Winkelmanrr
Winkelmann.
6091
heit den alten Lehrer befiel, war der Jüngling selnFührer und Vorleser, dem zugleich die Aufsichtüber die kleine Schulbibliotheck anvertraut wurde;durch diese seinen Fleiß begünstigende Vortheilemachte er besonders in der lateinischen und griechi-schen Sprache ungemeine Fortschritte. Aus einerin gedachter Bibliotheck befindlicher Schartecke,demAeueröfnerenAdellchenRitterplatz, lernteer zuerst (denn Alles muß doch seinen Anfang neh-men) etwas von Kunstgeschichte kennen. In sei-nem Achtzehnten (i/Z 5 a. k. 1/33.) ging er nachBerlin *) auf das Kölnische Gymnasium, wo erein Jahr blieb, und wahrend der Zeit eine Fuß-reise nach Hamburg machte, um auf einer Ver-steigerung einige der beßten Ausgaben alter Klassi-ker zu kaufen, wozu er stch unterwegs bey Ade-lichen, Beamten und Pfarrern eine Beysteuer er-bat **). In 17Z7 kehrte er auf eine Weile nachseinem Geburtsort zurück, wo er sich als Prafekteines Corps von Chorsängern durch die Stadteinigen Unterhalt verschaffte, und mit diesem klei-nen Verdienst noch seine armen Eltern unterstützenkonnte. In i /38 begab er sich nach der UniversitätHalle, wo er, neben dem Genuß eines kleinenStipendiums, von Unterstützungen seiner Land-leute lebte. Das Studium der Gottcsgclehrtheit,dem er sich widmen sollte, gefiel ihm nicht;desto mehr dasjenige der alten Litteratur und derschönen Wissenschaften. Durch dieses vornehmlichnährte er seinen Geist, und besuchte zn dem Endnoch fleißiger die Bücher- als die Hörsale. Nachzwey Jahren dortigen Aufenthalts bekam er da-selbst die Bibliotheck des Kanzlers von Ludewig zuordnen, dem er sich auch dadurch gefällig machte,baß «r aus dessen Umgang die Anfangsgründe desFeudalrechts erlernte. Jtzt erwachte bey ihm aufsneue eine schon frühe genährte Begierde, fremdeLander zu sehen, und er entschloß sich 1740 zueiner Wanderung nach Paris ***) und Rom . DieMittel zu dieser Reise hofte er, sobald er in ka-tholischen Ländern anlangen würde, allenfalls in
den Klöster« zu finden, unter der Versicherung,daß er die — Religion andern, und in Rom sein katholisches Glaudensbekenntniß ablegen wolle.Aber er kam für diesmal nur bis nach — Gellen-Hausen in der Gegend von Frankfurt , wo er we-gen des ausbrechenden Kriegs, der die Straßenunsicher machte, wieder umkehrte und nach Hallezurückging ^). Nachdem er sich einigemal ver-gebens an Geßner in Göttingen gewandt hatte,um dort durch dessen Fürsprache zu einem Amtezu gelangen, bekleidete er in den I. 1741—43.zwey Hauslehrerstellen zu Osterburg und Hei-mersleben bey Halberstadt -j-f-f-). Zwischen dielenbeyden Anstellungen ging er auf kurze Zeit nach Jena ,wo er anfangs Medizin und Mathematik studirenwollte, bann aber, weil er, um zu leben, Privat-unterricht ertheilen mußte, diesen Vorsatz aufgab,und dafür in freyen Stunden Englisch und Italiä-nisch lernte. Zu Heimersleben gab die Benutzungder Büchersammlung eines ehemaligen Geiandk-schafts-Sekretairs am Französischen Hof*) ihmdie Veranlassung sich auf das Studium der Ge-schichte zu werfen; und eben daselbst war es,wo er zweymal Bayle's Wörterbuch las und ex-zerpirte. — In 1743 erhielt er, durch seines Vor-gängers, Boysens, Vermittelung das Conrekto-rat an der Schule zu Seehausen in der Allmark.Diese Lehrstelle war aber so karg an Einkünften,daß er genöthigt war **), bey den Einwohnernsich Freytische auszumikteln, und dabey so nie-derschlagend sein Pflichtgeschäft, rohe schmutzig«Buben in den Rudimenten des Lesens und Schrei-bens zu unterrichten ***). Dennoch verlor er denMuth nicht, und setzte seine Privatstudten (welchedamals, neben den griechischen Classkern unk»Geschichte, noch die vorzüglichsten Dichter undProsaisten der Franzosen , Britten und Jkalianerwaren) mit solchem Eifer fort, daß er selbst i»kalten Winternächten nicht zu Bette ging, sondernvon Mitternacht an, in seinen Pelz gehüllt-s-),auf einem Lehnstuhle nicht über vier Stunden schlief,
") Ob W. »och früher, oder dann etwas späther (sicher einmal) eine Zeitlang auch auf der Schule zu Salz-wedel frequentier habe, läßt Gurlttt (Notiz S 5 ) unbestimmt-
Dreyßig Jahre späther ließ er aus Rom, durch einen seiner Freunde in der Schweiz, Sichern in Berlin bitten, ihm den dortigen Pastor Kuhze und Rector Damm zu grüßen, mit dem Anhange: Nur die Furchtungünstiger Aufnahme, wegen seiner Rellgionsändcruug, hindern ihn, dem crstern selbst zn schreiben, undfür vou ihm empfangene Gutthaten zu danken. Dr. a. d. Schweizer S. 97.
»»") Seine» Gelüst nach Frankreich zu gehen, sollen Cäsars Commentare zuerst in ihm erweckt haben.
4 ) Was ihm auf der Brücke zu Fulda begegnete, war lustig genug, wo er sich den Bart machte, und einigevorbeyreisende Damen ein großes Geschrey erhoben, weil sie glaubten, daß er sich die Gurgel abzuschneidenim Begriffe stühnde.
-j-f) Bey dem Rittmeister von Grollmann.
fff) Bey dem Oberamtmaon Lamprecht, für dessen Sohn er die zärtlichste Liebe faßte, die aber dieser mit Un-dank belohnte, worüber w- sich bis an seinen Tod beschwerte, ohne jedoch über die Natur dieses Undanks
sich vollständig auszudrücken!
H. von Hanse».
«*) Nach Gurlttt S-8. hätte er denn dock sein geringes Einkommen dadurch verbessert, daß er einige junge
Adeliche, wie z. B- seinen geliebt?» Lamprecht und den Sohn des H. von Hanfes in Pension nahm, und
dadurch in Stand gesetzt wurde, sich sogar große historische Werke, wie Daniel und R. Thooras anzukau-fen. Höchst sonderbar ist, was ebenfalls l. c. erzählt wird, daß er, um diese Herren neuere Geschichtezu lehren, alle Tage 5 Jahre vornahm, und so drey Jahrhunderte in einem jährlichen Cursus mit ihnendurchging.
ei»») Ms einem Schreiben von Bovsen an Gleim erhellet, daß er zu Seebausen anfänglich eben nicht in günstigemRuf stand, theils weil es ihm an der äußern Gabe des Unterrichts gebrach, theils weil er nicht predigenkonnte. Dennoch ging er spätherhin v»n Sethausen mit guten Attestaten des dortigen Magistrats, des Snpe,rinrendenten Noltenius und des Schulinspektvrs Schnackenburg nach Nöthenitz ab. Dr. nn Lünau vom-8. 2»l. -748-
ch) Dieser diente ihm auch in Rom , immer noch als Mittel, ohne Feuer,Den» auch freye Heitzung harte er von der Eminenz Albani nicht erhalten.
sich vor Frost zu verwahren.
Q 14