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dringt, sondern daß er den Arm desselben imBegriffe zu stoßen vorgestellt haben möchte, weildie Bedeutung des Ganzen dabey nichts verlorenhatte, dem Anschauer aber das Unangenehme,welches die Betrachtung einer so sehr genau aus-gedrückten blutigen Handlung mit sich führt,erspart worden wäre. Anordnung des Ganzen,Zeichnung und Ausdruck, sind bewunderungs-würdig ausgeführt." Das Manuel dann be-merkt: Die Hauptfigur sey ein schönes dreyzehn-jährjges, noch nicht ausgewachsenes Mädchen;der Ausdruck ihrer Gesichtsbildung deute mehrphysischen als geistigen Schmerz an; ein zwanzig-jähriges würde schon mehr von letzkerm verrathen.Sehr viel Schicklichkeit und Anstand habe derKünstlerin ihrer Kleidung, Stellung, ihremDahin-sinken auf den Scheiterhaufen und dem Beneh-men des Büttels beobachtet, der sein reinesGchlachtopfer nur bey den Haaren fasse, undihren Leib nur mit dem Mordeiftn berühre, sowie auch sein Kopf mehr ein abgehärtetes alsein grausames Glied seines Handwerks bezeichne.Die übrige Darstellung der Scene dann sey nichtvon gleichem Werth mit der Hauptgruppe; zweyvon den umstehnden Frauenspersonen nehmen nichtgenug Antheil an der Handlung, und die beydentodt dahin gestreckten männlichen Figuren seyenunverständlich '). Die entfernte Person des Rich-ters auf seinem Stuhle sey unbedemend. So vielvon der untern Scene. Die obere im Himmeldann theile die Aufmerksamkeit zu sehr zwischensich und der unteren, und das dortige Conzertmit Violinen und Baßviole sey gar zu modern.Das Colorit, obgleich noch schön, stehe dennochmerklich unter demjenigen der beyden andern fran-zösischen Kunstbeuten ^). — Landon hiernächstscheint bedeutend mehr als das Manuel von die-sem Bilde zu halten: »Die imposante Zusammen-setzung'' (sagt er) »bietet" (gleich den meistenWerken des Genies!) »wohl einige Gebrechen dar,die aber von Schönheiten des ersten Ranges reich-lich ersetzt sind. Der Ausdruck der Heiligen isterhaben; mit der Reinheit der Formen, die ihrenoch große Jugend bezeichnen, vereinigt sie einGefühl, welches sich schwerlich nachbilden oderbeschreiben laßt. Ergebung und himmlische Freudeglänzt in den Augen der jungen Märtyrerin,mittlerweile die Blaße ihres Antlitzes, und diezückende Bewegung Ihrer Arme zeigt, daß sie denTodesstoß bereits empfangen habe, so wie hin-wieder die Figur des Büttels ein Beyspiel giebt,daß man auch gemeine Formen erhöhen kann,ohne sie unnatürlich zu veredeln. Die erste Ideeder Hauptgruppe mag der Künstler aus Allegri'sMarter von St. Placidus und L t.Flavia geschöpfthaben; aber wenn schon Domenichino in ande-rer Beziehung unter Correggio siand, so ist hierwenigstens der Ausdruck weit stäiker und patheti-scher. Dieser ist durch das Ganze äußerst wahr,und die Zeichnung groß und correkt. Die Aus-svendung des Helldunkels bringt zwar in diesemBilde keine große Wirkung hervor; aber das Ko-lorit ist darum nicht minder kräftig, und in eini-gen Theilen ebenfalls sehr wahr. Wenn in derGruppe des Richters, und in der obern Sceneman etwas weniger richtige Zeichnung, und einebraun r röthliche Färbung bemerkt, so vergesse mannicht, daß dieses Bild schon in Italien durchRitoccirung viel gelitten habe." Ganz anders alsdas Manuel halt Landon jene weibliche Gruppenfür sehr theilnehmend, und auf dem Antlitze desRichters findet er den Ausdruck gemischter Be-
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wunderung und Erstaunens. Dann preißt Lan-don , wohl nicht ohne Grund, in der obernScene, das wunderschöne Gruvp , wo aus CbristiHand, ein Engel in seiner Linken den Siegeskranzfür fromme Märtyrerinnen erhält, und mir derPalme in der Rechten, schon begierig, zu Erfül-lung seines schönen Auftrags herunter zu schwe-ben beginnt. — Bey Taillasson endlich heißtes vollends: »Domenichlno's Marter von St.Agnes ist vielleicht dasjenige Werk, wo derselbesein großes Talent (des Ausdruckes) und seineOriginalität am meisten entwickeln konnte. Das-selbe macht uns beynahe über alle gewöhnlicheKunstregeln irre. Nach allgemein angenommenenBegriffen ist es schlecht componirt. Jener geöff-nete Himmel mit seiner Hofyalcung, jene musi-zierende Engel gerade über den Hauptgegenstandgestellt, müssen Augen und Geist eine zerstreuteRichtung geben, und jene Weiber von schwachemAusdrucke, die, man weiß nicht warum, demScheiterhaufen zur Seite stehen, das Interesseschwächen, das man sonst au einem solchen Er-eignisse nimmt; und dennoch ist dieses Bild einesvon denen, welche auf die Seele den tiefstenEindruck machen. Die Gruppe der H. Märtyrerinist so schön, so erhaben, daß sie sofort uns ganz ein-nimmt, und verhindert, auf alles klebrige acht zugeben ; der bewegte hingerissene Zuschauer gewahrtnur den zerreißenden Contrast zwischen dem jungenOpfer und seinem Mörder, der mit dem ein-zigen Ausdrucke seines grausen Handwerks eis-kalt den Dolch in den Busen einer reinen Jung-frau stößt; wir sehen nur die Schönheit dieserHeiligen, deren Gebehrdung uns den Sieg überihren Schmerz fühlen läßt; werden nur von demMitleid erregenden Ausdruck ihres Hauptes gerührt,auf welchem Todesblässe und Ermattung sich mitdem heiligen Feuer eines himmlischen Entzückenspaart."
Und nun endlich die berühmteste jener Kunst-beuten : Die letzte Communion des St. Hierony«mus. Diese beschreibt, was Composition, Zeich-nung und Ausdruck betrifft, so weit zumal dasvortreffliche Blatt von Frey hiezu Hülfe reichenkann, Füßli (II. Z26—-32.), mit seiner gewohn-ten deutlichen Darstellungsgabe, wie folgt: ..DieSzene ist eine offene Kapelle, in welcher zurSeite ein erhabner Altar angebracht ist, auf demein Kruzifix und brennende Kerzen stehen; diezwey Stafeln am Altare reichen bis an die Mitteder Szene; gegen diesen Altar wird Hieronymus ,fast gänzlich entblößt, an den untern Gtafel insolcher Richtung hergebracht, daß sein Oberleibganz von einem jungen Manne, der ihn unterden Achsel» faßt, emporgehalten wird, die ge-bogenen Kniee aber auf diesen Stafel zu liegenkommen. Auf der einen Seite halt ihm einer diesinkende Hände; auf der andern kniect ein ande-rer der sein Wärter zu seyn scheint, weil er wei-nend eine besondre Theilnahme an seiner Hinfällig-keit zeigt, und neben diesem liegt der dem Hiero-nymus gewöhnlich zugegebene Löwe in einer miß-mulhigen Wendung. Diese, nebst ei» Paar hin-ter ihnen stehenden männlichen Figuren, machendie eine Hauptgruppe des Stückes aus. Auf derandern Seite erscheint der pontifizirende Priester;er steht auf dcm obern Stafel am Altare, haltmit der einen Hand einen Teller auf dem sich dieHostie befindet, und macht mit der andern eineBewegung, solche zu fassen, um sie dem Hierony-mus, gegen den er sich hinneigt, darzureichen;
» ) Nach Dellsri waren es zwey andere Büttel, die den Scheiterhaufen zubereitet, die Heilige unrein berüh-ren wollten, und dafür (wie es scheint) durch plötzlichen Tod bestraft wurden. Ueberhanpt aber bemerkenwir, daß» nach der gewöhnliche» Legende, St. Agnes— enthauptet wurde.
,) Von einer erlittenen Restauration haben wir schon oben vernommen.