Band 
Zweyter Theil [5].
Seite
6093
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Winkelmann.

Winkelmann

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der Unsrige sich damals befand, war ein solchesAnerbieten nicht wenig anlockend, wenn gleichdie beygefügte Bedingung anfangs »och mehr sei-nem Ehrgefühl als seiner Denkweise entgegenstand.Da er nämlich in der positiven Religion überhauptsehr duldsam war, und die Verschiedenheiten desKultus mehr für eine äußere Einkleidung der in-nern Gesinnung ansah, so mochte der endlicheEntschluß ihn keinen allzuharken Kampf gekostethaben; ja es ist wahrscheinlich, daß der Gedankedaran von selbst schon früher durch seine Seeleging. Desto mehr ängstigte es ihn, diesen Schrittzu thun, wenn er mit seinen Freunden, und be-sonders mit seinem Herrn und Beschützer, demGrafen von Bünau, darüber zerfallen sollte. Diesallein hielt ihn lange in der Unschlüßigkeit, wäh-rend in seiner eignen Ueberzeugung die Sacheschon längst entschieden war. Der Nunzius hattedem P. Rauch, Beichtvater des Königes vonPolen, die nähern Unterhandlungen mit Ü). auf-getragen, welche anfangs sehr geheim betriebenwurden, und durch mancherlei Umstände verzögertüber zwey Jahre lang (1762 — 54 ') fortdauerten.So sehr es dem Nunzius um die Ehre zu thunwar, sich in Rom des Verdienstes zu bcrühmen,einen neuen Bekenner für die Kirche gewonnen zuhaben, so wollte er ihr doch diesen Proselytengerne so wohlfeil als möglich erwerben; seineVersprechungen waren daher immer aufs Unge-wisse gestellt. Anfangs sollte N). bloß als Bi-bliothekar des Kardinals Passionei nach Rom gehn;aber P. Rauch, der es denn doch redlicher mitihm meinie, leitete in der Folge die Sache so ein,daß der Unsrige mit einem kleinen Jahrgeld in

Rom leben könnte, ohne sich an «inen dortigenGroßen zu verdingen Wmkelmann trat end-lich im Sommer 1754 förmlich zur RömischenKirche über, und legte sein Glaubensbekenntnißin die Hände des Nuntius nieder. Mit peinlicherUnruhe meldete er sodann den gethanen Schrittdem Grafen Bünau **), der aber die Sache alserfahrener Weltmann nahm, und ihm seine Gunstnicht entzog. Um Michaelis des gedachten Jahrsverließ er des Grafen Dienste, und ging nachDresden , um sich bis zu seiner Abreise ganzdem Studium der Kunst zu widmen, und bezogdaselbst ein Zimmer bey Oesern. Noch ver-wickelte ihn die Bekanntschaft mit Bianconi, demLeibärzte des Churprinzen, der ihn aus kleinlichenegoistischen Absichten länger in Dresden zurück-halten wollte, in mancherlei Unannehmlichkeiten,denen aber der biedere Deutsche geschickt auszu-weichen wußte. Immerhin aber verzögerten dieseund andere neue Schwierigkeiten seine Reise nachItalien noch für ein ganzes Jahr. In dieserZwischenzeit gab er seine: Gedanken über dieNachahmung der Griechischen Werke ***).Seine vornehmste Absicht mit dieser Schrift war,sich im Gebiete der Kunst durch etwas Originellesanzukündigen, und ein ihm günstiges Aufsehenzu erregen. Dieser Zweck gelang ihm über Erwar-ten. Auf ausdrücklichen Rath des Ministers Gra-fen von Brüht wurde solche dem Könige zugeeig-net, der aber davon einstweilen so gut als keineKenntniß nahm -j-ä; und damit sie selten bliebe,hatte W. davon nur 5 « Drucke ziehen lassen,welche verschenkt wurden. Eine Dame vonStand erbot sich zur Translation derselben ins

gen. Er sahe meinen ausgezehrten Körper und machte mir keine Hofnung ,ur Genesung, als durch eineVeränderung der Lebensart und eine Erhohlung von der Arbeit." Niedreres freylich Uuzufammcnhängenöes,aber ungemein Naives über dies.- Unterhandlungen, über w. Wanken und seinen endlichen Entschluß,in den I. -752 — 54- in den Briefen an Berendis N? - —-o.

*) Seine Dankbarkeit gegen diesen letzter» war unauslöschlich; und besonders lebhaft sprach sie sich öffentlicham Schluße der Vorrede zu den Anmerkungen über die Baukunst der Alten aus.

*2) Untern -7. Sept. -754. S. den schon oben angeführten, von 1 V- in sichtbarer Irre der Gedanken, ober wohl oder übel gehandelt, geschriebenen Brief bey Dassdors i- S- -7 —rz- Da er den Homer indiesem Jahr dreymal gelesen, so war nichts natürlicher, als in diesem Briefe das berühmte HomerischeDictum zu citiren: „Die Götter geben den Sterblichen nur immer auf Einen Lag ihr abg-ni ßenes Theilvon Vernunft." Dem Allem sey übrigens, wie ihm will. so viel ist gewiß, daß w. den von vielen sohart beurtheilten Schritt aus keinerlei andern Absichten, als aus enthusiastischer Liebe für die Kunst gethan.Da wir eines Tags in den Privatzimmern der Prinzessin Barberini ein Paar vorzügliche Gemälde zu be-sichtigen die Erlaubniß erhielten, klopfte er mir auf die Achsel: „Freund! Ohne meinen Ablall wärenmir diese und ähnliche Kunstjuweele nie zu Gesicht gekommen!" «o--k. mit dem erwähnten Brief anVürxru einen andern vom nämliche« Datum, und noch ein-n frühern vom -s Jul. bevde an BerendisI. c. S. 42 —5z. Und dann besonders den Brief von Erdmaniisdorf an M Huber, in des letzter»biographischen Nachrichten von U). an der Spitze seiner Ueberstzung der Geschichte d r Kunst S- CXl.ll.welcher" (merkwürdig genug) lautet, wie folgt: „Eines Tages, als ich mit ihm allein von Nettuno zurück-kam, und wir uns über den Theil seines Lebens unterhielten, den er in Lachsen zugebracht, sagt- er mir:Er schmeichle sich, daß die, so ihn da gekannt hätten, ihn nicht in dem Verdacht haben würden, er habeaus intereffirten Absichten die katholische Religion angenommen, wie es allerdings bey den Meisten derFall wäre, die diesen Schritt thäten. Er gestand m-r, daß, wenn seine Mutter oder einige s. iner näch-sten Verwandten noch gelebt hätten, er sich niemals würde dazu haben entschließen können, aus Furchtsie r» kränken: Da er aber Niemand mehr gehabt, der sehr lebhaften Antheil an dem, was ihn ang-he,genommen, so habe er geglaubt, sich über das hinweg setze» zu müssen, was das Publicum zu seinemNachtheile davon sagen möchte, weil er sich fest überzeugt daß es das einzige Mittel wäre, zu seinemZweck zu gelangen. Nach Rom zu geh», und sich ganz dem Studium des Alterthums zu widmen, dahinzielten alle seine Lieblingswünsche Er war delicat gewesen in Absicht eines Shrenpuncrs. Der CardinalArchinto, als damaliger Nuntius des Pabstes in Dresden , hatte sehr gewünscht, bey der Abreise nachRom winkekmann mit sich zu nehmen; er wollte aber lieber auf sein: Kost?» hingehn, um nicht indieser Hauptstadt im Gefolge des Nuntius als Einer seiner Proselyten zu erschein n. Vv,. aller Heuchele» ent-fernt, wollte er nur sein eigner Prvselyt seyn." morgens!. S. ,4-15. Was nach diesem der elende Onalzorvfaselt: „Der Schritt des Unsrigen sey dem Lesen seiner geliebten H-iden oder" (wie der Vo redner derWiener-Ausgabe der Kunstgeschichte nicht viel besser dahlt) „demSruv'-um der Küchenvät r zuzuschreiben",ist keiner Widerlegung werth; und selbst wie Gurlitt S >>. und ff. das Räthsel aus w. damaligerKränklichkeit an Leib und Seele lösen will, scheint uns wenigstcue nur halbwahr zu seyn.

n»») Dresd . u. Leipz. -755. bey wnlther.

f) Doch darüber einmal das, eben nicht vom Geiste der Alten geprägte Wort aussprach:in sein rechtes Wasser" (nach Rom ) „kommen!"

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„Dieser Fisik soll