W o u w e r m a n s.
W o u w e r in a n s.
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*N)öurvermans (Johann), der im §ep. amSchluß des Art. seines Bruders Philipp erscheint.Man hat nur wenige, aber geschätzte Bilder von sei-ner Hand. Eine kleine, sehr angenehme n. warm colo-rirte Landschaft von ihm besaß nochi/ 53 . H. van derVinne zu Hartem. 291. Und inDeutsch-
land ebenfalls zwey kleine Landschaften die GalerieLichtenstein zu Wien , und (i8uc>.) H. Schmidt zuLiel ein Pferd mit einem Trompeter u.a. Reutern;vorne Hirten in einer Landschaft, »brav" gemalt.
* - — (Peter). Von ihm besitzen in
Deutschland die Galerie zu München eine Land-schaft am Meersufer, mit menschlichen Figurenund Thieren; Schleisheim Pferde, die zurTränke geritten werden; Dresden eine Kutsche,die vor einem Wirthshause hält; Galzchalumeinst: Einen Reuter auf weißen Pferde, der voneiner Frau ums Allmosen angesprochen wird, undeinen Jagdgegenstand; poinittersfeldenH.Jagden:Rückkehr einer Gesellschaft von der Jagd; Reuternebst einigen Bettlern; Falkeniers zu Pferde. DieBerliner-Galerie ein aufHolz gemaltes Feldlager(r' 7" hoch, 2' n" br.), von schöner Wirkung;diejenige zu Bopenhagen ein Pariser -Carnevalauf Pont neuf , welches Ramdohr (Studien I.129.) reich componirt, voll Feuer und Leben nennt;H. Schmidt zu Riet (1809.) Mühle mit einerTränke, und ein Reuterlagcc in der Abenddäm-merung; besonders schätzbar wegen der schönenBeleuchtung.
(Philipp). „Allerlei nachtheiligerGerüchte über diesen großen Künstler ungeachtet"(sagt Descanips II. 288.) »ist es zuverläßig,daß derselbe, als wenig gekannt, schlecht be-zahlt, und mit einer starken Haushaltung bela-den, unermüdet arbeiten mußte, daß er aber,bey seinem ruhigen Gemüth und guten Denkens-art darum keines seiner Bilder vernachlaßigt habe."Eine lächerliche Fabel dann sey es, daß er vorseinem Tod alle seine Zeichnungen zu nichte ge-macht*), damit — sagen die Einen — niemanderfahre, wie viel er aus Skizzen von Bamboche,die er zu studiren den Anlaß hatte, geschöpfthabe; oder — sagen die Andern — um seinenSohn (er hatte nur einen, der Cartheufer wurde!)zu zwingen eigene Studien zu machen, oder —wollen die dritten — weil er seinem Bruder perer,den er nicht liebte, ein solches Hülfsmittel nichtgönnen mochte". »Mouwernians" (heißt es beyTaillasson X. p. 257 — 61.) „indem er, gleichvielen Andern, Landschaft mit Figuren und Thie-ren siaffirt fertigte, traf eine solche Auswahl vonLagen und Gegenständen, die ihm ganz eigen wa-ren, und eben das Ausgezeichnete seines Talentsausmachten. Da er besonders gern Pferde malte,so wählte er Orte und Gegenstände, wo dieseinteressanten Geschöpfe die ersten Rollen spielen.Es giebt wenige seiner Bilder, wo man nur EinPferd, und noch wenigere, wo mau keines findet.Seine gewöhnlichen Darstellungen sind Tränken,Ställe, Reitschulen, Pferdemärkte, Schlachten,besonders aber Jagden, und vor Allem aus Vogel-jagden. Sehr oft bringt er Galanterie ins Spiel.Damen nämlich nehmen an den Parthicen Theil,geben den Jägern Feste, oder begnügen sich,gleich diesen, mit ihren einfachen Jägermalzeiten,denen der Appetit die köstlichste Würze giebt;andremal mühen sie sich selbst, so gut als ihreRitter, mit der Jagd, und sogar mit ihren Ge-
fahre» ab, und lassen ihren zierlichen Putz mittenunter den Männern und Pferden wogen. EinColorist, gut wie es die Holländer überhaupt sind,hat Wouwermann noch seinen ganz eigenen Ton,und zwar von gedoppelter völlig verschiedener Art;bald kräftig und fast zu braun; andremale sanft,duftig , fast zu weich; bald giebt seine Farbe insRökhlichte, bald ins Graue. In der Zusammen-setzung zeigt er sehr viel Geschmack, in der Aus-führung eben so viel Geist als Sorgfalt. SeineToccirung ist fest und leicht, ganz natürlich und ohneAnmaaßung. Alle seine Bilder sind angenehm,und seine Darstellungen haben immer etwas Edlesund Liebenswürdiges. Die Landschaft ist eben nichtdas Beßre in seinen Werken, und auch meist nurNebensache. Seine Himmel sind ein wenig wol-ligt, was vielleicht von den vielen Nebeln seinesGeburtslands herrührt, die den entfernten Ge-genständen immer eine gewisse Unentschiedenheitgeben. Auch seine Baume könnten besser geformtund gefärbt seyn. Desto geschätzter, und mitRecht, sind seine Figuren, zumal seine Pferde.Meist haben sie eine ganz besondere Physiognomie,wahrscheinlich ebenfalls nach Landesart, und sindmit größtem Fleiß ausgemalt, gewöhnlich ange-nehme Läufer, von edler und graziöser Form,die das Vergnügen der Jagd mit ihren vorneh-men Reutern zu theilen scheinen. Die Schlachten-stücke ausgenommen wecken alle seine übrige Bil-der sanfte und ruhige Empfindung. Er malt nichteben den glänzenden Prunk des Reichthums, wohlaber die ihm anständigen Erholungen. Wenn seineArbeiten uns nicht an die naiven Freuden desLandvolks erinnern, so stellen sie hingegen jenemit wunderbarer Wahrheit dar, womit der Vor-nehme sich für die lästigen Ungelegenheiten desStadtlebens entschädigt, und selbst damit be-weist, daß, so entartet auch der Mensch dortseyn mag, er den Bedürfnissen und Genüssen sei-nes ersten Ursprungs immer wieder gerne entgegengeht. Von feinen Schlachtcnstucken steht (stand)eines der schönsten im Museum Napoleon , vormals(jetzt wieder) im Besitze des Prinzen Statthaltersvon Holland ; es ist in des Künstlers stärksterManier **)." Von den, wie wir schon vernom-men, eben nicht glänzenden Umstanden des Unsri-gen, in Vcrgleichung mit seinen großen Verdien-sten und seiner unermüdeten Arbeitfamkeit, sprichtTaillaßon mit edler Rührung, und schließt dannvortrefflich, wie folgt: »Ach! ohne alle Ränkekann man nur — der Nachwelt gefallen"! ImMeusel'schen Archive I- ( 5 .) (zu. ». ff. findetsich über den Unsrigen ein Aufsatz, von dessen eigen-thümlichem Verdienst wir späterhin sprechen werden,aus welchem wir einsweilcn nur ff. anführen:»Sehr zu beklagen ist es, das wourvermanssei» Vaterland nie verließ, um seinen Geschmackauf Reisen noch mehr auszubilden. Ihm man-gelte es daher sein ganzes Leben hindurch an Ge-legenheit andere, als niederländifche, Pferde zusehn; und diese gehören doch in Wahrheit nichtunter die schönsten Racenl Daher findet manauf seinen Gemälden viele dicke, fette und groß,tentheils etwas schwerfällige Flammänder, wor-unter jedoch auch viele sind, welche sehr klar be-weisen, daß Wöuwermans ein zartes Gefühlfür schöne Formen hatte, und daß er sich sichtlichbemüht hat, diese — gegen den Charakter derniederländischen Natur — zu veredeln. Es istdaher kein Wunder, wenn Pferdekcnner, die frey-lich, nur gar zu selten, zugleich auch Kunstvcr-
«) Im Kabinet Paignou-Dijsnvai zu Paris z.B. befanden sich noch ,»,0 viere derselben, darunter eine-z" br. u. 9" hohe, von mehrern Figuren, in schwarzer Kreide und ausgctuscht.
a«) Ist es wohl das, von dem es irgendwo heißt: »Eins große Feldschlacht von ihm, die mit »-j.ooo ssbezahlt wurde, wird in der Gallone des Priuzenhvfes im Haag gezeigt."