Band 
Zweyter Theil [5].
Seite
5059
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Dad der Venus / das er 1799 vollendet hatte.Im Jahr 1804 erschien von ihni das letzte Abend-mahl/ eine Skizze/ nach welcher das Altarblattin der Collegialen-Kirche zu Windsor ausgeführtist. Ein Stück/ das schon so oft und so glück-lich von den ersten Künstlern bearbeitet worden/konnte nicht aufs neue behandelt werden/ ohnemanchen bittern Tadel zu erfahren. Allein vorur-theilsfreie Kenner gestehen, daß das Gemälderecht gut, und besonders der Heiland eine sehrgelungene Figur sey. Nur mit dem Colvrit warNiemand zufrieden. Weit vorzüglicher ist in die-ser letztem Rücksicht ein Gemälde nach der Offen-barung (XIX., i i und 20.). Einen großen Bey-fall fand sein Cicero, der in Gesellschaft der Ma-gistratspersonen in Syracus das Grabmal desArchimed von Büschen reinigen laßt, hinter denenes vergessen und verborgen stand. Die Figur desConsuls hat ungemeine Würde. Im Hintergründestaunt, das Gefolge und das zusammengelaufeneVolk über das allmahlig hervortretende Denkmal.Eben so viel Lob gebührt der Geschichte Phaekon'snach Ovid . Auch seine zahlreichen Gegner gestehen,daß er hier nichts gemeines aufgestellt hat. Dasfeurige Erwarten Phaeton's, des Vaters Aengstrlichkeit, die wilden Rosse, die schönen Hören rc.beweisen den geübten Künstler. Noch vor seinemAustritt aus der Akademie hat West i 8 c »5 nichtweniger als sieben historische Stücke und eine Land-schaft zur Ausstellung geliefert; und das war wohlju viel für einige Monate Arbeit. Mit der Ideein diesen Werken ist fast jeder Kenner zufrieden,denn sie zeugt immer von einer reifen Beurthei-lungskraft und einem guten Geschmack; allein dieAusführung ist nicht durchaus fleißig, und demColorit fehlt es an Harmonie. Auch haben dieUmrisse der Figuren stets eine gewisse unangenehmeHärte. Unter den Gemälden in der Shakiveare-Gallerie findet man zwey Stücke von West, dieaber nicht zu seinen beßten gehören. Es sindScenen aus dem König Lear (^ct. III. . 5 c. 4 .) unddem Hamlet (^ct. I V. §c. 5 .) *). Seine letzte,berühmteste Arbeit ist ein Gemälde von Nelson'sTode, das er 1806 vollendete, und worüber dieStimmen sehr getheilt sind. West laßt Nelsonauf dem großen Verdeck (quurtvr-äek) und nichtin der großen Cajüre l.coek-pit) sterben, um dieAnsicht der gewonnenen Schlacht selbst im Hinter-grund, so wie den Tod von Adair und Scott alsNebengruppen mit aufzustellen. Es ist der Mo-ment gewählt, wo Nelson vom Capitain Hardydie Nachricht von dem entschiedenen Sieg ver-nimmt, und mit einem Ausruf des Danks zuGott stirbt. Die Stellung des »sterbenden istgerade, nur in entgegengesetzter Richtung, diedeS Generals Woulfe; und hier vermissen dieTadler Allerdings die Neuheit und Originalität,die man bey der Begeisterung für einen solche»Gegenstand wohl zu erwarten berechtigt wäre.In den Figuren herrscht eine unangenehme Kälte.Vergebens bemüht man sich, den Character und

die Empfindungen zu errathen, welche durch dieGesichtszüge ausgedrückt werden sollten: Die be-kannte Liebe und Anhänglichkeit an den großenAdmiral, und die Tiefe Trauer und Angst überseine Verwundung. Indessen war West und istbis auf diesen Augenblick der einzige brittischeGeschichts- Gegenständemaler, der solche leidlichausführen kann, und er legt deswegen auf seineGemälde einen großen Werth. Nicht weniger als2000 Pf. St. werden für dieses Bild gefordert.Man hat gesagt, daß der König, der es gesehenund, wie es heißt, auch gelobt hat, es kaufenwerde. Heakh, der größte jetzt lebende Kupfer-stecher in England, wird es in Kupfer stechen **).Als Schriftsteller hat sich West nur durch eineRede bekannt gemacht, mit welcher er als Prä-sident i/uö die Preisvertheilung eröffnete ***).Sie enthalt eine kurze historische Darstellung desFortgangs der schönen Künste von den frühestenbis zu den gegenwärtigen Zeiten, vornehmlich inder Absicht, darzuthun, daß diese Fortschritte nieso schnell waren, als die neuern der englischenSchule. Als die beyden Hauptursachen davongiebt er theils die für zweckmäßigen Unterrichtgetroffene Fürsorge an, theils den Umstand, daßman dem jungen Künstler völlig freie Wahl der-jenigen Kunstgattung läßt, wozu sein Genie auf-gelegt ist. Bey dem vielen Guten und Belehren-den, welches diese Rede enthalt, vermißt mandoch in ihr den leichten, einnehmenden und ge-schmackvollen Styl von Reynolds".

Zu diesen ausführlichen Notizzen von H. Florillohaben wir nur Weniges nachzuholen. Auf decAusstellung von i 8 o 5 sah man noch von ihm,neben der schon erwähnen Sündfluth, und denbeyden Marien am Grabe: Eine Vertreibung decersten Menschen aus dem Paradiese; Belisar, vondem Knaben geführt, und besonders Thetis , dieihrem Sohne Achill die von Vulkan geschmiedeteWaffen dringt; in weich letzterm Bilde die Zeich-nung durchaus genau, die Figur der Göttin hin-reißend, und die Farbengebung weit sorgfältigerseyn soll, als man sie sonst an die em großenKünstler zu sehen gewohnt war. Noch einige an-dere bisher nicht genannte Arbeiten werden wiebald unten durch das Verzeichniß der nach ihmgelieferten Blätter kennen lernen.

Ueber seinen im Frühjahr 1806 ausgestellten TodNelson's wurde in einem der Zeitung f. d. ele-gante Welt N°. 79. d. I- beygerückten Londoner-Briefe, fast ungebührlich strenge geurtheilt, wiefolgt: Man bemerkte nämlich darin, trotz meh-rerer Hundert auf diesem 4 ^ hohen und /j/ breitenBilde zusammengestellter Figuren die größte Ar-muth der Gedanken, und lediglich ein verworrenesGedränge rings um einen auf dem Boden liegen-den todten Menschen; kurz nichts minder als denwürdigen Pendant zu dem berühmten Tode desGeneral Woulfe, von dem einst Nelson zu Westgesagt haben soll: Daß wenn er einst den Tod

Gemäldes, bey welchem die gehörigen Formalitäten nicht beobachtet worden, und worüber er allerlei Vor-würfe erdulden mußte, zumal da er schon vorher bey gewissen Gelegenheiten (als Präsident) sich zu vielherausgenommen haben sollte. Es wurde daher eine allgemeine Versammlung der Mitglieder gevalten,durch deren Beschluß er von aller Absicht, die Regeln und Gebräuche der Akademie zu beeinträchtigen,losgesprochen wurde". So wird dieser Vorfall in dem Meuscl'schen Archive t. (2.). S. -5960.nach einem Schreiben aus London im Okt. >8ol freylich locker genug erzählt.

") Vergl. Förster, am a. O. S. 58> u. 179.

25 ) Wir bemerken bey dieser Gelegenheit, daß man einige schöne Kupferstiche, die sich auf Nelson's thaten-reiches Leben beziehen, in dessen eigenhändiger Biographie findet, die auf 17 Platten in Kupfer gestochenund von Mac Arthur und Clarke herausgegeben ist. Eremplare auf Velinpapier mit Kupfern auf Atlaskosten 100 Guineen.

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