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nur noch, daß sich, wenigstens zu Richtn dsvti'sZeiten, in der Galerie Borghese zu Rom dasBild einer St. Cäcilta befand, welches er derersten Manier des Unsrigen zueignet, und davonurtheilt: Daß ungeachtet solches überhaupt imGeschmacke des Mantegna gefertigt sey, es den-noch bereits die unzweydeutigen Spuren vonAntonio s eigenthümlichem Genie, z. B. indem Lichtschimmer trage, der von einem En-gel ausgehe, und sich über das Ganze ver-breite
Um diese Zeit, d. h , ungefehr zwischen denJahren u. 1617 dürfte (wenn es jemalsgeschehen ist) «torreqgio nach Rom gegangenseyn, und dort, an der Quelle der höchstenKunstschönheiten, seinen ersten Styl, nicht nachund nach oder stnfenweis abgelegt, sondern,wie Meng« ( 2 °) so beharrlich behauptet, »mEinem Augenblick den Sprung zur Vollkommen-heit gethan haben " Dennoch giebt er zu, daßer selbst ein kleines Gemälde kenne, welches er,obgleich schon sehr schön, »eine seiner frühestenArbeiten vom zweyten Styl" nennen möchtest).Dasselbe (etwas höher als und etwas we-niger breit) stellt die Verlobung der H. Catha-rina vor, ist auf Leinwand gemalt, und^aufHolz geleimt. Rückwärts war (ob aber ursprüng-lich, oder gar, ob von ihm selbst?) geschrieben:Daus Deo. per Donna lVIatillla ck'Lste (")Antonio Lrsto (^3) OorreAgsto kuce il
Allegri.
s,rezente ijuackro per sua stivorione i5t/,als er, in der obigen Voraussetzung einer Reife»ach Rom , ungefehr wieder bey Haus ange-langt seyn mochte (^). Andre Bilder dann vondem Unsrigen, welche man die Erstlinge seineszweyten Styls nennen möchte, wollen, wie wirschon erwähnt, auch Andre kennen (^). Wirgedenken hier nur, daß Lanzi namentlich auchvon einem schönen, jetzt aber zugrundgegange-nen al Fresco spricht, welches Anron schon insehr frühen Jahren für die Fürstin Gambaravon Correggio gemalt, und das er selbst mußgesehen haben, da er Mengs fo gerne daraufverwiesen hätte, um dessen Zweifel zu heben,als ob man, außer Rom , nirgendwo Riesen-schritte thun könnte.
, Um - 5 i 8 (spätestens r5i9)gieng Correggio,höchst wahrscheinlich von der kunstliebendenAebtlssin des Benediktiner -Nonnenklosters St.Paolo zu Parma , Johanna Piacenza, berufen,dahin ab; und kurz nach seiner Ankunft daselbstsoll er den berühmten Saal dieses Gotteshauses(höchst merkwürdig zu hören!) mit jenen my-thologischen Bildern verziert haben, von denenes (vielleicht zum Glücke für ihre Erhaltung!)nicht minder als — 280 Jahre, theils völligunbekannt, theils wenigstens zweifelhaft blieb,ob solche dem unnachahmlichen Maler derNacht und des H. Hieronymus wirklich zuge-hörten (^) ?
(19) Dieses Bild stellte nämlich die gedachte Heilige dar, wie ein junger Mensch, der sie rauben will,in ihr Zimmer tritt, und aber vor dem Anblicke der Engel, die eine Krone über ihr Haupt halten,erschrocken zurückbebt. Ein Stich davon ist uns unbekannt. Fiorillo !. o- findet eS noch schnei-dender in den Falten, als daS Bild in Dresden .
(20) l. o. 1Z8.
Q-) I. c. >48-
(22) Fiorillo I. c. 264 will wissen, daß es — was freylich arg genug wäre — damals am Hofe zuFerrara gar keine Pinzessin Mathilde gab.
(2z) So übersetzte er — wie es scheint mit Lust, seinen Familiennamen — Allegri!
(24) Dieses ist eines von den beyden Bildern des Lorreggio, welche der Graf von Drühl von demHerzoge von Modena für Sensorie bekam, als er ihm die hundert beßten Gemälde seiner Galeriefür diejenige zu Dresden mit >zo,ooo Zecchinen bezahlte, die deswegen eigens zu Venedig ge-prägt wurden. Gegenwärtig befindet sich dasselbe zu St. Petersburg . Eine recht gute Beschrei-bung und Nachbildung davon im Umrisse befindet sich jm zweyten Hefte der padleau» erc. derIckurees etrLnßer». Dasselbe war früher vielfältig gestochen; von Hugo da Carpi und Anton delLrento in Helldunkel; von G. Mantuano zweymal; von Mereati zu Rom >620 und in neuernLagen von P. E. Moitte.
(25) stanzt besonders (IV. 72 u. ff.) deren Herzählung aber für unser Hauptabsehen wenig belehrendwäre. Ihm mußten solche vornämlich dienen, um die Mengsische Behauptung zu bestreuen, daßAllegri einen urplötzlichen Sprung zur Vollkommenheit gethan, und eben so diejenige, daß ernothwendig Rom müsse gesehen haben.
(26) S- die Auflösung dieser ganzen räthselhaften Geschichte in einem Aufsätze des Bibliothekar P. Jrenco
Asso: ksgionLinento sopra uns swnrs dipinrs dsl eeleb. ^1. i>ol lVIonisrero di 8. Paolo in
Parma , 16 ". Parma 1794 und einen guten Auszug desselben von dem Künstler I, Micalt, inder N. Dibl. d. Schön, wiffensch. Th. PXIII. S. >29—59. Besonders ertheilt Asfo, ineiner Nachricht über die damalige Verfassung der Klöster den Ausschluß, der es begreiflich macht,wie ein Kunstwerk von erwähntem Charakter für einen solchen Ort bestellt werden konnte. ZuAnfange des XVI. Jahrh, waren nämlich die italienischen Nonnen der Clausur nicht unterworfen.Die Acbtissinen wurden auf Lebenszeit erwählt, verwalteten die Einkünfte ihrer Klöster nach Willkür,sogar mit einer Art Fürstenmacht und Rechten, und lebten in einem Glänze, ja oft in einerUeppigkeit, die keine Gränzen kennt. Wirklich hatte die Bürgerschaft zu Parma bey zweyen Päpstendarauf gedrungen, sie möchten ihre Nonnen zu Wiedereinführung der Clausur nöthigen. Ver-gebens! Erst im Jahr 1524 konnten diese heiligen Frauen dazu bewogen werden. Namentlich hattedie erwähnte Aebtiffin, welche keiner andern ihres Geschlechts an Geschmack und Liebe zur Prachtwiech, in dem Innern des Klosters ein Gemach für ihren Gebrauch bauen lassen, und bedientesich dazu der geschicktesten Künstler ihrer Zeit; und mehrere aus griechischen und lateinischenSchriftstellern gezogene Inschriften, die man noch in diesem Gemache liesst, beweisen, daß sie dieLeitung dieser Arbeit zwar gelehrten, aber ganz profanen Leuten überließ. Lorreggio's bereitserworbener Ruhm erweckte daher bey ihr den Gelüst, etwas von seiner Arbeit zu besitzen, und ihrWunsch wurde vollzählig erfüllt. Allein sie genoß, wie wir schon vernommen haben, nicht mehrlange ihrer Liebe für die Künste und ihrer Neigung für die Unabhängigkeit, und nachdem sie denVersuchen der Bischöfe und des Römischen HofeS niuthig widerstrebt, hatte sie einige Jahre vorihrem Lode den Verdruß, ihr Kloster vielleicht noch einem größer» Zwang, als andre, unterworfenzu sehn. Von dieser Zeit an ward jenes seines Meisters so würdige Werk allen Augen entzogen,in Vergessenheit begraben, und bis vor ganz kurzer Zeit für die Künste verloren-