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A l l e g r i.
zu Parma ( 6 » Scudi(")) an Kupserümnze,vor übergroßer Freude auf dem Rücken nachHaus getragen, und an der Last — gestorben sey.
Eben so endlich ins Läre hinein wurde be-hauptet, daß seine Zeitgenossen, und selbst seineMitbürger, die ausgezeichneten Verdienste des-selben wenig zu würdigen gewußt. Uebergabman ihm doch in Parma die beyden größtenWerke in dieser Sradt; und als im I. i 53 oder Herzog Friedrich von Mantua dem großenFürsten (^) — welcher Tizian zu schätzen wußte,bey Gelegenheit seiner Krönung zu Bologna ,ein Geschenk von zwey Gemälden machen will,wählt er dafür, nicht den trefflichen JuliusPipi, der in seinen Diensten siuhnd, sondernunsern Allegri M.
Von Amonio's Privatleben ist uns nicht dasGeringste bekannt, außer daß er zweymal ver-heyrathet war, und in beyden seinen Ehen Kin-der erzeugt hatte. Die erste seiner Frauen gebarihm zu Correggio den Pompes , oder, wie ihnAndere nennen, den Pomponio (um 1620),nachher zu Parma eine Tochter (GsH), undeine andere (1526). Eine dritte erhielt er imfolgenden Jahr (1527) von seiner zweyten Frau.Von den drey letzten Jahren seines irrdischenDaseyns (i 53 i—G 34 ) wissen wir nicht einmal,wo er gelebt, sondern bloß, daß er am 5 . Märzi 534 an seinem Geburtsorte Correggio gestorben,und in der dortigen Franciscaner - Kirche (äeHliriori donveutusli) bey seinen Voreltern be-graben worden, wo sich ein Epitaph von ihmbefindet. So viel dürfen wir, wie schon Mengsbemerkt, aus der sanften Grazie, den alle seineWerke athmen, auch auf seinen Charakterschließen, daß ihm das Glück eines gemäßigtenTemperamentes zu Theil geworden; daß er einzartes bescheidnes Wesen, und jene schöne De-muth ihm eigen war, die ihn fürdauernd lehrte,wie viel ihm noch zu lernen übrig bleibe; demes daher mehr in der Dunkelheit, als in dergroßen Welt gefallen mußte, weil er in jenerseine Begierden ungestörter befriedigen konnte,in der von ihm einzig geliebten Kunst immerneue Fortschritte zu machen.
In der Herzählung von Allegri's Werkenwerden wir diejenigen, welche entweder einwirkliches Datum kragen, oder deren ungefehreswenigstens mit großer Wahrscheinlichkeit auszu-
Allegri
Mitteln ist, vorausgehen lassen, und dieselbennach der Zeitordnung reihen; alsdann die übri-gen, weit zahlreichern,^ nach den Stellen ord-nen, wo sie sich gegenwärtig befinden, oder, inwie ferne dieß nicht zu erörtern steht, nach den-jenigen, wo sie sich entweder ursprünglich, oderdoch in frühern Tagen befunden haben; waSAlles kein geringes Stück Arbeit, und nochmanchem Zweifel und wirklichem Irrthum aus-gesetzt ist, und, in einzelnen Fällen, wohlaufimmer bleiben wird.
Zu seinen frühesten, noch vorhandenen, unbe-strittenen Arbeiten gehört wohl am Sichersteneine, nach Tiraboschi's Vermuthung i 5 i 2 (alsoin seinem Achtzehnten) für die Franziskaner zuCarpi gemalte, gegenwärtig in der Galerie zuDresden befindliche Madonna mit dem Kindauf den Knieen. Sie sitzt auf einer Art vonThron, in Mitte einer architektonischen Einfas-sung jonischer Ordnung von ziemlich grandio-sem Charakter, welche einen Bogen hinter derJungfrau bildet, woran sich eine Glorie von»»geflügelten Engelchen befindet; nur zweye da-von in ganzen Figuren, die übrigen bloße Köpfe.Auf der einen Seite stehe St. Johann der Täu-fer und St. Catharina, auf der andern dieHH. Franzisc und Anton von Padua . DiesesBild hat sich wohl erhalten, und ist sehr kräf-tig; nur in den Umrissen etwas hart, dasübrige weich; das Colorit wahr und saftig;das Ganze in einem Styl, der zwischen Peru -gino und da Vinci das Mittel hält(^); beson-ders nähert sich der Kopf der Jungfrau sehrdem Charakter des letzter», hauptsächlich aufden Wangen und im Lächeln des Mundes.Die Falten dann gleichen in etwas denen desMantegna in der Art die Glieder einzuwickeln;doch sind sie minder trocken, und haben mehrGrandioses. Auch die Composition ist nach allenachten Grundsätzen der Mannigfaltigkeit und desContrastes ausgeführt ('§).
Ein anderes Altarblatt, Flucht nach Egypten,von St. Franziscus begleitet, soll er 1314 fürdie Minoriten zu Correggio gefertigt, und da-für ioo Zecchini erhalten Habens^).
So vieler andrer ähnlicher, mehr und minderbedeutender Bilder, welche in diesen frühestenZeitpunkt von Allegri's Kunst zu gehören schei-nen ('s), hier nicht zu gedenken, bemerken wir
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<>-) Mengs l- e. S. (man weiß nickt, ob, das Mährchen wenigstens glaubwürdiger zu machen?)spricht denn doch von 170 Scudi, als dem Saldo der ganzen Bezahlung, die er weit über daöDoppelte schätzt, „weil bey einem so großen Werke es gebräuchlich und beynahe nothwendig war,daß im Anfang und während der Arbeit einige Summen vorgestreckt werden mußten." — Daßein Dichter, wie Dehlenschlnger» ein solches Anekdoton für sein Schauspiel meisterhaft zu be-nutzen wußte, versteht sich von selbst.
t-z) Carl V.
(-4) Es waren aber auch keine geringern, alS die beyden berühmten Bilder seiner Leda und Dana«,von welchen unten ein Mehrere-, wo indessen, wie wir dort hdren werden, die Geschichte der-selben ganz anders lautet.
('S) Fioriklo II. 255 findet darin mehr eine Spur von der Weise des Mantegna, und TiraboschtS> 46 will wissen, daß es die Unterschrift: trage.
(-6) Meng« I. 0. -36 und setzt noch hinzu: „Ueberhaupt, wenn auch Correggio länger bey diesemStyl geblieben, so wäre er schon dadurch dem Ghirlandajo, Beüino, Mantegna und Perugin anVerdiensten gleichgekommen; allein durch seinen neuen Geschmack, wodurch er die Kunst zu mehrererVollkommenheit brachte, hat er sie Alle verdunkelt. Dieses Bild ist auf Holz gemalt, 4" hoch,8^ 6" breit. M- Feffard hat es, nach Hutin's Zeichnung, für das Galerirwerk gestochen.
(> 7 ) Tiraboschk IVoliris 61 kirrori VI. p. 41 nach einer Urkunde im Gemeindorchive von Correggio .Dieses Bild ist im Jahr -6z8 auf herzoglichen Befehl weggenommen, und an dessen Stelle eineKopie von dem damaligen Hofmaler Boulanger gesetzt worden, späterhin dann in die Galerie vonFlorenz gerathen, wo es aber nicht nach Verdienen geschätzt, und von Einigen für «inen Barozio,von Andern für einen Franzesco Vanni (also doch nie für etwas Geringes) geschätzt worden.
(>8) Deren Vasari , stanzt, Tiraboscht, Fiorillo, das Elogium in den Uiunri ir-äl»-,:, u. A. Er-wähnung thun.
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