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Winkelmann.
Winkelmann
Grafen von Brühl seine zweyte Reise nach Neapel ,besuchte aufs neue die dortige Umgegend und Alter-thümer, und brachte wieder eine Menge Entdeckun-gen und Bemerkungen zurück, die er bald hernachin einem an gemeldken Grafen gerichteten Send-schreiben über die Herkulanischen Entdeckun-gen zu Dresden drucken ließ *). Noch etwasfrüher waren auch ebendaselbst seine Anmerkun-gen über die Baukunst der Alten erschienen **).Schon seit einiger Zeit hatte er hiernächst denVorsatz zu der Ausarbeitung einer Schrift gefaßt,welche die Aufschrift führen sollte: Erläuterungschwerer Punkte in der Mythologie und denAlterthümern; als er aber Hand an die Aus-arbeitung legte, erweiterte er seinen Plan zu einemgrößer» Werke mit vielen Kupfern, welches, ihmunter den Handen immer mehr anwachsend, etwafünf Jahre spather, in italiänischer Sprache,unter dem Titel: lVlonumentl gntrekr ineclitians Licht trat. Noch ein anderes Werk in latei-nischer Sprache, woran er zu gleicher Zeit arbeitete,welches eine Erklärung noch nicht bekannterGriechischer Münzen enthalten sollte, und derSocietät der Wissenschaften in London zugedachtwar, ist vollends unausgeführt geblieben. Auchlegte er nun, nachdem die Geschichte der Bunstin der Handschrift vollendet war, ernstlich Handan seine Schrift: Ueber die Allegorie, zu wel-cher er schon in Dresden den ersten Gedanken ge-faßt, und seit mehrern Jahren in Italien die Ma-terialien gesammelt hatte Wahrend seines dies-jährigen Sommeraufenthalts in Castel-Gandolfo befiel ihn ein bösartiges Fieber, das seinem LebenGefahr drohte, und von dem er erst im Herbstewieder genas. — Um dem ersten Bedürfnisse seinesHerzens, dem Triebe zur Freundschaft, ein Genügezu leisten, wollte er Römische Briefe über Gegen-stände der Kunst schreiben, ».seinen Freunden diesel-ben zueignen. Aber, wie so viele andere, blieb auchdieser Vorsatz seines immer mit neuen Entwürfenbeschäftigten Geistes unausgeführt ***). Nur diekleine Schrift über die Empfindung des Schö-nen, welche er im Herbste 1/63 schrieb, und demH. von Berg ans Liefland zugeeignete, ist als einsolches Denkmal der Freundschaft zu betrachten^);und die geistigen und körperlichen Schönheiten die-ses liebenswürdigen Edelmanns konnte er seinenspälhern Freunden nie genug rühmen. — In dem-selben Jahr erhielt W- einen Antrag des KardinalMigazzi in Wien , als Gesellschafter, mit 5 oo st.
Gehalt und freyem Hausstand, in dessen Dienste zutreten; aber eine angemeßenere Beförderung wardihm zur selbigen Zeit in Rom zu Theil, als er diedurch den Tod des Abbake Venuti erledigte Stelleeines Oberaufsehers aller Alterthümer in und umRom -f^), mit einem monatlichen Einkommen von12— ib Scudi erhielt, und ihm noch überdies einJahrgehalk von bo Scudi von der VatikanischenBibliothek als Wartgeld ausgesetzt ward, bis einScrittorat an derselben ledig wurde. Diese Ver-besserung seiner Lage bestärkte seinen Vorsatz, fürimmer in Rom zu bleiben, und selbst seine Aus-sichten auf Sachsen fahren zu lassen. Auch be-schloß er nunmehr, keine Fremden weiter in Rom zu führen, um die Wurde seines Amtes, dieVenuti dadurch herabgesetzt hatte, gebührend zubehaupten; doch machte er mit Fürstlichen Per-sonen eine Ausnahme— Die erste Durch-sicht des schon oben erwähnten Werkes der:Monument! ineöiti, dessen Text in demsel-ben Jahre vollendete, übernahm sein gelehrterFreund Baldani; eine zweyte Correctur des Styl'sder seiner Sprache klassisch kundige — Baumeistervon Caserta , Vanvitelli . Indessen verzögerte dieMenge der dazu erfoderlichen Kupfertafeln dieErscheinung desselben noch lange, besonders nach-dem Casanova, der das Geschäft der Zeichnungenübernommen hatte, und auch die Kosten dazugrößtenkheils vorschoß, im Sommer 1764 einemRuft nach Dresden solgte, wo dann die ganzeLast und Besorgung des Unternehmens auf denUnsrigen allein zurückfiel. — Mit dem Anfangedes vorerwähnten Jahrs trat endlicd die Ge-schichte der Runst zu Dresden ans Licht. AusderZueignung derselben an den H. Churfürst konnteer keinerlei Vortheil ziehen, da dieser letztere, ohnesolche gesehen zu haben, mittlerweile Todes ver-bliech *). — Im Frühlinge desselben Jahres unter-nahm er, in Gesellschaft des nachberigen Raths-herrn Volkmanns aus Hamburg , dann des Ver-fassers der gegenwärtigen Zusätze, und der Künst-lerin Angelika Kaufmann , nebst ihrem Vater, feinedritte Reise nach Neapel , wo er drey Wochen **)lang blieb, und, nebst mehrern neuen Entdeckun-gen zu Portici u s f. interessante Bemerkungen überdie alten Theater sammelte, die er anfangs zu ei-ner vermehrten Ausgabe des ersten Sendschreibensan Brühl bestimmte, nachher aber in einer beson-dern Schrift, unter dem Titel: zJachrichren vonden neuesten Herkulanischen Entdeckungen,
2) 4° Dresd . 762. bey Walther 96 S- Ins Französische übersetzt von Huber erschien es (4? Paris ) 764.bey Lillard. »
22) 4- Leipj. 76-. (->. li. 6-.) bey Dyck.
2«2) Einzig heißt es kn w. Biographie von Huber, es seyen ans einer Umarbeitung der Erdenken über-je Nachahmung dergleichen Briefe entstanden, welche w- in Italien edirt, und Suard sieben der-selben ins Französische übersetzt habe. Zum Gewährsmann wird die Oaren« lin-i-ir« ä- t'Lurope 1s. V.?sris 7Ü5. angeführt.
k) 4? Dresd. 76z. (nicht 771. wie es bey Gurlitt heißt) bey Walther.
ff) ^llliczuLrio äells Lsaiers ^poscolies.
kkt) Und, ewig sey's ihm dafür gedankt! auch mit etlichen Schweizern, und wenigen Deutschen .
Beurtheilungen der Gesch- d. Kunst, worin dem Verf. allerlei Gebrechen wollten nachgewiesen werden,fanden sich z. B in llessmg's Lavcovn S. 26, — gz-, von Hez-ne i d. Schriften d Götting. deutschen Gesellsch. V. t- S. 204. in Klotzens Mr?,. u. s. f. Auf ljessing s Einwürfe antwortete w späthtti d. Vorrede r» den iVioouni. ineo. Die erste Französische Übersetzung dieses Werkes von Gevius undRobiiret, welche w verdienten Unwillen erweckte, erschien in zwey Oktavbänden, ?66. cl>e-
8->i,lsuc el Lm.rerüsin tüier tt-crevticil. Von den spälhern eben so wie von den italienischen, welche alleerst nach seinem Tod erschienen, wird unten die Rede sey».
**) Die ich (nur wenige meiner spälhern Jahre ausgenommen) zu den seligsten meiner Tage zähle.