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Weitsch.
und ein Schüler und Schwiegersohn des bekann-ten Preißler war, einst den Vater unseres jungenKünstlers besuchte, und den letztem vor derStaffele! mit einem Bildniß beschäftigt sah, sobetrachtete er seine Arbeit und sagte dann zu ihm:Hör einmal Fritz! ich zweifle gar nicht, daß dudereinst ein geschickter Mann werden kannst; dochwill ich dir rathen gieb den Leuten Farbegenug fürs Geld. Sein Vater legte ihmdiese Worte also aus: Es ist eben das darunterzu verstehen, was ich dir schon oft bemerkthabe; du sollst mit keinem kleinem Pinsel großeTheile machen, weil diese keine Farbe halten,weirsch befolgte nachher treulich sowohl diesenals noch andre gute Rathschläge des alten wür-digen Oeding's .
War gleich unser Künstler seiner Neigung zu-wider zum Bildnißmaler geworden, so sah erdoch ein, daß dies eine gute Quelle für seinenkünftigen Lebensunterhalt abgeben müsse. Er stu-dierte daher recht geflissentlich alle die guten Bild-nißmaler, untersuchte die Grundsätze nach denensie ihre Bildnisse vortrugen, und nach denen siesolche ausführten, und malte selbst bald in derManier dieses, und bald in der Manier eines an-dern Meisters, um das Beßte heraus zu behal-ten und in seiner Ausbildung tüchtige Fort-schritte zu machen. In 1788 mußte er auf Befehldes Herzogs einige von Grass gefertigte Bildnissehoher Personen kopieren. Die elegante Färbungdieses Meisters gefiel damals durch ganz Teutsch-land und weitsch beschloß daher, ebenfalls mehrEleganz in seine Fleischfarben zu legen, ohne je-doch deswegen ins Manierirte zu verfallen. DerGedanke war ganz gut, allein die Ausführungwar schwer; immer fühlte er sich wieder zu denvan Dyk oder zu seinem Liebling Ravestein zurück-gezogen. Er hatte auch die Angewohnheit, daß er,jedesmal, wenn er ein Bildniß anfangen wollte,dasselbe sich in der Idee so zu versmnlichen suchte,als es in der Ausführung werden sollte, umhiernach bey der Arbeit zu verfahren. Aber oftund häufig zeigte es sich, daß die Anlage gradedas Gegentheil gab. Sollte das Bild warm imTone seyn, so wurde es kalt, und umgekehrt.Dies kränkte ihn auch so, daß er zuweilen Thrä-nen des Unmuthes über sich selbst vergoß.
In 1782 bezog er die Akademie zu Düsseldorf ,wo die Freunde und Verehrer seines Vaters (der Di-rektor Krähe, der Galerieinspektor Brulliot u, a. m.)mit offene» Armen ihn empfingen. Hier kopierteer nach guten Meistern, jedoch nicht ganze Bilder,sondern nur einzelne Theile derselben, an denener lernen wollte; blos das Ecce Homo von Correggio und der schöne Kopf des Per. Aretin von Titian wurden gänzlich nachgemalt. Der letztere Kopfgelang selbst in allen Finessen so gut, daß derDirektor Krähe ihn deshalb nicht genugsam lobenkonnte. Da er aber gewohnt war, das Erlernteauch gleich mittelst der Anwendung sich näher zueigen zu machen, so fertigte er aus diesem Grundeuncntgeldlich viele Bildnisse seiner Bekannten. Soz. B. that er dies auch u. a. mit seinem Wirthe,dem Postmeister Herrn von Gehmen, dessen Ge-sicht von warmer Olivenfarbe war und den er ineinem großen Bruststücke darstellte, mit einemweißen Mantel, einer Hand und den Huth aufdem Kopfe. Nach der Sitzung nahm Weitsch,zufolge der einmal angefangenen Studien-Melhode,die Kopie des Titian neben sich und benutzte dar-aus das für ihn brauchbare. Es wurde einmeisterhaftes Bild. — Während des Wintersbesuchte Friedrich die Akademie um nach dem Lebenzu zeichnen. In 1784 hatte Krähe für den GrafenTruchses einen betenden Petrus von Spagnolettoaus Brüssel verschrieben, welches Gemälde, desPostenlaufes halber, zwei und einen Halden Tag
in Düsseldorf liegen bleiben mußte. ^Weitsch wurde deshalb früh Morgens zu Krähen beordert,woselbst er bereits den Kupferstecher ProfessorSchmitz und andre Kunstverständige, in vollerBewundrung über den herrlichen Petrus traf.Derselbe war kräftig und in großen Formen ge-zeichnet, seine Stellung schön gehalten , die Farbewie die des van Dyk und Rubens zusammen ver-schmolzen , und der Effekt war dem gleich, dendie besten Werke Rembrandtö machen. Man for-derte unsern jungen Künstler auf, das Bild zukopieren, wozu er sich aber durchaus nicht ver-stehen wollte, da die Zeit zu knapp gegeben wer-den konnte und da er daneben wirklich sich scheute,an solch einer gefährlichen Klippe Schiffbruch zuleiden, weitsch hatte nie mit der Farbe so zusagen passirt, und in dem Originale war der Auf-trag der Farben „systematisch kühn" und dick wieein Messerrücken, jedoch so, daß die Conturennicht verletzt wurden, welche vielmehr schmelzendund mit größter Genauigkeit gemahlt waren. —Indessen blieb alles vergeblich. Krähe sandte ihmden Spagnoletto ins Quartier und zugleich einaltes Tuch (auf dem früher ein Schüler Krahe'sden H. Johannes nach Raphael angelegt hatte)damit die Zubereitung der Leinwand keinen Zeit-verlust herbeiführe. Um 10 Uhr gings ans Auf-zeichnen und Malen, und am Abende war der Kopf,eine Hand mit dem Gewände, und der Hintergrundbeinah schon fertig. Um 11 Uhr des dritten Tages,wo man das Bild wiederum abholte, wurden ebendie letzten Pinselstriche gemacht. Krähe war außersich vor Freude, daß er verstanden hatte, dieFähigkeit des jungen Künstlers ss richtig zu beur-theilen. Eine Woche später begab sich Weitsch nach Amsterdam , wo er seinen Vater und feinenBruder erwartete, die von Braunschweig aus eineKunstreise machten. Unter den Künstlern, die erdort kennen lernte, gefiel ihm besonders derStadtbildhauer Ziesenis , der ein sehr geschickterund ein sehr origineller Mann war, der in allenden Häusern Zutritt hatte, wo sich Kunstsachenvorfanden und Weirschen daher von vielem Vor-theil wurde. Dem Ziesenis fiel es auf, daß derkaum 26jährige Künstler überall eine Bilderkennt-niß zu Tage legte, die man seines Bedünkens nachin Teutschland schwerlich sich erwerben konnte;auch frappirteu ihn seine Urtheile über die Kunst,so daß er aus einem Spaziergange dem jungenManne offenherzig entdeckte: Mein guter Freund rihr sprecht mit vieler Kenntniß über die Kunst;aber ich fürchte sehr, daß es mit der Ausübungum desto schlechter stehen wird, wie ich das beiden Teutschen oft erlebt habe, Ihr könnt wohlrecht haben, erwiederte Weitsch, denn nur einwenig Gedächtniß und Lust zur Sache und dabeiein richtig fühlendes Auge, dessen Einübung frei-lich nicht in Tagen und Wochen geschehen kann,so kommt man leichtlich mit wissensäafclichenKenntnissen der Praktik um ro Jahre zum voraus,weitsch hatte eine junge schöne Braut zu male»,und da Ziesenis einst unsere Künstlerfamilie zueinem Mittagsessen holen wollte, so betrachteteer auch dies Bild, was bereits angelegt war.Er sagte darauf: „O mein Gott! das habt ihrschon in den paar Stunden gewerkt und 6at is>viiarhgcbtig üeel hierbei fiel er ihm um
den Hals und küßte ihn mit den Worten: ihrseid ein Mann, und kein windiger Fend. Zieseniswar seelenvergnügk und schien alles hervorzusucben,um seinem jungen Freunde die etwanige frühereKränkung zu vergüten. Er führte ihn bei derHand in seine Behausung, trat vor seine Knabendie etwa 10 bis Jahr alt waren und sprach:Jungens, seht diesen noch jungen Mann, derkann zeichnen und malen! Versprecht mir auch sozu werden; wo nicht, Gott verdamm mich, ichbräche euch die Hälse. Nachdem Weitsch nocheinige kleine Pastellgemalde in seinem Wirthshause