Band 
Zweyter Theil [5].
Seite
6105
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Winkelmann,

Winkelmano

6105

8. Lioüs-r» Line (glcastemisohe)

ILscie von 6'. ^o. ,<,8 8. Leipri§

8o5- be^ Ooescken. welche vollends Miteiner Begeisterung gesprochen ist, die nichtermangeln konnte in das Gemüth der Hörermit dauerndem Eindrucke überzugehn. Gleichmeisterhaft betrachtet er den Unsrigen in Be-zug auf Wissenschaft (Gelehrsamkeit), Kunstund Leben; freylich (und wie es bis auf ihnKeiner gethan) am Mgemüthlichsien in Ab-sicht auf das Leben. Einzig seine Rügeneiniger Heyne'schen Aeußerungen über den Un-srigen scheinen uns übertrieben, und die Er-klärung seines unwiderstehlichen Abscheues,die Reise nach Deutschland fortzusetzen, ge-zwungen zu seyn.

4. Noch weit umfassender indessen, als allesUebrige, was in Betreff des Unsrigen seitseinem Tode geschrieben worden, ist die Scizzezu seiner Schilderung, in dreyerlei Aufsätzen vonSeite der drey bekannten Weimarischen Kunst-freunde. Wahr ist's, dieselben gehen, unter man-nigfaltigen (oft seltsamen)Rubriken, gewöhnlichvon allgemeinen Betrachtungen aus, zu welchendie Künstler und Dilettanten unter unsern Lesernsich nicht immer zu erheben geneigt seyn dürf-ten, und steigen dann freylich wieder von spe-kulativen Höhen solcher Art (vor denen be-kanntlich Wlnkelmann selber so schwindlichtwurde) mit ungemein fruchtbarer Anwendungwieder auf das Individuum KVinkelmannnieder. Nur von dieser Anwendung hier,aus jedem der drey Aufsätze, einige der vor-züglichsten Stellen.

Aus dem ersten (I. c.) S. 38g/,4o.

»NAnkelmann war dreyßig Jahr alt geworden,ohne irgend eine Gunst des Schicksals genossen zuhaben; aber in ihm selbst lagen die Keime eineswnnschenswerthen und möglichen Glückes. Erträumte sich eine Reise nach Aegypten ; er begabsich auf den-Weg nach Frankreich ; »»vorgeseheneHindernisse wiesen ihn zurück. Besser geleitet vonseinem Genius ergriff er endlich die Idee, sichnach Rom durchzudrängen."

Dann von der Natur der Alten im Gegensatzeder Neuern: »Eine solche antike Natur war,insofern man es nur von einem unsrer Zeitgenossenbehaupten kann, in VOinkelmann wieder erschie-nen, die gleich anfangs ihr ungeheures Probestückablegte, daß sie durch dreyßig Jahre Niedrigkeit,Unbehagen und Kummer nicht gebändigt, nichtaus dem Wege gerückt, nicht abgestumpft werdenkonnte. Sobald er nur zu einer ihm gemäßenFreyheit gelangte, erscheint er ganz und abge-schlossen, völlig im antiken Sinne. Angewiesenauf Thätigkeit, Genuß und Entbehrung, Freudeund Leid, Besitz und Verlust, Erhebung und Er-niedrigung, und in solchem seltsamen Wechselimmer mit dem schönen Boden zufrieden, aufdem uns ein so veränderliches Schicksal heimsucht.Hatte er nun im Leben einen wirklich alterthüm-lichen Geist, so blieb ihm derselbe auch in sei-nen Studien getreu." So vielfach er auchin dem Wißbaren und Wiffenswerthen herum-schweiste, theils durch Lust und Liebe, theilsdurch Nothwendigkeit geleitet, so kam er dochfrüher oder später immer zum Alterthum, beson-ders zum griechischen, zurück, mit dem er sich so

nahe verwandt fühlte, und mit dem er sich in seinenbeßten Tagen so glücklich vereinigen sollte."

Hiernächst, unter der Rubrick: Heidnisches.

»Jenes Vertrauen (der Alten) auf sich selbst,jenes Wirken in der Gegenwart, ihre Ergeben-heit in ein übermächtiges Schicksal, und eine indem hohen Werthe des Nachruhms selbst wiederauf diese Welt angewiesene Zukunft, machen solchein unzertrennliches Ganzes, daß wir bey ihnen,in dem höchsten Augenblicke des Genußes, wie indem tiefsten der Aufopferung, ja des Untergangs,eine unverwüstliche Gesundheit wahrnehmen. Die-ser heidnische Sinn nun leuchtet auch aus w-Handlungen und Schriften hervor, und sprichtsich besonders in seinen frühern Briefen aus, woer sich noch im Conflict mit neuern Religions-gesinliungen abarbeitet. Diese seine Denkweise,diese Entfernung von aller christlichen Sinnesart,ja seinen Widerwillen dagegen muß man im Augehaben, wenn man seine sogenannte Religions-veränderung beurtheilen will Diejenigen Par-theyen, in welche sich die christliche Religion theilt,waren ihm völlig gleichgültig, indem er, seinerNatur nach, niemals zu einer der Kirchen gehörte,welche sich ihr subordiniren."

Weiter: Freundschaft.

»Auch hier zeigt sich ein merkwürdiger Unter-schied alter und neuer Zeit. Das Verhältniß zuden Frauen, das bey uns so zart und geistig ge-worden, erhob sich bey den Alken kaum über dieGränze des gemeinsten Bedürfnisses. Das Verhält-niß der Aeltern zu den Kindern scheint einiger-maßen zarter gewesen zu seyn. Statt aller Empfin-dungen aber galt ihnen die Freundschaft unter Per-sonen männlichen Geschlechts. Die leidenschaftlicheErfüllung liebevoller Pflichten, die Wonne derUnzertrennlichkeil, die Hingebung eines für denandern, die ausgesprochene Bestimmung für dasganze Leben, setzen uns bey solchen Verbindun-gen unter den Alken in Erstaunen. Zu einerFreundschaft solcher Art fühlte W sich nicht alleinfähig, sondern ihrer auch i,n höchsten Grade be-dürftig; er empfano »ein eigenes Selbst nur unterder Form der Freundschaft, und erkannte sich bloßunter dem Bilde des durch einen Dritten zu vollen-denden Ganzen. Frühe schon legte er dieser Ideeeinen vielleicht unwürdigen Gegenstand unter *)....Hinwieder aber bildet er auch alles Würdige, wassich ihm naht, nach der Urform seiner Idee einesFreundes, zu einem solchen um; und wenn ihmgleich manches von diesen Gebilden leicht undbald vorüberschwindet, so erwirbt ihm doch dieseschöne Gesinnung das Herz manches Trefflichen,und er hat das Glück, mit den Beßren seinesZeitalters und Kreises in dem schönsten Verhält-nisse zu stehn " »Für die Schönheit der Forme»im Leben und in der Kunst (wieder gleich einemGriechen) enthusiastisch eingenommen finden wirihn daher oft im Verhältniß mit schönen Jünglin-gen; und niemals erscheint er selbst liebenswür-diger als in solchen, oft nur flüchtigen Augen-blicken **)."

Dann: Barholicismus ***). Aus dieser

Rubrick Folgendes:

»Der Dresdner-Hof, woher allenfalls hin-längliche Unterstützung zu einer Reise nach Rom

v) Wir glauben, daß hier von dem jungen liampreckt die Rede ftp. S. oben.

Ein solches Gebilde zum nähern festen Anschau'n, auch nur auf ein Paar Minuten zu erhäschen, mußtenwir oft mit ihm durch mehrere Straßen von Rom laufen.

'KP BEer, und minder gesucht, als oben die Rubrick: Heidnisches!