Band 
Zweyter Theil [5].
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Westermayr»

rath Jung, genannt Stilling (dek auch nach fei-ner Zeichnung in Kupfer gestochen wurde), unddes Arztes Baldinger, der ihm viele Empfehlun-gen gab, steh erwarb. Das dortige anatomischeTheater benutzte er, um sich in der Zeichenkunstfest zu setzen. Er gieng zu dem Grafen von Wit-genstein, nach Berleburg u. a. Orte mehr, arbeitetefleißig, und befand sich endlich in der glücklichenLage, daß er seinem Vater ein Capital von 2000 fi.überreichen konnte. In 1784 machte er sich vonNeuem auf den Weg, und blieb nun 16 Jahrevon dem väterlichen Hause getrennt. Er giengnach Cassel, Göttingen, Hannover, Hamburg ,Lübeck, Bremen, Braunschweig , Sülzthalum,Eöder, dann nach Holland, den Niederlanden ,u. s. f. Lonrad fieng unterdessen jetzt immer mehran, sich mit dem eigentlichen Studium der Kunst,als mit dem bloßen Biidniszeichnen abzuge-ben; auf der Düsseldorfer-Galierie studirte er soz B. sechs Monate aufs emsigste. Da er 1788Cassel besuchte, so traf es sich von ungefähr, daßder Landgraf (der den Unsern schon als Erbprinzzu Hanau seiner Aufmerksamkeit gewürdigt hatte)ihn erkannte, ein Gespräch mit ihm anknüpfte, undihm eine Pension jährlich von 2«oThlr. aufdreyJahre bewilligte. Er sollte damit noch ein Jahrauf der Akademie zu Cassel studieren, und dannzu dem damals in Weimar anwesenden Kupferste-cher Lips sich in die Lehre begeben. In Casselgefiel sich der junge Mann sehr; den regen Triebder hier für die Kunst herrschte, das liberale Ver-hältniß was zwischen den Lehrern und den Schü-lern statt fand, traf er, weder früher noch später,bey sonst keiner Kunstakademie. Schade daß zudieser Zeit eine falsche Skudienwcise an der Ta-gesordnung war; man setzte nämlich die Oclma-lerey selbst fast hintan, um dafür kleine geleckteKabinetsstücke der Holländer in Gouache, Sepieoder schwarzer Kreide zu kopiren. Unterdessenkopirte er zum wenigsten hier in Oel, nach Gerh.Douw, Rembrandk, H. Tischbein u. s. w. Alser 1791 nach Weimar kam, fand er an Lips zuseiner Freude einen Künstler, in dem sich Kunst-fertigkeit und Humanität auf das Schönste ver-einten. Conrad arbeitete nun Tag und Nacht,zeichnete nach dem Gyps anf der Zcichenakademie(von der er auch einen Preiß gewann) und faßtenach einem halbjährigen Studium schon den küh-nen Entschluß , eine große Platte (2 ^ Schuh br.i '/§ Schuh hoch) nach einem Gemälde des Wilh.Tischbein (im Besitze des Geh. Raths Gökhe) zuliefern. Es zeigte den gefangenen Weißlingen,wie er zu Göy von Berlichingen gebracht wird.Ende 1790 zog er den ersten Aetzdruck von derPlatte; und beendete dann, von seinem Lehrermit Rath und That unterstützt, solche durch denGrabstichel, der ihm lals einem ehmaligen Gold-schmied) ungleich geläufiger war als die Nadel.In Cassel war man mit diesem seinem ersten Ver-suche so zufrieden, daß ihm die Adjunkturauf die Professorstelle der Zeichenakademie in Ha-nau zugesichert wurde. Hierauf fertigte er eineandere große Platte in Linirnmanier nach Guido,radirte nach Schalken, Rembrandk n. s. w. undwurde später von Bertuchs Jndustriekomptoir vielmit Buchhandlerarbeir beschäftigt. Dabey ertheilteer zuweilen auch Unterricht in der Weimar 'fchenZeicheuakadeMie, um sich zn seinem künftigenLehramts vorzubereiten; studirte die Landschaft,ein bisher von ihm unbeachtet gebliebenes Fach,und suchte sich den Umgang mit den dortigen be-rühmten Schriftstellern und Gelehrten aufs Beßtezu Nutze zu machen. In 1795 gieng er überLeipzig nach Dresden , kopirte Landschaften nachBerghem und Both in Oel , zeichnete nach denAntiken und war bemüht, sich (in Gesellschaftseines Freundes, des jetzigen Hofkupferstechers Gurfemühl zu Darmstadk) Kenntnisse in Ver Aquatintazu erwerben. Dresden war der Ort nicht, wo es

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ihm gefiel; dort herrschte Partheygeist und Miß-gunst unter den Künstlern Er machte daher miteinem jungen Russen eine kurze Reife nach Prag ,Wien, Brescia und Mailand , kehrte 1797 nachWeimar zurück, und wandte sich von da 1799nach Dessau , wo die Calcographische Gesellschafteine Menge Künstler vereinigt hatte. Hier gaber sich vornämlich damit ab, das Mechanische derKupferstecherkunst, insbesondere der Aquatintanäher zu untersuchen; die Kupferdruckerey des be-rühmten Senn leistete ihm dabey treffliche Dienste.Allein schon i8no wandle er sich wieder nach demgeliebten Weimar . Bey der Plünderung dieserStadt durch die Franzosen 1806 betraf ihn dasUnglück, daß er nicht aüein zwey Drittheile seinesVermögens einbüßte, sondern auch mehrere Por-tefeuilles mit Handzeichnungen berühmter Män-ner, dann verschiedene Oelgemälde und andersSachen mehr, welche ihm lieb und theuer waren.Gerade in dieser bedrangnißvosten Periode erhielter den ihm schon früher zugedachten Ruf nachHanau , demzufolge er sich noch desselben Jah-res dorthin begab. In 1807 nahm ihn die Wer-teraurer-Gesellschaft zum Ehrenmitglied auf. In1808 veranlaßte er zum erstenmal eine öffentlicheAusstellung der Zöglinge der Zeichenakademie, dieihm viel Ehre brachte. In >809 wurde er zumProfessor orclinarius ernannt; erhielt von demHerzog von Weimar den Titel als Hofrath, undvon Frankfurt a. Main das Diplom als Mitglieddes dortigen Museums. Endlich in , 8 r 3 wurdeer Mitdirektor der Akademie, welcher er auch noch1817 vorstand. Von seiner Gatt!» ChristianeHenr. Dororhee, haben wir einige Zeilen höherschon in einem besondern Act. gesprochen. Con-rad war derjenige Künstler, der in derHanauer-Zeichenakademie mit umsichtigem Auge eine ver-besserte Unterrichtsmethode einführte, und ihr ei-nen Werh gab, den sie vordem nie besaß. Frü-her befliß man sich dort einzig der Zeichnung inRothstein; sein Betrieb aber brachte es dahin,daß die Akademie nicht allein sich zu einer gutenBildungsschule für Handwerker u. drgl. (vorzüg-lich werden gute Goldschmiede hier gezogen), um-wandelte, sondern auch mehrere angehende Ku-pferstecher und Maler (deren wir an ihrem Ortenoch gedenken werden) hier einen solchen tüchtigenUnterricht erhielten, daß man alle gute Hoffnungvon dem Gange ihrer wettern Ausbildung hegendarf. Entfernt von jeder Eigennützigkeit sucht ertalentvolle junge Menschen hervorzuziehen, reichtsolchen in den ihm freyen Stunden mit einem lo-benswürdigen Eifer einen umfassender» unentgeld-lichcn Unterricht, und sucht sie, selbst ohne peku-niäre Aufopferungen zu scheuen, in ihrer ange-henden Laufbahn zur Meisterschaft zu unterstützen.So kam es auch, daß die Anzahl der Zöglinge,die sich früher höchstens an die 70 erstreckte, un-ter ihm bis auf 200 zunahm; so wie daß überhauptein reger Sinn zur Kunst in seiner Gegend er-weckt wurde, und ein Kunstliebhaber und eineKunstsammlung nach der andern in Hanau ent-stand, wozu denn allerdings seine eigne Geschick-lichkcit in den verschiedenen Zweigen der Kunst,sein trefflicher Charakter und seine liebenswürdi-gen Eigenschaften als Mensch nicht minver dasihre beytrugen. Unter Conrads Schüler sind zurechnen, wahrend seines Aufenthalts in Weimar :Carl Budeus, Ferdin. Iagötnann, Roenig,Adam Meise. Während dem zu Hanau : Fried-rich Cornicelius, Fricdr Deickerr, Nicl. Gu-stine, Cacharina Luja und Reichard Srengel.

Der Arbeiten des Unsern (mehrere seiner beßtenGemälde, Zeichnungen und Kupferplatten raubteihm die abgedachte Kriegsfahrlichkeit von i8r,6)sind viele; wie es sich nicht anders von solch ei-nem thätigen und kunstfertigen Manne erwartenläßt. Wir beschränken uns auf oje Anzeige fsl-