Band 
Zweyter Theil [5].
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Zampieri

Z a m p i e r i.

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Diesem folgten die sechzehn Bilder: Geschichteder Heil. Jungfrau in der Hauptkirche zu FanosKapelle der Familie Nolfij '). Bald darauf gingunser Künstler nach Bologna , und heurathete einejunge, so hübsche Frau, daß sie ihm bey mehrals einer seiner spätern Arbeiten zum Modell diesneu mußte ^). Wahrend seines dortigen Aufent-halts malte er neben einem Familien - Bildniß,wovon wir nicht wissen, wo solches hingerathenist s), die beyden berühmten Bilder der H.Jung-srau von, Rosenkranz, und der Marter vonAgnese; letzteres für die Kirche der Heiligendieses Namens, ersteres für St. Johann diMontc. Beyde kamen, als Französische Kunst-bente (die Maria von, Rosenkranz, durch Ita-lienische Ritoccirung ziemlich verdorben) nach Pa-ris , und sollen itzk wieder an ihrer alten Stätteruhen. Zu Paris wurde letztres durch — Weg-kratzen jener Ritoccirung wieder ein wenig herge-stellt; und auch die St. Agnese soll eine Restau-ration — überstanden haben. Die Bewunderungdieses letztem Bilds, zumal in seiner erstenBlüthe, war so gut wie »«getheilt. Eochmallein fand, bey aller seiner übrigen Vortreflich-keit, den Ton zu grünlich und in den Schattennachgedunkelt. Die Maria vom Rosenkranz hin-wieder wurde schon damals von den Einen fürden Triumph von frommer Künstler-Begeisterunggepriesen, von Andern als Inbegriff unverständ-licher mystischer Anspielungen vielfältig gerüget 4 );Lochrn beurtheilt es, als wunderschön in denDetails, aber das Ganze, wegen Mangel großerLicht- und Schattenmassen, verworren. I. I.1621 bestieg Gregor XV. aus dem Hause Ludovistden Päpstlichen Stuhl; derselbe war des Unsri-

gen kandsmann, und, noch mehr, sein Pathe;von ihm wurde Doinenichino außerordentlichgeachtet, überall hervorgezogen, und zum Bau-meister des Apostolischen Pallastes im Vatikan ernannt. Allein manche seiner schönen Hoffnun-gen verschwanden, als dieser Papst nach einerkurzen Regierung von zwey Jahren und fünf Mo-naten dahinstarb, und der Unsrige unter demneuen Pontisikate Urban VIII . seine Stelle verlor.Glücklicher Weise ließ eben damals der KardinalAlexander Montalto die Kirche Andrea della Valleerbauen. Wie sich über den Antheil an den Ar-beiten daselbst zwischen ihm und Lanfranco eineunauslöschliche Feindschaft entspann, ist beyPassers §), Fiorillo ?) u. a. nachzulesen. Ihmfielen einsweilen die vier Angoli der Kuppel unddie Tribune des Hauptaltars zu. In die erstemmalte er die vier wunderschönen koloßalen Evan-gelisten; den Johannes vornehmlich mit einerBegeisterung, welche keine Beschreibung erreichenkann. Als sich die dortigen Lheatiner eines Tagsüber des Künstlers Langsamkeit beschwerten, er-hielten sie von ihm zum Bescheid: „Ich habe indieser Zeit mehr für Euch gearbeitet, als wennIhr meine Hand hattet pinseln sehn»)". In dieTribune und zwischen die Fenster fertigte er:St. Johann Baptist« zeigt zweyen Aposteln Chri-stum in der Ferne im Gebüsche, des St. An-dreas (und St. Peters) Berusung zum Apo-sielamte, den Gang des erster» zur Marter,seine Geißelung und seine Apotheose §); die Geiße-lung, nach einer sehr verschiedenen Darstellung vonderjenigen bey St. Gregor'°). Dann zwischen dieFenster sechs christliche Lugenden: Beschauung,Liebe, Stärke, Glauben, Religion und freywillige

der geliefert habe. Bey Rellort (S. 440.) wird bemerkt, daß einige dieser Darstellungen durch — Ab-wäschen verdorben worden ; daher auch der Luzerner Frey dieselben niemals habe stechen wollen, o. bi".4. 5 > 6 . 7. u. 89.

1) Alle sind in -2" hohen und >4" br. Bl. schön gestochen von D. Cunegv -778 — 79. O. lv? -21 — 56.

2) Von dem einzigen puffert, unsers Wissens, vernimmt man indessen (denn, liebe Frauen! Auch von Euch

ist nichts so klein gesponnen, es kommt endlich an die Soanen), daß er mir dieser Gattin (MarsibiliaBarbatta) nichts minder als glücklich war, und zumal von ihrer Herrschsucht und Eigennutz unendlich zuleiden hatte. In den ersten Jahren ihrer Ehe hatte er mit ihr zwey Knaben erzeugt, die sie, um die-selben in seinem Körperbau zu erhalten — verhungern ließ. Als sie ihm dann später ein Mädchen gebar,that er, alles Lerms der Dame ungeachtet, selbst Vorbetrachtung, dasselbe gehörig zu nähren, so daß eszur gesunden, und mit den schönsten Eigenschaften gezierten Tochter erwuchs, die er bis an seinen Todaufs zärtlichste liebte. p. 45.

z) Auch gestochen findet sich solches unsers Wissens nirgends.

4) Gestochen ist die Maria vom Rosenkranz von G. Audran 27" hoch, -5" br. in einem sehr schönen, selte-nen Blatte; dann von I. G. Thelvt wahrscheinlich eine dürftige Eopie nach dem obigen o. 8- — DieMarter von St. Agnes hat I. G. Mitelli in seiner gewohnten leichten Manier ohne Wirkung, G. Audranhingegen vortreflich (aber selten mehr zu finden) (27" hoch, -5" br.) geliefert o. K. 48 -

s) Nicht der St. Peterskirche , wie es an mehret» Orten irrig heißt.

6 ) S. -z 6 .

7) n. 546.

s) Schön geetzt sind diese vier Winkel von L. Ciamberlano (Korn« 1657-), und vortreflich gestochen (-707.)von N. Dvrigny. O. NS 64. 65. 66. 67.

9) Alle fünfe von R. Audenaerde geistreich geetzt, das erste auch von F. Dartolozzi; der Gang zur Marterauch von einem Ungenannten in I. B. Giamberdelia's Verlage. Alle sünse im llmriße o. 61. 62.6 z. 72. 73 -

10) „Ich gestehe" (sagt Fiorillo n. 585 — 86.) „daß dieses Werk nicht nach meinem Geschmacke ist, vorzüg-lich wegen eines Scherzes den er darauf angebracht hat. Er hat nämlich einem Henker abgebildet , welchermit einem Seil einen Fuß des Heiligen binden will, aber durch seine Anstrengung dasselbe zerreißt, unddadurch auf die Erde fällt. Dieses giebt einem andern Henker Stoff zum Lachen, u. s. w. Außer daßdie Idee gemein ist, wird auch der Blick des Beschauers unwillkührlick von dem Hauptmoment auf dieseNebensteiie hingezogen."