Werner.
Werner.
wollte, dahin zu bringen, daß er den Ruf annahm.Die Bedingungen, die Werner selbst vorgeschrie-ben hakte, waren vortheilhaft, und man sieht ausdenselben, daß er in Berlin die nämliche Rollezu spielen dachte, die Lebrun in Paris gespielthatte *). Er kam nach Berlin 1796. Anfangsgieng die Sache nach Wunsch, da der Ministervon Dankelmann ihn kräftig unterstützte. Alleinda dieser, der eigentlich durch sein Ansetzn Wer-ners Anstellung durchgesetzt hatte, in Ungnadefiel, so machte sich sein Nachfolger, wie gewöhn-lich, ein Vergnügen daraus, alles niederzureißen,was sein Vorgänger aufgebaut harte, und wurdedadurch von den andern Künstlern, die auf Wer-ners Ansetzn neidisch waren, beßrens unterstützt.Dieß bewog Werner» nach einigen Jahren sichnach seiner Vaterstadt zurückzuziehen, wo er 1710rm 70. I. seines Alters starb **).
Werner war in mehr als einem Sinne zumKünstler geboren. Seine großen natürlichen Ta-lente bildete er durch unermüdeken Fleiß und durchgewissenhafte Benutzung alles dessen aus, waszu seiner Zeit für das Höchste und Beßre galt.In der Schule des Carl Maratti und des PickroBerettino, die man als Zweige der alten vortreff-lichen Schule der Caracci ansehen konnte, wurdeer ein kunstgelehrter und schulgerechtcr Maler, dervon allen Theilen seiner Kunst Rechenschaft zugeben wußte. Er sagte von sich selbst in einemBrief an einen Freund: «Meine Unterweisungs-art ist keine wie bisher gebräuchliche Phantasie-re»; man findet bey mir Richtschnuren, gründ-liche Lehrsätze, Maß und Ordnung zu Allem undin Allein, nach den Regeln der freyen Künste,nicht aus Einbildungen und Muthmaßungen."Daß diese Kunstgelehrsamkeit keineswegs in kaltePedanterey ausartete, zeigt der mannigfaltigeReichthum, die Grazie und Lieblichkeit aller seinerErfindungen. Leid thut es uns, daß wir vonWerners übrig gebliebenen Werken, außer denenschon früher bemerkten, und zumal von den ge-genwärtigen Besitzern, so Weniges anzuzeigen ver-mögen. In Holland muß sich noch irgendwovon ihm ein Rivaldo und Armida befinden, de-van Gool II. 55 q. vorübergehende Erwäh-nung thut. — In Deutschland besitzen von ihmdie Gallerte zu Wien : Den alten Tobias, dermit den Geinigen, wahrend der BabylonischenGefangenschaft, die erschlagenen Jsraeliten inGeheim begräbt und betrauert, ein kleines 2"br. u. 18" hohes Bild auf Holz. — München ,
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auf Leinwand ( 3 ^ 5 " hoch, 4^ br.) ein uns (derausführlichen Beschreibung im Gallerie- Katalogll. i 5 i — 56 . ungeachtet) unverständliches allego-risches Bild, das, dem H. von Männlich zu-folge, die Geschichte des Künstlers, und wie ersich im Leben hatte benehmen sollen (post ssgtum)sehr sinnreich darstellen soll. — Salzrhalum einst:Den Heiland, der dem Judas den Bissen reicht,ein Nachtstück (1^ 8" br. 2^ 1" hoch) auf Lein-wand. — In Zürch kannte Lüßli noch 176gbey dem dortigen Rathsherrn Werdmüller eineFlora in eiuem prächtigen Garten, mit schönenGebäuden, Blumen u. s. f. verziert, ein großesMiniaturbild, das W- in den beßten Jahren sei-nes Lebens zu Paris gemalt haben soll. Ebenfallsin Zürch , bey den Erben des sei. kunstverständi-gen Canonikus Nüschcler sieht man noch gegen-wärtig von ihm eine auf blau Papier getuschte,und mit Weiß aufgehöhte Handzeichnung, dieuns von dem wahrhaft poetischen Geiste des Künst-lers einen Begriff giebt. »Es ist eine Diana,die während des heißen Mittags im dichten Waldebey einem schönen Brunnen ausruht. Das Jagd-geräthe liegt und steht um sie herum. Der eineihrer Hunde hat auf dem ganz nahen Baum einEichhörnchen ausgespürt, auf welches sie ruhiglächelnd ihre Blicke heftet; der andere sitzt auf-horchend neben ihr. Die schöne, man möchtesagen, erquickende Anordnung des Ganzen, diewohlgewählte Vcrtheilung von Licht und Schat-ten, die richtige Perspektive, ja selbst der Wieder-schein der Bäume in dem Brunnen zeigen denaufmerksamen, verständigen und geschmackvollenKünstler, so wie die große Leichtigkeit und Si-cherheit, womit das Ganze mehr hingeworfen,als ausgeführt ist, den vollendeten Praktiker. Beyeiner sorgfältigern Ausführung in einem Gemäldewäre wohl ohne Zweifel die, zwar den Ruhendenbequeme, aber ungraziöse Stellung des rechtenBeins abgeändert worden." So beurtheilt solcheder späte, aber mit «»gemeiner Einsicht verfaßteNekrolog unsers Künstlers in dem Neujahrsblattder Künstlergesellschaft in Zürch vom J: -8o5, demeine »ngemein richtige Nachbildung dieser Zeich-nung in Aquatinta-Manier, so wie WernersBildnis? in Vignette, beyde von H. Lips, zurangemessenen Verzierung dienen. »WernersMignaturgemälde" (so schließt sich der obener-wähnte Nekrolog) »müßen ehemals Kunstwerkevon hoher Vollendung gewesen seyn. Dieses kannman mit vollem Rechte auch jetzt noch darausschließen, da Luft und Licht die bald absterbenden
*) Er war Ihre Churfürstllchen Durchlaucht erster und vornehmster Hofmaler, Aufseher auf Dero Häuser»Malcrey, Tapeziererey, des Cabinets und aller Curlositäten, und beständiger Direktor der ncuangelegtenChurfürstllchen Kunstakademie , mit einem Gehalt von 1400 Reichsthalern.
vk) 8üßli, nach seiner Gewohnheit, seine Kunsthelden mit schrankenloser Glorie zu umzingeln, sucht alleSchuld der Unannehmlichkeiten, welche Werner in Berlin erfuhr, gänzlich von ihm ab, und vornämlichauf Augustin Terwcsten (seit 1690 Professor zu Berlin ) zu wälzen, der, wie Descamps meldet, ver-langte und erhielt, daß das Direktorat zwischen Werner» und ihm alljährlich abwechseln sollte; undwenn er uns dieses auch nicht sonnenklar zn erweisen weiß, so verdienen dennoch etliche in diesen Zeit-raum von Werners Leben einschlagende Urkunden (l- 0. I. 265—75.) nachgelesen zu werden. Hier z. B.nur Eine (Brief eines H.Diziu's von Bern an einen Freund in Zürich vom ,6. Jen. 1699) worin es heißt:»Herrn Werner'« Schreiben melden einhellig, daß seine Sachen nicht nach Wunsch von statten gehen,obgleich er auf seiner Seite in der Akademie alles auf das Beste eingerichtet, und unterschiedliche Reg-lements aufgesetzt; aber bis dato sey noch nichts aus der Sache worden, und wisse niemand nichts, woranes hange; und, sagt er, er sey Akademiedirektor, wie der Herzog von Savoyen König in Cppern, ausser daßer gleich etwas von seiner Besoldung beziehe, welches er für ein großes Glück halte, denn sonst allhierweder der Maler, noch andere Künstler das geringste nicht zu verdienen wüßten; bezeugt auch. daß er inwährender Zeit nicht ein einiges Stück gemacht, ohne ein einziges für die Tapezirer; sagt aber, je^ besserman e.ln Ding mache, je unangenehmer es sey; meldet auch, es wisse der Churfürst noch diese Stundenicht, wer er sey; so weit habe Herr von Dankelman (sein Hauptgönner) seinen großen Gewalt miß-braucht, daß er gemacht, was er gewollt, und dem Churfürsten nicht das geringste zu wissen gethan. Ausallen diesen Umständen kann man leichtlich erachten, daß ihm alldvrt kein Glückstern ausgehen wird, sonderner sich zur Abreise wird fertig machen müßen, wie denn Herr Joseph sein Sohn schon vor einem halbenJahre von dorten verreiset ist, und börste Herr Werner auch bald folgen u. s. f. Hier ist ein rechtesMuster, was auf Glück und großer Herren Gunst zu halten ist." In »706 kam er wieder nach Bern zurück.