Band 
Zweyter Theil [5].
Seite
5052
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Wasserfarben theils ganz zerstört, theils ihrerKraft und Harmonie beraubt haben. Schöneund richtige Zeichnung, geschmackvolle Wahl derUmgebungen-, und vor allem eine liebevolle, höchst-fleißige, reinliche, und dennoch meisterhafte Aus-führung sind jetzt noch an ihnen sichtbar. Klüg-lich hat er für den beschränkten Raum meistensnur einzelne Figuren gewählt. Hatte er, statt derleichtverwelkenden und für historische und mytho-logische Gegenstände immer kleinlichen Mignatur,mehr in Oel oder auch in Fresko gearbeitet, sowürde er von Jedermann unter den ersten Künst-lern genannt, statt, daß er jetzt, vielleicht nichtganz ohne seine Schuld, als ein bloßer Mode-künstler erscheint." Von Werners eigner Handkennt man ein auf die Krönung Friedrich I. zumKönige von Preuße» in 1701 gefertigtes Blatt:Einen von Pallas und Herkules (mit fast wider-sprechender Ehre!) gekrönten Fürsten, das vonseiner großen Fertigkeit in Führung der Eknadelzeuget, und sehr selten seyn soll. Die beydenGöttinnen setzen, jede einen Lorbeerkranz auf diegroße Pcrüke des neuen Monarchen *). Dannhaben nach ihm gestochen, vörderst Bildnisse: E.Hainzelmann Kaiser Leopolds I.; M. Küssel undPh. Kilian ein Paar dunkele Männer, Küssel einbey Brandes schön genanntes des Auqsburger-Schultheissen Leonhard Weißen. Von Geschicht-lichem und Mythologischem: F. Ertinger 12 Bl.Ovidischer Verwandlungen; P. A. Kilian Saul,der in der Höhle der Pythonisse (Hexe) von Endorden Schatten Samuels um Rath frägt; (Eben-dasselbe auch G. A. Wolfgang, ein sehr großesBlatt); Küssel die HH. Joseph, Conrad, Pela-gius und Gebhard, ein Titelblatt; B. Lens eineVerkündigung und eine Geburt; N. Pithau einereuende Magdalena; I. I. Thourneiser das Titel-blatt zu einer in Bern gedruckten Bibel- Ueberw- Personale, als Mensch, lesen wir bey Füßli :«Edel war er, so wie in Absicht auf die Kunst,auch auf seine Gesinnungen und Sitten. Er warmit einem feurigen Temperament geboren, in seinenDüngern Jahren auffahrend und hitzig; er mußteauf seiner Hut seyn, um von dieser Leidenschaftnicht überrascht zu werden; daneben hatte er ei-nen schönen und ansehnlichen Körper, und seinAeusserliches stimmte mit seinem Herzen überein;dieses überfloß von Menschenliebe. Er liebte denPracht in seiner Aufführung, und war in allenseinen Handlungen großmüthig; alles was er that,war mit einem edeln Anstand begleitet; und beyallen diesen Vorzügen war er ein großer Kenner

und Liebhaber aller schönen Wissenschaften."«Sehr charakteristisch von ihm ist seine Antwortan einen gewissen (rüstigen) Theologen, Bartho-lomö Anhörn, Pfarrhercn zu Elsa» im C. Zürch,der ihm, als er noch in Bern war, einen jungenAnverwandten (Mörikofer) als Lernjünger em-pfahl: »Zweifle nicht" (heißt es darin nebenAnderm, das bey Füßl, I. c. S> 276. und fol-gende nachgelesen zu werden verdient), «wenn sichbey dem Jüngling, neben beschriebenen Wandels-Tugenden, auch die Aufmerksamkeit und ein fähi-ger Geist befindet, derselbe die Zeit und Gelegen-heit mit nicht geringem Wucher anlegen werde;woran sein Hinken ihm nichts schaden wird, in-dem zur Malerey mehr ein richtiges Augenmaß,als gerade Füße vonnöthen, zumalen weilen beydieser Kunst wenig zu tanzen noch zu laufen ist.Zu dem vorhabenden Lehrzweck sey mein hochge-ehrter Herr versichert, daß der Knabe in Europa (zumalen dieser Zeit) keine vortheilhaftere Gelegen-heit antreffen könnte, indem er bey keinem Ma-ler in der Welt den erforderlichen Unterricht, ne-ben allerhand dazu benöthigten Kunstsachen, Ge-mälden, Bildereyen, Kupferstichen, Büchern bey-sammen finden wird, als bey mir; welches er ohnediese Gelegenheit zerstreuet, entfernet, in Italien ,Frankreich , Deutschland und Holland , mit Ge-fahr, großen Kösten, vieler Mühe und langer Zeit,und ohne richtige Anleitung zusammenklaubenmüßte, als mir sechsten auch geschehen."

Noch müßen wir, zur Steuer der Wahrheit,erwähnen, wie Aicolal **), Füßli entgegen,Werners Schicksal zu Berlin erzählt, wie folgt:»Der Staatsminister E. Freyherr von Dankel-mann, der mit Terwesten unzufrieden war, ließmit ihm Unterhandlung pflegen, nach Berlin zukommen, und ließ ihn i 6 g 5 ohne des Churfür-sten Wissen ***) als Direktor -f-) der neuanzulergenden Akademie der Künste, desgleichen allerKunstarbcit und Zierrathen an ChurfürstlichenGebäuden, Lapezereyen, Bildhauereyen, Gold-schmiedereyen, Schreinwerkereyen und andern der-gleichen Sachen, nach Berlin berufen. Zugleichward ihm die Aufsicht über alle ChurfürstlichenGemälde, sowohl in berlinischen als in andernSchlössern, deren Säuberung, bessere Stellungund Rangirung u. s. w. aufgetragen. Er ver-sprach auch bey dem Einkauf der Malereyen seinGutachten zu geben und sein angefangenes Werkvon der Malerey ^ 1 , welches bey dergleichenanzurichtenden Akademien höchst nothwendig ist.

") Den diesem Blatte mit der Unterschrift: m- rrikm- om-r, srelik, giebt einer unserer deutschen Kunst-freunde eine von der eben erwähnten namhaft abweichenden Kunde: »Dasselbe" (sagt er) »dem man esansieht, daß es von eines Malers Hand gefertigt wurde, findet sich vor den zu Durlach gedruckten Fu«ueralien des 1677 in seiner Residenz Carlsruhe verstorbenen Markgrafen Friedrich von Baden. Es zeigtdiesen Markgrafen, den die Minerva mit einem Lvrber- Herkules mit einem Eichen» und eine Viktoriemit einem Palnienkranze krönen will. Ein Gantkakalog schreibt solches fälschlich (indem er die verzogenenAnfangsbuchstaben irrig betrachtete) einem I. G- Werner zu, und nimmt es eben so unrichtig (da esohne Personalbezeichnung ist) für das Bildniß Königs Friedrich Wilhelm 1. von Preußen.

2") Beschreibung der Königl . Residenzstadt Berlin u. s. f. Neue Ausgabe (Berlin 779.) Bd. II. Anhang 4.S. 84 - u. ff.

nr---) Nach Werners eigenem Geständnisse. S. auf der gleich vorhergehenden Seite die Note 2s, nachFüßlt i. S.-71.

f) »8üßU im Leben Werners I. 0. berichtet, er sey zum ersten Hofmaler und beständigen Direk-tor der Kunstakademie berufen worden. Hieven findet sich aber in s-iner Bestallung vom 4. Jul. 1695gar keine Spur, wv bloß die obenangeführte» Worte stehen. Direktor hieß im Grunde nicht mehr alshernach Rektor. Schlütter bekam auch 1695 das Prädikat als Direktor. Werner bildete sich freylich ein,er wäre der erste unter allen; aber Recht hatte er auf keine Weise dazu. Nicolni.

ff) Von einem solchen Werke ist niemals etwas zum Vorschein gekommen. Selbst Füßlt. Werners

Lobredner, erwähnt nichts davon- Es war also eine bloße Vorspiegelung, um sich wichtig zn mache».Ueberhaupt ist es ausgemacht, daß Werner Dinge unternahm, wozu er nicht fähig war. Er hatte vonDirektion von Gebäuden und andern großen Werken gewiß keine Wissenschaft, und es waren dazu in Ber-