Band 
Zweyter Theil [5].
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gefertigt hatte, so sollte er auch den alten Bürge-meister de Witt in einem großen Bilde abschildern.Allein derselbe wurde unpäßlich und die Familieweirsch begab sich weiter nach Düsseldorf . Hierhatte unterdessen sein Freund und nachherigerSchwager Carl Schröder, der unter Schwitz alsKupferstecher lernte, die besprochene Kopie nachSpagnoletto mit etwas Laqueritzen - Saft über-zogen, sie in einen alten vergoldeten Rahmen ge-setzt und das Bild sodann dem Inspektor Brulliotüberliefert, der es auf der Galerie als ein Origi-nal den Liebhabern vorwies. Auch mit weirsch demBaker, wollte er sich diesen Scherz erlauben. Erzeigte ihm das Bild, was er für daS Produkteines alten unbekannten Meisters ausgab, undfrug ihn ob er es kaufen möchte, da es für denSpottpreis von 12 Carolin zu haben sei. Vaterweirsch betrachtete es naher und sagte: »DasBild ist von Spagnoletto, ganz sein Auftrag;aber nur zu neu. Unterdessen ist es aber auchnicht von dem Luc. Giordano seinem Schüler, undKopie ist es noch weniger. Ich will es nach-gehends nochmals untersuchen." Nachdem dieGalerie durchwandert war, so würbe die Malereivon neuem gemustert und Weirsch sprach endlichdahin sich aus:wäre es nicht zu neu, so wärees von Spagnoletto. Genug ! der der es machte,der war ein Husar im Malen: Ich habe in Mün­ ster noch eine Zahlung für Gemälde zu leisten;komme ich aber nach Braunschweig zurück, sowerde ich Ihnen schreiben, ob Sie mir dasselbeschicken sollen." Als Brulliot nun sah, daß erdie 12 Carolins, mit denen er eine Lustbarkeitausrichten wollte, dermalen nicht erhalten konnte,so antwortete er: »Der Husar, der die Malereigefertigt hat, steht neben Ihnen." Dies gab fürden alten Mann eine große Freude, obwohl ernur die Worte sprach: Was vexirt ihr mich solange, ihr Schäker?

Unser Friedrich behielt seinen jüngern Bruderbei sich, ging aber im Herbste desselben Jahres mitdiesem nach Italien ab, nachdem er vorher, da dieDüsseldorfer Akademie ihn zum Mitglied auf-nahm, sein Rezeptionsstück (das Grabmal des Ra-phael Mengs in einem alten germanischen Eichen-hain) gefertigt hatte. Sie reisten über Frank-furt, Mannheim , Speier, Augsburg , München und Inspruck, nahmen sich aber so viel Zeit-daß sie die Merkwürdigkeiten aller Orte unter-suchen konnten. Zu Speier wäre Friedrich vomMahler bald zur Gottesgelahrtheit überge-treten. In einer Gesellschaft bei der liebenswür-digen Sophie La Röche, deren Bildniß er auchfertigte, gab einst jeder der Anwesenden seineMeinung über den Stand zu erkennen, den erfür den glücklichsten hielt. Als die Reihe unsernKünstler traf, so schilderte er den Stand desLandpredigers mit einem so gefühlten schönenEnthusiasmus, daß der verewig« Domherr vonBeroldingen, der Kammerpräsident von Speierwar, entgegnete: Ob er Lust habe 3 Jahre Theo-logie zu studieren Wäre dies, so wolle er ihmnicht allein 35 » Rthl. Stipendiengelder ausant-worten, sondern er wolle ihm auch in Elze beiHildesheim eine sehr gute Pfarre (nur ihr baarcsEinkommen betrug jährlich rioc» Rthl.) zusichern,deren Prädende er zu vergeben habe. Weirschwilligte ein. Des andern Tages gelang es jedochder Sophie La Röche, ihn durch triftige Einwürfevon seinem Vorhaben abwendig zu machen.

Am i 5 . Dec. 1784 Mittags geschah ihr EinzugjuNom, durch das Thor: Porta di Popolo. Daeben ein heftiges Gewitter die Umsicht beschränkte,>0 rief Friedrich schmerzlich aus: Ach! wie sehrlog Piranesi! Und das Durchsuchen des Koffersauf dem Zollamte, so wie die beiden alten buck-lichen Jungfern (die Wirthsköchter), die ihm nebst

seinem Bruder in dem neuen Logis (was sie beidem eben ausgegangenen Sohne des DirektorsKrähe hatten) mit grellenden Stimmen undder möglichsten und unverschämtesten Zungenge-läufigkeit unabläßig entgegen schrieen, konntenseinen Unmuth wohl nicht stillen. Nachdem er aberWilhelm Tischbeinen auf Trinita di Monte auf-gesucht hatte, bei ihm den jungen Krähe kennenlernte und nun in Gesellschaft mehrerer Teutschen,unter denen sein alter Bekannter Kniev aus Hil-desheim auch war, zu Mittage speiste, so fandauch der gute Humor sich wieder ein. Der Ar-chitekt Krähe eilte mit ihm zur Peterskirche, weiler neugierig war, welchen Eindruck dieselbe auf ihnmachen würde; allein es ging den Gebrüdern wie denmeisten Ankömmlingen, die sich von diesem Ge-bäude beim ersten Anblicke nicht imponier füh-len. Dagegen überraschte sie das Pantheon derRotonde, sowohl durch die prachtvolle Wölbung,als durch den majestätischen Effekt des von obenherabfallenden Lichtes und nie ging Friedrichbei dem Pantheon vorüber, ohne einige Augen-blicke in demselben zu verweilen. Dee moderneGeschmack an dem Lateran ließ ihn ohne Eindruck,desto mehr überraschte jh» jedoch ein Blitzstrahl, dermit einem betäubenden Krachen und Donnerfchlagplötzlich herabfuhr und von dem Gesimse der äußernFacade einen i j füßigcn Stein darnieder schmet-terte. Nach und nach wurde zwar ganz Rom durchgangen; als aber nach drey Wochen der GrafBrabeck von Söder eintraf, den unser Friedrichbei seinen Kunlkwanderungen drei Monate hin-durch täglich von früh 9 bis Nachmittags 3 Uhrbegleiten mußte, so sah er noch gar vieles, wasandre seilen zu Gesicht erhalten. Der immer neueReitz und die stete beständige Beschäftigung seinerEinbildungskraft hierbei, bekam dem Künstler nichtwohl, und versetzte sein Nervensystem gleichsamin einen fieberhaften Zustand.

Als er zu Ruhe gekommen war, wählte ersich diejenigen Kunstwerke und die Meister aus,die er benutzen wollte. Dabei studierte er daShistorische Fach; jedoch fast ausschließlich mehrtheoretisch, als daß er die Zeit mit der Male-rei selbst zubrachte, obgleich er vieles aus denStanzen Rapyaels und aus dem Museo Cicmen-tino kopierte und auch des Winkers bei regnigtenTagen einige Bildnisse fertig«. Seine Lieblings-statuen waren der Torso im Museum, die großeMuse Meipomene, eine Ceres, eine Luna, einigekleinere Musen und der Diskuswerfer, vorzüg-lich und vor allen andern Dingen aber der Ko-loß auf Monte Caoallo. Beide Bruder hattendurch Geschenke an die Aufseher den beständigenEintritt tu drey Gemäldegalerien (nämlich Borg-hese, Doria und Colonna), in denen Friedrichnicht allein seine Gemäidekenntniß erweiterte, son-dern auch versuchte, alle Gemälde und Maler, so-wohl in Historienalsin Landschaften, in drey Haupt-abtheilungen zu kiaistficiren, die er den Histori-schen-, den Idyllen- und den Natur-Skyl nannte.In 1786 besuchte er die Stadt Neapel , derselbenUmgebungen bis Pästum und den Vesuv (diesenzweimal), wo er viele Gegenden abzeichnete. Erwollte dann nach Sicilien reise»; allein eine ein-getretene Windstille, die dazu angewandt wurdeum Evoli und Pästum zu sehen, verursachte daßsie sich zu sehr verweilten, und das Schiff fuhrab, ohne die Gebrüder weirsch zu erwarten.Diese, welche die Uederfahrt bereits bezahlt hat-ten , veclohren dadurch 18 Unzen Goldes. ZweiMonate spater wandten sie sich von Neapel wie-der nach Rom und von da im Frühjahr 1787nach Florenz , woselbst sie 9 Monate zubrachten.Hier studierten sie von den Antiken vorzüglich dieRiobe mit ihren Töchtern; auch besuchte» sietäglich die schönen Galerien, welche in den 'Vol-lasten Pitti und Decchio aufbewahrt werden. Fried-

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