Band 
Zweyter Theil [5].
Seite
6106
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Winkelmann.

Winkelmann.

allein zu hoffen war, bekannte sich zur Römischen Kirche , und kaum war ein anderer Weg zu Gunstund Gnade zu gelangen, als durch Beichtvateru. a. geistliche Personen. Dabey mußte w. füh-len, daß man, um in Rom ein Römer zu seyn,um sich innig mit dem dortigen Daseyn zu verwe-ben, und eines zutraulichen Umgangs zu genießen,nothwendig zu jener Gemeine sich bekennen, ihrenGlauben zugeben, sich nach ihren Gebrauchen be-quemen müsse. Ein solcher Entschluß aber kannmit der allgemeinen Denkweise und der Ueberzeu-gung vieler Menschen im Widerspruch stehen;alsdann beginnt ein Streit, der zwar bey unskeine Ungewißheit, aber eine Unbehaglichkeit erregt,«inen ungeduldigen Verdruß, daß wir nach außenhie und da Brüche finden, wo wir nach inneneine ganze Zahl zu sehen glauben. Und so erscheintauch w. bey seinem vorgehabten Schritt, besorgt,ängstlich, kummervoll und in leidenschaftlicher Be-wegung, wenn er sich die Wirkung dieses Unter-nehmens, besonders auf seinen ersten Gönner,den Grafen, bedenkt. Wie schön, tief und recht-lich sind seine vertraulichen Aeußerungen über die-sen Punkt"! Denn seinen (einzigen) Kunstzweckausgenommen, hatte die katholische Religion fürihn sicher nichts anzügliches. Er sah in ihr bloßdas Maskenkleid, das er umnahm, und drücktsich darüber hart genug aus. Auch spater scheinter an ihren Gebräuchen nicht genugsam festgehalten,ja vielleicht gar durch lose Reden sich bey eifrigenBekennern verdächtig gemacht zu haben; wenig-stens ist hie und da eine kleine Furcht vor derInquisition sichtbar."

Gervahrwerden Griechischer Runst.

Ueber w> erste noch in Dresden herausgege-bene Schriften: Ueber die Nachahmung u. s. f.wird hier geurtheilt, wie folgt:So sehr auchw. schon hier auf dem rechten Wege erscheint,so köstliche Grundstellen diese Schriften auch ent-halten , so richtig das letzte Ziel der Kunst darinschon aufgesteckt ist; so sind sie doch, sowohldem Stoff als der Form nach, dergestalt barockund wunderlich, daß man ihnen wohl vergebensdurchaus einen Sinn abzugewinnen suchen möchte,wenn man nicht von der Persönlichkeit der damalsin Sachsen versammelten Kenner und Kunstrichter,von ihren Fähigkeiten, Meynungen, Neigungen undGrillen näher unterrichtet ist; Lippen, Hagedorn,Oescr, Dietrich, Heinecke, Oesterreich liebten,beförderten die Kunst, jeder auf seine Weise.Ihre Zwecke waren beschrankt, ihre Maximeneinseitig."

Rom .

Mittlerweile trat er endlich, wo nicht genug-sam vorbereitet, doch einigermaßen vorgeübl, sei-nen Weg an war nun in Rom , sah seineWünsche erfüllt, das, was er für sein höchstesGlück hielt begründet, seine Hoffnungen über-befriedigt." Und nun die küssenswerthe Stelle:Verkörpert stehn seine Ideen um ihn her; mitStaunen wandert er durch die Reste eines Riesen-zeitalters; das Herrlichste, was die Kunst her-vorgebracht hat, steht unter freyem Himmel;ohnentgeldlich, wie zu den Sternen des Firma-ments, wendet er seine Augen zu solchen Wunder-werken empor, und jeder verschlossene Schatz öff-net sich für eine kleine Gabe. Der Ankömmlingschleicht wie ein Pilgrim unbemerkt umher, demHerrlichsten und Heiligsten naht er sich in unschein-

barem Gewand; noch läßt er nichts Einzelnesauf sich eindringen, das Ganze wirkt auf ihn un-endlich mannigfaltig, und schon fühlt er die Har-monie voraus, die aus diesen vielen, oft feind-selig scheinenden Elementen zuletzt für ihn entstehenmuß. Er beschaut, er betrachtet alles, und wird,auf das ja sein Behagen vollkommener werde,für einen Künstler gehalten, für den man denndoch am Ende so gerne gelten mag."

Mengs.

Aber w. hätte lange Zeit in den weilenKreisen alterthümlicher Ueberbleibsel nach den wer-thesten, seiner Betrachtung würdigsten Gegenstän-den umhergetastet, hätte das Glück ihn nichtsogleich mit Mengs zusammengebracht. Dieser,dessen eigenes großes Talent auf die alten undbesonders die schönen Kunstwerke gerichtet war,machte seinen Freund sogleich mit dem Vorzüg-lichsten bekannt, was unserer Aufmerksamkeit werthist. Hier lernte dieser die Schönheit der Formenund ihrer Behandlung kennen, und sah sich wgleichaufgeregt eine Schrift von» Geschmack dergriechischen Rünsiler zu unternehmen. Er hieltsich zuerst an das Höchste, das er in einer Ab-handlung von dem Atlle der Biidhauerep inden Zeiten des phidias darzustellen gedachte.Doch bald erhob er sich über die Einzelnheiten zuder Idee einer Geschichte der Kunst, und entdeckte,als ein neuer Kolumbus, ein lange geahndetes,gedeutetes und besprochenes, ja man kann sagen,ein früher schon*) gekanntes und wieder verlorenesLand."

Litterarisches Metier!?

Nicht leicht ist ein Mensch glücklich genug,für seine höhere Ausbildung von ganz uneigen-nützigen Gönnern die Hülfsmittel zu erlangen.Selbst wer das Beßte zu wollen glaubt, kannnur das befördern, was er liebt und kennt,oder noch eher, was ihm nutzt. Und so warauch die litterarisch-bibliographische Bildung das-jenige Verdienst, das w früher dem GrafenDünau und später dem Cardinal Passionei em-pfahl. Der Bibliothekar eines deutschen Grafenwar für einen Cardinal ein erwünschter Hausge-nosse , der sich auch da gleich wieder als zuHause finden konnte. Aber nur kurze Zeit, undnur so lange als es nöthig war, um sich einenmäßigen Lebensunterhalt zu verschaffen, blieb w.seiner litterarischen Beschäftigung getreu, so wie erauch bald das Interesse an dem, was sich auf kri-tische Untersuchungen bezog, verlor, und wederHandschriften vergleichen noch deutschen Gelehrten,die ihn über Manches befragten, zur Rede stehenwollte."

Rardmal Albani.

Mittlerweile föderte über Alles ihn dasGlück,ein Hausgenosse des Cardinal Albani geworden zuseyn. Dieser, der, bey einem großen Vermögenund bedeutende» Einfluß, von Jugend auf eineentschiedene Kunstliebhaberey, die beßte Gelegen-heit sie zu befriedigen, und ein bis ans Wunder-bare glänzendes Sammlerglück gehabt hatte, fandin spätere» Jahren in dem Geschäft diese Samm-lung würdig aufzustellen, und so mit jenen römi-schen Familie» z» wetteifern, die früher auf denWerth solcher Schatze aufmerksam gewesen, seinhöchstes Vergnügen; ja den dazu bestimmten

*) Besonders aus einer frenlich kehr schönen Stelle des Quintilians wir- hier zur Behauptung der Thesis imTerte, aller mögliche Vortheil gezogen. S. l. e. 4-5 16.