurück, undkam im Jahr ibbs glücklich zu Bern an. Wer-ner, der so jung aus seinem Vaterlands gekom-men, und dasselbe nur dem Namen nach kannte,wußte nicht, daß die Rückkehr eines Künstlers einesehr gefährliche Unternehmung sey. Er hoffte,seine Kunst und Tugend würde ihm die Achtungseiner Mitbürger erwerben; allein anstatt dersel-ben traf er nichts als Neid und Verachtung an.Unempfindlich für die Schönheit seiner Arbeiten,verkannten sie seine Verdienste; und ohne seineglühende Liebe für die Kunst würde sein Trieb ausMangel der Aufmunterung gänzlich ersterben seyn.Allein ein Mann, wie Werner, erlieget nicht;er wandelt auf seinem Wege fort, und sucht inder Kunst in sich selbst, und in seiner Familie seinGlück und sein Vergnügen. Er errichtete eine kleineHausakademie, die er mit Gyps nach den hetztenModellen des Alterthums, mit Zeichnungen vonsich und andern großen Meistern, mit den schön-sten Kupferstichen auszierte, und machte sich dasgrößte Vergnügen, seinen jungen Mitbürgern diewahren Regeln der Kunst beyzubringen. Er maltein Mignatur viele kleine historische Stücke, die ermit mechanischen und perspektivischen Beywerken,mit Landschaften, Thieren, Blumen auf das herr-lichste auszierte; sie kamen aber meistens ausser Landsund wurden theuer bezalt. In Oelfarben fertigte erein großes Bild, die Gerechtigkeit u. Fürsich-rigkel'r, auf das Rathhaus zu Bern . Für dieFamilie von Grafcnricd etliche vortreffliche histo-rische Stücke. Doch das Vorzüglichste, das erselbst für sein Meisterstück in Oelfarben hielt,war Adam und Eva tm Oaradres, von einerganz besondern und fremden Erfindung in Lichtund Schatten, von einer Römischen Zeichnung,angenehmer und schmelzender Farbe. Das Gesichtder Eva hatte Werner nach seiner ältesten Toch-ter gemalt. Dieses vortreffliche Bild malte erfür seinen Freund, den berühmten ChirurgusBaurenkönig, den er in Italien und Frankreich kennen gelernt **). sPerner hatte in Bern einenFreund an dem berühmten AlterthumsforscherAndreas Morell , der zugleich selbst ein geschmack-voller und sehr fertiger Zeichner war. Dieser sahbald ein, daß ein Mann von Werners Kunst-vermögen in seiner Vaterstadt keinen seinen Ta-lenten und Einsichten ganz angemessenen Wir-kungskreis finden könne, und suchte ihn durch dieEmpfehlung des berühmten Spanheim an denHof Friedrich III. Churfürsten von Brandenburg und ersten Königs von Preußen zu bringen, derbeschlossen hakte, in seiner Residenz zu Berlin eineAkademie der Künste zu errichten. Es gelangihm, diese Anstellung für Werner zu bewirken,und auch diesen selbst, der nicht ganz gerne daran
*) Eine Beschreibung davon enthalt die Schrift: peinluros poeu'gues «l?» erhellen« lavleaux lle Ivigiiniurs
lail8 pir I'illuzlre ec incompsisble pour IVIi. t)uinsull. Lgö. (s. 1>.
3». 4to. »S) Dasselbe kam späterhin «IN einen sehr hohen Preis nach England.