Band 
Zweyter Theil [5].
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6087
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Weitsch.

Weitsch.

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drei Schwestern; die älteste Caroline heirathet«den Maler Schwarz, der viel in Pastell arbeitete,und die zweite Louise den Landschaftsmaler Da-niel du Pree zu Amsterdam . Weitsch lebte mitihr, in einer zwar kinderlosen, sonst aber sehrglücklichen Ehe, da sie eine allgemein geachteteFrau von dem liebenswürdigsten Charakter ist,mancherlei Talente besitzt, und noch itzt für einejunge und schöne Frau angesehen werden kann, ob-gleich sie ihr 53 stes Jahr zurückgelegt hat. Fried,rich gebrauchte sich oft ihrer Hände zu Modellen,und hat sie selbst mehreremale abgemalt. In 1795reiste er nach Berlin , wo er sich eines ehren-vollen Empfanges zu erfreuen hatte; sowohl vondem Minister von Heynitz, als von den Künstlernder Akademie, unter denen er mehrere alte Bekannteaus Italien traf, als Schadow, Lütke undGräftsch. Er mußte gleich einige Bildnisse ferti-gen und wurde dann von dem Herrn von Hey-nitz dem damaligen Kronprinzen (jetzigem Könige)und der Kronprinzessin vorgestellt. Des Kron-prinzen Königl. Hoheit frug den Minister: Wirbehalten den Herrn weitsch doch bei uns in Ber­ lin ? und er antwortete: Ich habe bereits darangedacht und ich hoffe daß es Herrn weitsch beiuns gefallen soll. Er erhielt nun den Auftragdie Kronprinzessin, ihre Fraulein Schwester diePrin- Louise, und die Minister von Heynitz undvon Hardenberg in Lebensgröße zu malen ; welcheBilder auch bis zur Ausstellung beendet waren.Doch ging er wieder nach Braunschweig zurück,wei' ein ziemlich mittelmäßiger Künstler, der Pro-fessor O-, ihm mancherlei Kabalen spielte. Beiihrem ersten Zusammentreffen sagte derselbe un-verholen und gleichsam als ein Kompliment ineinem scherzhaften Tone zu ihm: Sind Sie derMann, der seines Vaters Bild mit dem Pudelso schön gemalt hat, so mache ich Ihnen meinKompliment. Sie werden hier bleiben? Nureinige Zeit, erwiederte Weitsch. Nein mein Herr,entgegnete der Professor, ich weiß es, man laßtSie nicht fort. Aber verzeihen Sie mir, wenndas ist, so sind wir alle verlohren; denn Siemalen nicht allein Portraits, sondern auch Histo-rien , Landschaft, Vieh, ja ! alles was Sie wol-len. Verübeln Sie es uns demnach nicht, wennwir suchen müssen Ihnen den Rang abzulaufenDieser Professor und seine Bekanntschaft wußtenes bei Friedrich Wilhelm II. auch so einzuleiten,daß Heynitz nicht durchdringen konnte; doch nahmderselbe Weirschen ein Versprechen ab, daß erwieder nach Berlin kommen wolle was dennauch 1797 erfolgte, da unser Künstler in seinerGeburtsstadk glaubte gekrankt zu seyn. Itzt warenaber 14 Tage kaum verflossen als Heynitz ganz»»vermuthet ihm das Diplom einhändigte, wasihn zum Königlichen Hofmaler und Direktor derBerliner - Akademie ernannte; zwar nur mit einemGehalte von 4 »v Rthir. nebst freier Wohnung,doch mit der Zusicherung noch anderer 600 Rthlr.die er von den Ausstellungsgeldern zu beziehenund dafür er jährlich ein Gemälde zu fertigenhatte. Es kann keinesweges geleugnet werden,daß dieser neue Wirkungskreis ganz für weit-schens Fähigkeiten paßte. Chodowiecki , Meil,Fritsch und Schadow schenkten ihm ihre Freund-schaft, und er war der Mann, der auch solche zuwürdigen und mit Achtung und Liebe zu erwie-dern vermochte. Doch konnte er bei alle dem,dem Neide nicht entgehen und der abgedachte Pro-fessor D stand an der Spitze einer GesellschaftNachtvogel, die seine Gemälde auf eine kränkendeWeise recensirten, bevor sie noch zur Ausstel-lung kamen, aber an selbem Tage, wo dies ge-schah , solche Recensionen auch bereits gedruckterscheinen ließen. Der Künstler wußte diese Dingezu verschmerze», ohne deshalb auf Antikritikenzu denken , was er dem Publikum und dem Augen-schein seiner Malereien überantwortete. Als ihn

die Regierung i8o§ jn das neu acquirirte Hil-desheimische beorderte, um in den dortigen Klö-stern nach Kunstschätzen zu suchen, so fand er(außer zu Neuhaus bei Paderborn ) zwar wenigwas sich der Mühe verlohnte, doch sprach erbei dieser Gelegenheit zum letztenmal« seinen Va,ter, der drey Wochen später starb. Jn 1804fertigte er ein großes Gemälde »ach Ossian: denTod der Borminna. Die Malerei desselben brachteer in sieben Wochen zu Stande; das Studiumdazu kostete ihn dagegen zwei Jahre Zeit. DieFolgen dieser Anstrengung, vielleicht auch dasungewohnte viele Sitzen (in Berlin verlohr sichseine Neigung zur Jagd, weil dort kein Wildgefunden wird, dessen Beobachtung seine Lieb-haberei eigentlich abgab) führte eine Nerven-schwäche herbei, an der er lange litt. weitschunternahm daher mit seiner Frau 180h eine Reisenach Dresden , wo er so schwach wurde, daß ernunmehro den Stock seinen dritten Fuß benannte.Nachdem er Monat daselbst verweilt und seinerFrau zu Gefallen die H. Cäcilia nach Carlo Dolce in kürzester Zeit, zur Verwunderung der Dresd­ ner Künstler, kopiert hakte, so kehrte er nachBerlin zurück. Jn dem kriegerischen, traurige»Winker von r 8 » 3 , mahlte er zu seiner Aufheiterungeinige Idyllen und komponirte auch mehreres fürdie Tonkunst, in der sowohl er als seine Fraubewandert sind. weitsch glaubte daß die Musikvon Nutzen für den Künstler sei, weil solchemanche unklare Dinge wenigstens auf eine analogeWeise verdeutlichen könne. Jn r8o8 wurde ernach Stettin berufen um den Marschall Soult für den Marschalls-Saal in Paris zu malen ; seinfrüher dort hängendes Bild glich ihm so wenig,daß es Napoleon hatte abnehmen lassen. Er be-endete die Arbeit zu höchster Zufriedenheit, undmalte dann auch die Generale Compans, Con-dras und Ferion, so wie mehrere Obersten. Nochsollte er den Ma- schall in einer großen Parfor^e-Jagd (breit 16 Fuß, hoch 12 Fuß) malen. DieSkizze war angefertigt und der Menschen , Pferdeund Hunde Bildnisse besonders entworfen.Mein man sprach in Paris darüber, daß derMarschall in einer Parfor^e - Jagd wolle gemaltseyn , da er doch kein souverainer - Fürst sei.Napoleon sollte sich geäußert haben, er selbst ge-dächte sich noch einmal auf gleiche Weise darstellenzu lassen; und daher geschah es, daß die Sachelau betrieben und nachher, als Soult nach Spa­ nien gieng, gänzlich aufgelchoben und aufgehobenwurde. Die Kriegsrroubeln hatten zwar un-serm Künstler über io,c»oo Rthlr. gekostet; dochfreute er sich bei alle dem, daß nur seine schöneSammlung von Malereien und Handzeichnungenalter Meister und von Kupferstichen glücklich er-halten worden war Gemälde besitzt er von Cima-bue, Masaccio , Joh. Bellino, Titian , da Vinci,Raphael, del Sarto,, Fra Bartholomeo di St.Marco, Mantegna , Garofalo, Rubens , C.Crayer, Potter, Rubi'ns, van Dyk, Berghem,Ruisoael, Pynaker, Everdingen, Carlo Dolce ,N. Poussin , Dürer, Mieris, G. Dow, I. Steenu. s. f. und noch reichnr ist er an vortrefflichenHandzeichnungen. Jn i8l> besuchte er in Ge-sellschaft seiner Frau seinen Schwager, den Malerdu Pree zu Amsterdanr, bereiste ganz Holland und bereicherte seine Sammlung dprch den An-kaufeiniger schönen Gemälde, weitsch lebte noch1819 zn Berlin und war noch in seinem twstenLebensjahre mit einem rastlosen Eifer und Fleißzur Kunst beseelt.

Betrachtet man die Werke unsers Malers, sofindet man, daß seine Färbung treu der Naturund abwechselnd wie diese erscheint. Sie ist kräftig,doch so wenig dunk l als schmutzig. Sein Auftragist flach, pastös in den Liichkpartbien und durchsich-tig klar in den Schatten. Da er auf Art der Nieder-