Am 8. gegen zehn Uhr, als Dinkelmann ebenan seinem Tisch saß, trat derJtaliäner in ftinZim-mer. Diesen Augenblick benutzt der Bösewicht*),stellt stch schnell hinter seinen Rücken, wirft ihmden Strick um den Hals, und beginnt aus allenKräften ihn zusammenzuziehen, w. greift mit derHand in die Schlinge, sie von sich abzudrängen,wahrend der Mörder immer fester zieht. w springtvom Stuhle. Beyde ringen stehend mit einander.Jener ergreift sein Mordmesser; sie fallen kam-pfend zu Boden, aber unglücklicher Weise so,daß jener auf sein Opfer zu liegen kömmt, undihm fünf Stiche in den Unterleib giebt — als durchdas Geräusch des Falls, und das Röcheln destödtlich Verwundeten Herbeygerufen der Kammerieredes Gasthofs ins Zimmer tritt, und noch eineMinute lang vor Schrecken unthätiger Zeuge desKampfes war. So auf der That überrascht **),laßt der Mörder sein Messer fallen, und begiedtsich, bloß im Unterkleid, mit blutbeflecktem Hemdeohne Hut auf die Flucht: Noch den Strick um denHals, mit zerrißnem Hemde, bluttriefend, rafftsich Dinkelmann auf, steigt vom obern Bodenauf den untern, und ruft um Hülfe. Bald wa-ren eine Menge von Zimmernachbarn um ihn her;man trägt ihn aufs Zimmer in sein Bett; einWundarzt wird schleunig herbeygeholt, und die-ser erklärt die Wunden für tödtlich. Nun machtD- sein Testament, läßt sich mit den Sakra-menten versehen, verzeiht seinem Mörder ***),und stirbt endlich, um vier Uhr Nachmittags,bey voller Gegenwart des Geistes. In seinem letz-ten Willen setzte er seinen Herrn und Gönner,den Kardinal Albani, zu seinem Universalerben ein,legirt seinem Kupferstecher der Monumenth Mogalli,NoZecchini, dem AbböPirami (a.k. Piremai) 100,2 Zecchini dem Kammeriere des Gasthofes, und20 zur Ausrheilung an die Armen in Trieste. Demverruchten Archangeli war es indessen gelungen,die Venezianische Gränze zu erreichen. Allein daer hier bemerkte, daß die Polizei schon Anstalten
zu seinem Verhafte getroffen hatte, so wendete e»sich wieder rückwerrs gegen Fiume, wurde aberzu Planina angehalten, und nach Adelsberg geführt,wo er auf das erste summarische Verhör sofortsein Verbrechen bekannte. Alsdann ward er ge-schloßen auf einem Karrn zu Lriest eingebracht.Hier machte man ihm den Prozeß, indem er nochvollends den ganzen Hergang seiner Missethat ge-stand, und seine äußerste Noth als Beweggrunddazu angab ^). Am 20. Jul. wurde das Urtheil,welches ihn zum Rad verdammte, auf dem großenPlatze vor dem Gasthof, in welchem er das Ver-brechen beging, wirklich vollzogen.
Die von D. zu der zweyten vermehrten Aus-gabe seiner Geschichte der Kunst theils ausge-arbeitete, theils entworfene Handschrift, welcheer auf seiner Reise mit sich führte, gelangte nachseinem Tode in Besitz der K.K. Akademie der bil-denden Künste zu Wien , welche 1776 durch einigeihrer Mitglieder nach dieser Handschrift eine Aus-gabe besorgen ließ, die aber, durch Nachläßig-keiten und Fehler aller Art entstellt, der Er-wartung der Kenner keineswegs entsprach ^).Seine übrigen in Rom zurückgelassenen Papierekamen in die Bibliotheck des Hauses Albani, undvon dort 179g nach Paris in 21. gebundenenHeften, deren innere Gehalt ungleich beurtheiltwird
winkelmann war, von Person, mittlererGröße, ohne sich durch Wohlgestalt besondersauszuzeichnen. Er hatte eine niedrige Stirne,eine etwas gebogene spitze Nase, und kleine schwarzetiefliegende Augen, die ihm auf ersten Anblicketwas Düsteres gaben; aber um seinen Mund,obgleich er etwas starke Lippen hatte, schwebteein anmuthiger Zug Wann sein Gesicht durchein anziehendes Gespräch oder durch frohe Launebelebt war, so war der Ausdruck desselben ange-nehm und harmonisch. ES sind verschiedene Bilds
Was er noch vorher mit w. für Gespräche geführt, um sein Schlacktopfer sicher zu machen, wird sehrungleich erzählt. Die gemeine Sage war lange, daßw-, um dem Jtaliäuer noch einmal (?) seine Kost-
» barkeiten zu zeigen, seinen Koffer öffnen wollte, und in dieser Stellung von dem Mörder überfallen wor-den. Allein die Akten bestätigen vielmehr die Erzählung unsers Tertes.
Nicht, wie gewöhnlich erzählt wird, von dem Kind erschreckt, mit welchem winkelmann öfter zu spielenpflegte, und das jetzt an die Thüre klopfte.
22:-) An dem diesfälligen christlichen Sinn unsers großherzigen Freundes zweifeln wir sicher am Allerwenigsten.Indessen sind wir es doch der geschichtlichen Wahrheit schuldig, zu bemerken, daß es zwar freylich in derVertheidigungsschrift für den Mörder heißt: »Es sey allbekannt, daß w., mitten unter seinen Todes-qualen den Archangeli bedauert, und das Gericht selbst um Milderung seiner Strafe öffentlich gebeten habe",so wie es auch in dem sogenannten: Acten mäßigen berichte, welcher der Erzählung im: ^Iiosanclis»s i!om ,8>o. S. 222. u. ff. znm Grund ligt, noch ausführlicher steht: »Mit heldenmüthiger Sünd-haftigkeit und wahrer christlicher Frömmigkeit, ohne sich je wider seinen Mörder beklagt zu haben, sondernihm vielmehr als seinem Mitmenschen von Herzen verzeihend, und mit dem Wunsche, ihn, wenn es ohnedessen Gefahr geschehen könnte, nahe zu haben, um ihm noch einmal zum Zeichen der Aussöhnung dieHand zu drucken, starb er"; daß hingegen in den Prozeßprorokollen selber alle dessen nicht die geringsteErwähnung geschieht.
-f) Nicht einmal eine solche Entschuldigung erhellet aus den Akten, sondern vielmehr ein Gewebe von Lügenund der ruchlosesten.Unverschämtheit in seinen Aussaaen, wovon wir nur diese zum Bevspiel geben: Daßer w. die Schaumünzen habe rauben wollen, um sie — aus Liebhaberei aufzubehalten.
j"s) In der neuen Ausgabe von w. Werken (in. 1.1—1,11. Anm. zur Vorrede der Kunstgeschichte) heißt es:»winkelmann« letzter Wille in Rücksicht einer solchen Herausgabe, den er, seinen nahen Tod vielleichtauf eine wunderbare Weise ahndend, gerade schrieb, als sein Mörder ins Zimmer trat, lauteten also.(Hier folgen viere seiner Vorschriften; die fünfte ist nur angefangen: 5.) Es soll" —!!
ttt) S. Söttiger's Vorrede zu I- winkelmann'« letzter Lebenswoche von kkosetti S. XVIII. Immerhinwurde am Schlußc der Biographie des Unsrigen, an der Spitze seiner Werke S. XI.II versprochen, imAnhange des letzten Bandes derselben, den ausführlichen Innhalt gedachter Hefte zu liefern, was aber(wir wissen nicht aus welchen Gründen) unterlassen worden; vielleicht daß auch die würdigen Herausgeber,so wie DSttiger l-'c- davon urtheilten: »Daß der Gewinn davon nicht sehr beträchtlich seyn würde."Einzelne Ercerpte, welche Harkmann davon in Paris selbst gemacht, finden sich in den Heidelberg .Jahrbüchern (Jahrg. l.). «.tont. die interessantesten Mittheilungen in Daub's und Lreunrr'« Studienv. V. St. 2. S. 26z. u. ff. uud VI. B. S. 206. u. ff.