Band 
Zweyter Theil [5].
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Allegri.

Behauptung einiger Biographen von A'iron,als die Ansicht seinrr Werke beweis t, daß erschon frühe eine liberale Erziehung genoß, undin mehr als Einer Wissenschaft Unterricht er-hielt^). Wer in der Kunst seine ersten undeigentlichen Lehrmeister waren — und selbst ober je dergleichen hatte — ist wohl nicht auszu-Mitteln. Einige nennen den Francesco BianchiFrari , der aber schon vor Zlllegri's sechzehn-tem Jahr (i5,o), Andre den Andreas Man-regn«, der vollends bereits in Antonio'« zwölf-tem (i5o6) Todes verbliech. Wieder Andrevermuthen, wenigstens nicht unwahrscheinlich,auf feinen oberwähnten Oheim, und noch andreauf die beyden Oheime des Parmigianio, Mi-chel und Pier Jlario Mazzuoli, welche übri-gens die Geschichte nur als gemeine Malerkennt. Endlich auch Einige (vielleicht ebenfallsnicht ganz unrichtig) auf Manregna's Sohn,Francesco (O- Immerhin thaten das Meistesein großes Genie und sein unermüdeter Fleiß.Wie man aus mehrern seiner Werke sieht,mußte er namentlich auch die Baukunst siudirt,und einen schönen und edeln Geschmack darinerlangt haben. Eben so legte er sich, nach derrühmlichen Gewohnheit der Maler älterer Zeit,auf die Sculptur. Ob er den Meißel auch inMarmor führte, ist zwar nicht mit Sicherheitbekannt; immerhin aber steht man in der KircheSt. Margarethe zu Modena , an dem plastischenWerke einer Grablegung von Anton BegareUi,seinem Jugendfreundes), drey Figuren (dieH. Jungfrau, von den beyden Marien^ unter-stützt) in gebrannter Erde, und mit natürlichenFarben bemalt, welche dem Unsrigen zugeschrie-ben werden, und, nach dem Urtheil von Ken-nern sehr schön seyn sollen, wenn sie auch, nebstdem ganzen Werke seines Freunds, den berüch-tigten Ausruf von Michael Angela wahrschein-lich — nicht erhalten haben, da sie solchen nichtverdienten (^).

In Anronio's frühern Arbeiten nimmt manbekanntlich einen Styl wahr, der bald Man-tegna's Arbeit gliech, bald ein gewisses Mittelzwischen perugino und da Vinci hielt. Aberdie große Frage, wie Mengs M bemerkt, ist

Allegri.

diese: Durch was für Wege er in seiner Kunstso schnelle Fortschritte machte; wie er die tro-ckene Manier seiner ersten Vorbilder verließ,und jene edle grandiose Weise annahm, die ernachher beständig befolgte? Daher wohl der,historisch freylich nicht mehr auszumitkelndealte Streit: Ob Allegri jemals in Rom gewe-sen sey, dort die Antiken, und die Werke Ra-phaels und besonders Buonarorri's gesehenund siudirt habe. Mengs, mit so vielen An-dern, ist, nicht ohne triftige Gründe, für dieBejahung (»), obgleich auch Er, besser wie kei-ner , weiß, wie wenig Anron sich zum Nachah-mer irgend eines Andern machte, sondern ausjeder Quelle des Schönen schöpfte, wo er esfand. Daher mochte er immerhin, selbst beydem Anblick eines Bildes des großen Ganzioausgerufen haben: son pittore!

Eigentlich eitele Fragen aber über den Unsri-gen sind: Ob er von ansehnlicher oder geringerHerkunft gewesen — reich oder arm gelebt undgestorben sey, u. dgl. Von alle demjenigenhingegen, was den Menschen, und somit auchden Künstler wahrhaft zieret — von einer mehrals gewöhnlichen Ausbildung seines schönen Gei-stes, von seiner blühenden Einbildungskraft,von seinem milden Herzen, und daß er weitmehr bemühet seyn mochte, Andre durch Ver-dienste und uneigennützige Kunst, als durchReichthum und äußere Ehre zu übertreffen —da zeuget von Diesem gerade das viele Dun-kele in seinem Leben, so wie von Jenem einjedes seiner Werke (§). Namentlich aber, mitwie viel Aufwand er malte, und wie wenig erdafür von jener winzigen Ersparntß wußte,die sich bey andern armen oder gewinnsüchtigenMeistern äußerte, hat Mengs (nach seinemeignen hohen Sinne) vortrefflich bemerkt 0°).

Daß Correggio für seine Arbeiten, selbstnach dem damaligen Geldwerthe, höchst elendbezahlt wurde, ist von einigen derselben unbe-streitbar ("), in Betreff andrer hingegen wider-legt worden; und zu den schädeltreffendsten sovieler alberner Kunstanekdoten gehört sicher die-jenige oben an, daß der Unsrige den Rest derBezahlung für seine Kupole der Kathedrale

(z) Ursprünglich rührt denn doch diese Behauptung von dem P. Drlandi in seinem Abecedario, einereben nicht sehr bewährten Quelle her.

(4) Vollends aber dahlt der Verfasser seines Elogiums in den Llogl äegli iUurrr: Imllsn!, ss. Pungileonk:Daß ein gewisser, wie er selbst sagt, wenig, und uns ganz unbekannter Antonio Bardolottisein erster Lehrer in der Aeichenkunst gewesen sey, und daß, (was wir nun gerne glauben wollen)noch früher der Arzt Joh. Bapt. Lombardi in der Anatomie ihn unterwiesen habe.

(5) Nach Einigen auch seinem Gehülfen im Modelliren für die Kupole zu Parma .

(6) „Weh' den alten Statüen, wenn dieser Thon zu Marmor würde!"

(?) Werke, von prange übersetzt, m. ,14.

(8) 1. «.

( 9 ) Gegen das Gerücht von seiner Armuth s. Tüb. M- Dl. -8<-8 S. 499. 6onk. Anton David'»-OiiioßSooo «teile prineizrsli notirie eil eruclirioni clell' arte stet stisegno.

<10) l. e. S. in. „Denn seine Arbeit" (sogt er) «sind auf sehr gutes Holz, oder auf feine Lein-wand, oder endlich auf Kupfer gemalt. Sie sind mehr als einmal sehr sorgfältig und mit größtemFleiß Übergängen. Die Farben, deren er sich bediente" (HLrt, hdrt!) „sind von den ausgesuch-testen, und schwer zu verschaffen. Bey den Gewändern, in der Carnation und in den Gründenbrauchte er das Ultramarin ohne Sparsamkeit, und trug alles sehr stark auf, wie man's an keinemandern Maler bemerkt. Seine Lackfarben waren sehr fein; daher haben sich auch dieselben biS aufden heutigen Tag gut erhalten, so wie auch sein Grünes so schön ist, daß man eS nicht besserwünschen kann."

(,,) Und in der That mit von den berühmtesten; so daß er z. B. für seine Nacht daS Blutgeld von40 Iecchjnj, und für seinen St. Girolamo (die Arbeit sechs voller Monath«) neben der Nahrung47 erhielt.