Band 
Zweyter Theil [5].
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Weitsch

Weitsch,

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Der zärtliche Vater mahlte in den letztem Jahrenauch noch jedem Gliede seiner Familie (nämlichseiner Frau, der ältesten Tochter und den beidenSöhnen; die jüngste Tochter starb i 7 g>) einenWald, zu seinem Angedenken. Seine letzte Ar-beit bestand eben so aus einem großen schönenWalde, der für den russischen Kaiser bestimmtwar; dasselbe wurde erst in i8iZ und vonseinem Sohne Friedrich Georg beendet und be-findet sich dermalen, nebst noch andern seinerStücke, bei der hinterlassenen Familie.

Was seine größtentheils noch bei seinen Söh-nen befindlichen Handzeichnungen anbelangt, sosind dieselben meistens auf halben Bogen Papier ,was der Länge nach gebrochen ist; sie sind mitder Bleifeder gezeichnet, zu Zeiten des Effekteswegen flach mit etwas Tusche angelegt und ent-halten Ansichten von Städten oder Dörfern oderWiesen mit Vieh. Viehstücke, die er mit vielWahrheit und Sachkenntniß aufzufassen wußte,pflegte er mit rother oder schwarzer Kreide imGeschmack des van der Velde und P. Potter,Schaafe aber in dem des H. Roos zu entwerfen,d. h. jedoch nur im Contour; und obwohl ertaufende von Zeichnungen nach der Natur verfer-tigte , so ist doch keine von ihm ausführlich be-handelt worden. Sprach man mit ihm darüber,so sagte er: Die Zeit, die dazu gehört, bringeich lieber an der Staffelei zu; dann erhalte ichdoch wirklich ein Bild.

Ohne Kenntniß vom Radieren zu besitzen, fer-tigte er in dieser Manier, nach einer ihm gemach-ten nackten Beschreibung des Verfahrens eine sehrseltene nummerirte Folge von n Bl. mit Schaafen,Kühen rc., welche aber wegen seiner Unkenntnigder Sache, beim Aetzen theils zu schwach, theilsaber auch zu stark geriethen. Sie sind bezeichnetk. V/eitscü inv. etkecit, und s trägt dieJahrzahl 1766.

Der Hofrath Pockels in Braunschweig hateine Biographie unseres Künstlers geschrieben,die aber noch nicht durch den Druck bekannt ge-worden ist. Einige Personen die solche gesehen,und unsern Weitsch sehr genau gekannt halten,wollten an diesem Aufsätze aussetzen, baß indemselben des Künstlers Charakteristik verstellt sei,und weitsch darin mehr nach der Individualitätdes Verfassers denke und spreche.

weitsch (Friedrich Georg , gewöhnlich Fried-rich) der älteste Sohn von Pascha Johann Fried­ rich Weitsch ; gebohren zu Braunschweig i? 58 .Sein Vater ließ ihn bis -774 , wo er confirmirtwurde, die Schule besuchen und Friedrich hatteso viel mit den Wissenschaften zu thun, daß ernur des Abends bei Lichte in der Kunst sich ver-suchen konnte. Erlaubte es dann seine Zeit, sokopirte er Zeichnungen; noch mehr aber benutzte erdie von seinem Vater nach der Natur geformten, und in Gips ausgegosscnen Köpfe, Beine undFüße von allerhand Thieren, als Schaafen, Käl-bern, Ziegen, Rehböcken, die er, in alle möglicheLagen und Stellungen gedreht, abzeichnete. Nachseiner Confirmation entschloß er sich zur Lhier-und Landschaftsmalerei, obwohl er auch nichtübel Lust zum Bildhauen und zum Jagdwesenhatte. Als ein Jahr darauf Wilhelm Tischbein seinen Vater besuchte, so beschäftigte er sich zuseinem Vergnügen an Sonntagen bereils mit derMalerei. Tischbein war Ursache, daß Friedrich,freilich erst 1776 nach Kasse! geschickt wurde. Dortfand er hinlängliche Nahrung für sein Fach; undwenn gleich ein kaltes Fieber, was den ganzenSommer hindurch anhielt, ihm viele Zeit weg-nahm, so konnte er dock immerhin einige Bilderseiner LieblingSmaler, nämlich desP. Potter und

des Rosa da Tivoli kopieren, und eben so kam erauch weiter in der Biiderkenntniß, auf die er sichgleich wie sein Vater legte. Nach erfolgter Zurrückkunft beschäftigte er stch mit Landschaften, unddie damals erst einige Jahre bestehende und be-rühmt gewordene Stobwasser'sche Lackierfabrik,für die er Teller und Tischplatten mahlte, ver-schaffte ihm hinlängliche Gelegenheit zu seinerUebung.

Im Jahre 1780 begab es sich jedoch, daß erganz seinem Willen entgegen zum Dildnißmalerwurde. Der braunschweigische Stadt-Major Currbis wünschte sein Bildniß zu besitzen und verfielauf den Gedanken, daß Weitsch , weil er soartig mit dem Pinsel umgehen könnte, auch imStande wäre, ihn abzumalen. Alle guten undalle bösen Gegenvorstellungen waren vergeblich,und voller Aerger über den hartnäckigen Quälgeistergriff er endlich ein Stück rother Kreide um sei-nen Kopf zu zeichnen. Der Entwurf gerieth;allein wie die Palette zur Hand genommen wurde,

^.so fiel dem jungen Mann aller Muth. Es wolltedurchaus kein Leben in die Farben fließen, sieblieben und waren platt und grau ein Glück,daß die Kreide noch durchschimmerte. Nach Ver-laus zweier Stunden, war die erste Sitzung be-endet und »unmehro nahm weitsch seine Zu-flucht zu einem von Miereveld gemachten Kopf,kopierte dessen Farbenköne ohne die Umrisse zuverletzen und das traurige Ansehen seines Bildesging so ziemlich verlohren. Als die zweiteSitzung herbeikam, hatte er schon zuvor, und umrecht sicher zu gehen, die ihm nöthigen Tintenauf der Pallctte gemischt; aber vergebens, inkurzem sah die Malerei wieder eben so schlecht ausals vorher. Er holte also, sobald er allein war,den Miereveld von neuem herbei »nd siehe da!die Herstellung gerieth nach Wunsch; denn früherhatte er zu zaghaft und mit zu kleinen Pinselngearbeitet, itzt aber fand sich bereits hinlänglicheFarbe auf dem Tuche. Die dritte Uebermahlung,bei der er noch einen Kenner zu Rathe zog, brachteendlich das Werk zu Stande. Die besondre Aehn-lichkeit desselben vermochte mehrere Personen Bild-nisse von ihm fertigen zu lassen; er bediente sichseiner stummen Lehrer wie vorher, und reussirteauf diese Weise nicht ohne Beifall. Namentlichwollen wir seines zweiten Bildnisses gedenken, dasdes würdigen Pfarrers Berksom, weil dasselbein der Kirche der Andreas-Gemeinde aufgestelltworden ist.

Den folgenden Sommer besuchte er Salzdah-lum und kopirte dort die schönsten Köpfe auseinem große» Familiengemälde von Ravestein.

Diese waren von einer unübertrefflichen Wahr-heit, rein in der Zeichnung, beynah ganz ohneSchatten und ohne irgend einen gesuchten Effekt;und doch waren sie rund und von einem herr-lichen Kolorit. Ihnen verdankte er sein stets bey-behaltenes System im Koloriren, in der Harmo-nie und in der flachen Behandlung. Noch kopirteer ein sehr brillant ausgeführtes Bildniß desSpinola im Küraß, von Rubens ; und eine schla-fende Bachantin, deren Fleisch besonders warmgehalten war, von Jacob Backer.

Seine Lebensweise zu Braunschweig wurde nundergestalt eingerichtet, daß er die Arbeiten fürdie Stobwassersche Fabrik (meistens Lnchplättermit Idyllen nach S.Geßner , die einen reißendenAbgang fanden) von früh 5 bis 8 Uhr besorgte.

Sie hatten ihren Nutzen für den Künstler, derdadurch immer mehr den nothwendigen flachen -Auftrag der Farben gewann.

Als der alte Professor Oeding , der als Zeichen-lehrer bey dem Collegnim Carolinum angestellt

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