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Winkelmann
Winkelmann.
bann wieder erwachte, seine Lampe anzündete,und bis 6 Uhr fort studirte, wo die Stundendes Unterrichts wieder anfingen. In dieser äußerstbeschrankten Lage, und ohne Aussicht je einengrößer» Wirkungskreis zu erlangen, blieb er fünfJahre lang *) bis 1748, als er nach dem Todeseines Bakers aus eigener Bewegung den Muthfaßte, an den Minister Grafen von Bunan nachNöthenitz bey Dresden zu schreiben, und densel-ben um ein Geschäft in seiner Bibliothek bat, woindessen die eigentliche Aufseherstelle bereits durchFranke besetzt war **). Dennoch wurde sein Ge-such günstig aufgenommen, und ihm die Stelleeines Sekretärs bey diesem unermeßlichen Bücher-schatze, mit — 8 » Thalern Gehalt angeboten. Mitgroßen Freuden folgte er dem Rufe, und erwarbsich durch Fleiß und geschickte Ausführung der ihmaufgetragenen Arbeiten bald die Gunst und dasvolle Zutrauen des Grafen. Sein Hauptgeschäftwar, zum Behufe der Reichsgeschichte desselbenAuszüge aus den deutschen Ieitbüchern zu ferti-gen. Mit seinem Amtsgehülfe Franke lebte erlange in einiger Zurückhaltung; erst nach etlichenJahren näherten sie sich einander, und schloßenbann eine innige Freundschaft, die sich erst mitdem Tode des Unsrigen endigte. Mittlerweile stu-dirte w- auch zu Nöthenitz fleißig für sich, fuhrfort Altes und Neues (hier namentlich auch dieKirchenväter) zu lesen, und sich, nach seiner Ge-wohnheit, von allem Wissenswürdigen Auszügezu machen, die ihm späterhin, bey seinen eigenenArbeiten, von unerwartetem Nutzen waren. DieNähe Dresdens dann, und der herrlichen Kunst-schätze, deren Genuß ihn öfter nach der Residenzzog, weckten aufs Neue seine Liebe für die bil-denden Künste, welche aus Mangel an Nahrungso lange in ihm geschlummert hatte, stärker als je.Er machte mit einigen auf der Galerie arbeitendenKünstlern Bekanntschaft, und faßte den Vorsatz,sich noch praktisch in der Kunst zu üben; aber erward bald inne, daß er bereits zu alt sey, um
darin noch etwas zu leisten, und daß er seineNeigung auf das theoretische und geschichtlichederselben beschränken müssen, zu welchem EndeLipperts, L. von Hagedorn ***), und des Ma-lers Oeser, Umgang, Arbeiten und Kunst-sammlungen sehr lehrreich für ihn waren. Beson-ders wichtig war für ihn die freundschaftlicheVerbindung mit dem letzter». Dieser geniale,feurige Künstler 'j') führte ihn eigentlich in dasHeiligthum der Kunst ein, öffnete seinem Augeine fruchtbare Ansicht ihrer Werke, und entzün-dete in ihm den Enthusiasmus für das Ideal desSchönen, welches zwar durch das Studium deralten Klassiker bey ihm bereits geweckt, aber nochzu keiner bestimmten Anschauung entwickelt war.Unter solcher Anleitung fing er an, die verschie-dene Schulen der Kunst und den eigenthümlichenCharakter ihrer Werke zu studiren, und die theo-retischen und praktischen Resultate, welche Oeserihm mittheilte, gaben seinen Ansichten und Ur-theilen die erste Richtung. Der trübe Gesichts-kreis, in welchem bisher die Zukunft nur nochdunkel vor ihm lag, heiterte sich auf, und ersah nun das Ziel seines Strebens und Wirkensentschieden vor sich. Von nun an war Italien der einzige Gegenstand seiner Wünsche, und baldzeigte sich ein Schimmer von Möglichkeit zu Er-füllung derselben. Unter den vornehmen Fremden,welche von Dresden aus Nöthenitz besuchten, kamauch der Päpstliche Nuntius Archinto öfters da-hin, um sich in des Grafen Bibliotheck umzusehn;in seiner dadurch veranlaßten Bekanntschaft mitWinkelmann fand er oft die Veranlassung, dievielseitige Gelehrsamkeit desselben zu bewundern,that ihm den Vorschlag nach Rom zu gehen, umdort auf einem größer» Schauplatze mit seinemKenntnissen zu wuchern, und zeigte ihm zugleichdie lockende Aussicht auf eine Stelle in der Vati-kanischen Bibliotheck, wozu denn freylich erfo-derlich sey, daß er vorher zur katholischen Reli-gion übergehe In der Stimmung, worin
") Mit welcher Philosophie s. noch einen Brief an den Verfasser der gegenwärtigen Zusätze aus Rom vomIZ. Jul. 1764 worinn es heißt: «Wir sollen wie Kinder an der Tafel seyn, und zufrieden nehmen wasuns vorgeleget wird, nicht selbst zulangen oder murren, und unsere Person die uns gegeben ist, sie magsevn wie sie will, gut spielen. Ich habe den Schulmeister mit großer Treue gemacht, und ließ Kindermit grindigten Köpfen das A B C lesen, wen« ich während dieses Zeitvertreibs sehnlich wünschte zurKenntniß des Schönen zu gelangen, und Gleichnisse aus dem Homerus betete. In Sachsen schrieb ichden ganzen Tag alte Urkunden und Chronicken aus, und las Leben der Heiligen, und des Nachts denSophokles und dessen Gesellen. Ich rief mir aber beständig zu, wie noch jetzo:
*) Stille mein Herz, Geduld! du ertrugst wohl schwerere Uebel.
Driefe a. s. Freunde i. d. Schweiz S. 156.
Die mehrere Daten zu der »herzählten Geschichte von w. frühern Schicksalen finden sich hauptsächlich indem bey Daßdorf 1. S. 7— >2. enthaltenen lateinischen Briefe an den Grafen von Bünau (Dat. See-hauscn, 10. Jul. ,74g) der sich, charakterisch genug, schließt wie folgt:
IHgeslmum SQIIUM nune primuni complevi. Munäuz corziori», <;uSlltuin sieri poluit, genio«eculi sccoillOlisruz esc, non ecguilleni vils j,rss-e»ti inter ingeoi», >;ui oum Iillrriu»
»pecrurem, ^uo icer sacers sere tjuolsnnis covsuevl, cou^sroinsre eursvi vesUllieoia ino-
llesce ur non siuilesc elegsnlium tiomwuni c>r» suliire. c)uo<l inemiiiisse ckuxi, ne k,on-
rem scliolaicicam nigrir paoui5 obvolursul, uk lleri »oler » niei oftllnis Uomioidu», all 1*« «cknill-cere lisesiisrei.
* 22 ) Den er für einen gelehrten und Kunstkundigen, doch etwas geschwätzigen Dilettanten hielt.
f) Bon dem er in seinem gewohnten — schönen Unmaaße von Freundschaft urtheilte: Er male wie Aristi-dcs — die Seele. Lrläut. d- Gedanken über d. Nachahnr. S. 172.
ff) Wie der listige Welsche ihn nach und nach hineinlockte s. in dem Nrief an Sünau vom 17. Sept. 1754.«Ich ging einige Zeit nach den neuen Anfällen, die meine Gesundheit" (durch angestrengte Arbeit) erlit-ten, zu dem gewesenen Nuntio, H.Archinto, den ick' Jahr und Tag nicht «gesprochen, bloß in der Absicht,mich über meinen Rücktritt" (wie es scheint, hatte w. es schon einmal näher gegeben) «zu entschuldigen,und" (da Archinto eben abreisen wollte) «von ihm Abschied zu nehmen, ja, wenn es, ohne weiter zngehen, möglich seyn könnte, mir den Weg nach Rom offen zu erhalten. Sein Bezeigen gegen mich wargütiger als es mir selbst lieb war; er suchte mich durch Bitten und Versprechen zu bewegen, ihm zu fol-