Band 
Zweyter Theil [5].
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6097
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Winkelmann,

Winkelmann,

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dem Schreiber dies zugeeignet, ans Licht gab «).Als jenes erste Sendschreiben durch die FranzöscheUebersetzung, welche Huber, auf Verlangen desGrafen von Caylus davon gefertigt hatte, in Nea­ pel bekannt ward, erhoben die dortigen Gelehrtenacht Neapolitanischen Lerm darüber, so daßN).mancher darin vorkommenden freyen Urtheile wegen,es für gewagt hielt, künftig wieder nach Neapel zugehn **), und selbst sein Freund Galiani eine hef-tige Schrift gegen ihn drucken ließ.. In dem näm-lichen Jahr erhielt er durch ein Päbstliches Brevevollends die förmliche Anwartschaft auf ein Scrit-torat an der Vakicana für die nächste Erledigung,und die Könkgl. Societät zu Göttingen ernannte ihnzu ihrem Mitglieds, wodurch eine erneuerte Be-kanntschaft mit Heyne und mit dem Minister vonMünchhausen veranläßet ward. Wegen einer inDeutschland erschienenen lügenvollen Lebensbe-schreibung des Unsrigen, welche seinen ehemaligenAmksgenossen zu Seehasen *"*) zum Urheber hatte,faßte er den Vorsatz, eine Selbstbiographie zu schrei-ben, die aber eben so wenig ausgeführt wurde, alseine entworfene Abhandlung : von verderbtenGeschmacke in Rünsten und Wissenschaften.Dagegen vollendete er in diesem Jahre seinen ver-such über die Allegorie, der aber erst 176V miteiner Zueignung an die Societät zu Göttingen imDruck erschien^). In >765 erhielt er von Berlin durch den Oberst Guichard (a.b. durch den Buch-händler Nicolai) den Antrag der durch la Croze'sTod erledigten Stelle eines Aufsehers der Biblio-tkeck und des Münz - und Antikenkabinets; da aberÜ? ^), ein Iahrgehalt von 2000 Thlr. verlangte,und der König nur looo Lhlr geben wollteso zerschlug sich die Unterhandlung, und jener warddadurch aufs Neue in seinem Entschluße bestärkt,auf immer in Rom zu bleiben. Um diele Zeitungefehr entdeckte er den Betrug, welchen Casanovaihm (vielleicht nicht ohne Vorwissen von Mengs) mitden zwey angeblich alren Gemälden gespielt hatte;

und von da an erkalteten seine freundschaftlichenGesinnungen auch für diesen. Anzeigen über jeneTäuschung sandte er nach Deutschland und Frank­ reich , in letztres Land, um zu bewirken, daß dieBeschreibung dieser Pseudo-Antiken, wenigstensin einer Französischen Uebersetzung unterdrücktwürde. Zu Anfange i7vb kam der Fürst vonAnhalt-Dessau , nebst dessen Bruder und dem H. vonErdmannsdorf nach Rom , wo w. ihr Führer war;und nie wurde er müde, seinen -Freunden das Lobdieses Fürsten zu wiederholen, der ihm vor Allenseines Standes, die er zu führen Gelegenheit ge-habt, seiner hohen Bestimmung am würdigsten zuentsprechen schien *). Den größten Theil diesesJahres brachte er dann mit der Ausarbeitung einesvortrefflichen ftiscorso preliminare seiner Nonu-menti inecliti, einer neuen Revision des Ganzenund der Besorgung des Abdruckes zu, wo ihm derUnfall begegnete, daß die bereits vollendeten erstenzehn Bogen (wegen eingeschlichener Fehler) umge-druckt werden mußten, was ihn dann nöthigte,die anfänglich auf Abdrücke bestimmte Auf-lage auf 6«,o herabzusetzen **) Ebenfalls zu An-fange »767 erschienen in Dresden die Anmerkun-gen zur Geschichte der Lunst mit einer Zueig-nung an Muzel-Stosch; dieselben sollten die Man-gel der ersten Ausgabe ersetzen, bis eine zweytevollständigere ans Licht tret n könnte, an derenAusarbeitung er um so viel fleißigere Hand anlegte,damit sie einer Englischen Uebersetzung, welche derMaler Füßli in London besorgen wollte, zur Grund-lage dienen könnten. Sein Vorsatz im künftigenJahr eine Reise nach Deutschland zu machen,ward nun auch entschiedener, da Loussaint ***)in Berlin sich zu einer bessern Uebersetzung derGeschichte der Kunst bereits so gut wie verstandenhatte. Auch die alte Lust, eine Reise nach Griechen­ land zu machen, erwachte durch die Ausfoderungdes von ihm ungemein hochgeschätzten BaronRiedesel's -j-), wieder lebhaft in ihm, und ec

*) 4 ? Dresd . 764. bey Walther Zz S.

*») Wir selbst wäre» Zeuge, wie sorgfältig er schon bey jeaer dritten Reise im verzeichnen seiner Vemerlungenzu Werke ging.

»k») palzorv. Ueber dieselbe schrieb er an Usteri, unterm 8. De;. -764:

Es gehet ein besonder gedrucktes L ben von mir in Deutschland umher, welcbes ein mitleidiger Stümperentworfen, der mich nur bis an die Schulgrsnzen erreichen könne». Er hat nickt die mindeste Nachrichtnach meinem Abzug aus dem despotischen Lande gehabt, auch nickt gesu nt; und was er hätte wissn kön-nen, hat er umgekehrt und verwechselt. Mich wundert, daß man die Erlaubniß zum Drucke solcher »ichts-würdigen Wische gebe. Die Deutschen haben nicht Geduld, höchstens noch ein: zeh n Iabre zu warten,bis ich zu meinen Vatern gehen werde, um die Wabrheit zu erfahren, die ich ihnen geschrieben in allerAufrichtigkeit nach mir lassen will. Mein Bildniß soll so wahr in demselben erscheinen, als ich habe zuhandeln wünschen." Sehr». Dr- S. -4>. Und noch in einem zweyten an Ebendenselben (20 Jan. -765.)Manches über die in dieser Schartecke entha.tenen schaamlose Lügen.

f) Ueber diese Zuschrift findet sich, in einem Vriefe an L. Usteri von 50. Aug. >766 die sonderbare Stelle:«Mit meiner Anschrift an die Göttingische Societät ist es mir wiederum mißlungen; denn ich habe überdieselbe nicht die geringste Antwort erhalten; sie sprechen- es sey ihnen nicht« von mir bekannt worden.Ich habe es verdienet, weil ich wider meinen Vorsatz g'bandelt, welcher war, niemanden ferner etwaszuzuschreiben " Schrv. Nr. S- -54. Gegründete nnd ung'gründtte Erinnerungen gegen diese Schrift (zuwelcher w ganz besondere Liebe trug) las man bald nach ihrer Erscheinung in den Gott. gel. Anzeigen,in der Gattecschen Bibliotheck, in der Sibliotb der Schon, w u. R., in Rlotzen's Deutsch . Bibi.B. IV. St. -6. S- 739. Look. die Gott. Anz. -792. St. 179. und Gurkitt S. 24 25.

ff) Von Guichard selbst dazu aufgemuntert.

fj-j-) Mit der Bemerkung, welche den Unsrigen besonders erbitterte: «Für einen Deutschen seyen -000 Thlr-genug!"

2) In einem seiner Briefe an ... nennt er ihn einen «Gottmenschen."

22 ) Dieselben erschienen (-. Vol. kom. toi.) 1767 u. 6g. Von den deutsche » Ueberfttzungen derMonumentrs. die Notiz unten.

»->») Verfasser der Schrift: Lloeur«.

f) Verfassers der Reise-durch Sizilien und Großgriechcnland, 8- Zürch >77-,