Band 
Zweyter Theil [5].
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Weitsch.

ben, und über die Art und Weise wie Anpflan-zungen von Obflbäumen allgemeiner zu machenwären.

Die Güte seines Herzens war so ausgezeichnet/daß selten Menschen gefunden werden/ die ihmdarin gleich zu setzen wären. Nokhleidende zuunterstützen war für ihn eine angenehme Wiche;und konnte er dies nicht' aus eignen Mitteln / soscheute er keine Mühe um andere dafür zu ge-winnen ; ja! er ertrug dann selbst Beleidigungen/wenn nur dadurch sein Zweck in Erfüllung ging.Man könnte gar viele Belege hierzu beibringen/läge dies nicht außerhalb unserer Gränzen.

An der Staffele, arbeitete weitsch sehr ruhig/mit großer Besonnenheit und ausdauerndemFleiße. Er malte und zeichnete vieles nach derNatur und hatte eine besondere Einrichtung ge-troffen um auch bequem im Freien malen zu kön-nen. In der Nahe von Braunschweig und Salz-dahlum ist ein großer Eichenwald; dies war einLieblingsaufenthalt des Künstlers, wo er vieleEichen abbildete / vorzüglich aber die Gruppirungder Bäume und die Wirkung, die das Vieh unterden Bäumen macht, studirte. Seine Lieblings-malcr waren Sachkleven, Poelemburg, BergheM/Both / Moucheron, und besonders hielt er denRuisdael hoch. In diesen Meistern fand er diemehrste Natur und zugleich das mehrste Gefühl.Seinen Schülern pflegte er zu sagen/ der Land-schaftsmaler muß sehr wenig Weiß gebrauche»/aber auch für das Blau in Bäumen muß er sichhüten, ja er muß es ganz entbehren lernen. Erselbst gebrauchte Pfirsich - oder gebranntes Wein-reben-Gchwarz und die Mittel-Oker sehr häufig;auch bisweilen grüne Erde und Beinschwarz zumlasiren / doch geschah dies gar selten.

Des Weitsch Arbeiten zerfallen in zwei Pe-rioden; davon die eine von ,783 bis zu Ende desJahrzehnds 1760 läuft/ und die andre von 1770bis zu seinem Absterben.

In der ersten Periode lieferte er kleine Bildervon einigen Zollen bis etwas über ein Fuß. DieAusführung derselben war fleißig, ihr Ton warmund durchsichtig, und das Blatterwerk in denManieren von Both und Moucheron aufgetragen.Gewöhnlich enthielten sie Ansichten von Städten,Klöstern und Dörfern.

In der zweiten Periode wurde das Formatseiner Gemälde größer und der Ton männlicherund kräftiger. Auch wurden sie itzt mehr mitBaume » bereichert, mit sorgfältig ausgeführtemVieh, flachen Wiesen und Gebürgen mit Ruinen.Dieser letzter» Zeit gehören seine Wälder an, inderen Darstellung er sich so auszeichnete, daßweder früher noch spater ein Künstler darin ihnübertreffen hat und er in diesem Betreff dengrößten Landschaftsmalern beigeordnet werdenmuß. Bei alle der Kraft, die er in diese Wald-gegenden legte, ist doch alles klar bis in denHintergrund; denn er malte sogar die HinternParlhien aus, ohne darauf zu achten, daß mancheschöne Parthie wieder von den vorder» Bäumenoder Blattern bedeckt wurden, und dadurch erhiel-ten seine Stücke etwas ganz eigenthümliches,durchsichtiges und leichtes. In einem Kabinetteder Galerie in Salzdahlum , was mit ausgesuch-ten Meisterwerken des Moucheron, Pynaker,Ruisdael , Everdingcn und Wynants behängtwar, fand sich ein solches Bild von WeirschensHand; allein entfernt davon, daß diese Nachbar-schaft und diese Feuerprobe demselben gefährlichworden sei, so wurden Kenner und Nichtkennereben am meisten von dem Waldstück angezogenund verweilten am liebsten unter der Pracht derteutschen Eichen.

Weitsch.

Seine Luftperspektire war einzig, seine Com-posilion groß, die ganze Anlage voller Deutlich-keit und so wahr ausgeprägt, daß man zu demGlauben versucht werden muß, weitsch habe nurPortraits geliefert. Doch war dies nicht der Fall;dagegen war er, wie erwähnt, oft und viel imWalde, liebte die Jagd noch in spätern Jahren,und hielt sich einen Dohnenstieg den er täglich be-suchte und von dem er nie zurückkehrte, ohneeinen Vortheil von seinem Gange gehabt zu haben;lag dieser auch nicht immer in der Jagdtasche,so lag er doch in seinem Kopfe. Die Hauptfigurseiner Bilder giebt gewöhnlich der Stier, derRegent der Heerde, ab; er zeigt sich hervorragend,schön gefleckt und in einer charakteristischen Stel-lung. Oder auch eine Kuh mit weiß und gelbenFlecken, die das Hauptlicht, auffängt. War eSeine Waldgegend, so war die Haupt-Eiche ge-meiniglich nach der Natur und die Behandlungvöllig gleich mit der des Moucheron und Ruis­ dael , doch mit dem Unterschiede »daß Weitschdie Massen von unten so gradirt nach oben, undmit ausgezeichneten Blättern charakterisier, wo-durch mehr Anregendes hervorgebracht wurde".Noch bemerken wir, daß die Ausführung seinerGemälde leicht und keinesweges ängstlich oderpeinlich genannt werden darf; er verstand dasGeheimniß der größten Künstler, den stumpfenFleiß zu verstecken.

Wenn Weitsch auch spät als Maler auftrat,so konnten wir doch eine sehr große Menge seinerBilder rubriciren; allein wir wollen nur einigederselben anführen mit Anzeige des Orts wo sel-bige noch sind oder doch seyn dürften. Brann-schrveig im Museum (welchem in letzten, Jahrenein Tbeil der ehemaligen Galerie zu Salzdahlum einverleibt wurde) der oberwähme vormals zuSalzdahlum Hangende Wald. Bei dem Oberjägec,Meister von Sirrstorpff, eine schöne Eiche mit Vieh,in einer Landschaft; als Gegenstück zu einer treff-lichen Landschaft von Both. Bei dem Kornhänd-lcr Conrad Krause das oberwähnte Stück von1769 mit den Kühen in Lebensgröße; zwei Wald-stücke ( deren eines dem ehmaligcn SalzdahlumerGemälde sehr gleich) und noch mehrere Bilderkleineren Formats zum Theil aus den frühernZeiten. Bei Herrn Lobecke dem ältern, ein schönergroßer Wald. Eoppenhagen bei dem Schiffs-kapitain Daahl, ein Eichenwald mit Vieh. Haagin dem Kabinette des verstorbenen Erbstatthaltersvon Holland , zwei Waldstücke (das eine mit schö-nem ruhigen Wilde). Es war dies ein Geschenkseiner kunstliebenden Tochter, itzt verwittwctenHerzogin von Braunschweig königl. Hoheit. DieFranzosen führten das Kabinet nach Paris .Heimthal bei Riga : Mehrere Gemälde, sowohlWaldung als Vieh, aber auch ein Gewitter miteiner Viehtrift, bei dem Kreismarschall von Sie-vers. London bei Herrn Edding oder Eggingein Waldstück. Mainz bei dem Domherrn vonHütten ein Eichenwald mit Vieh. München ,ein Wald für die Düsseldorfer Galerie, die itzt inMünchen ist. Sr. Oerersburg bei dem GrafenEtlinger, ein Wald mit Vieh. Soeder bei demGrafen von Brabek, zwei 3 Fuß große Wald-stücke, ausstaffirt mit dem damals auf dem GutheSoeder lebenden Vieh. Speier bei dem Dom-dechanten Grafen von N N. ein Wald mit Vieh.Wien bei dem Grafen Wallis , ein Wald mitschönem Vieh. Unter ander» erhielt auch derBildhauer Cavaceppi aus Rom , bei seiner Reisedurch Braunschweig um 1788 zwei Gemälde vonihm, die er so hoch schätzte, daß er den Herzog umdie Erlaubniß bath, den Künstler mit sich nach Rom nehmen zu dürfen. Allein Weitsch war ein zuguter Gatte , als daß er seine Familie lange ver-lassen wollte und damals herrschte fast derGlaube, als ob Rom außerhalb der Welt stände.