Band 
Zweyter Theil [5].
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Allegri.

düngen an, und eben so wenig ganz ausgeführteund bestimmte Charaktere der Köpfe, welcheswirklich der Fall^bey diesem, und auch bey demnachfolgenden ähnlichen Werke des Unsrigensey." Endlich bemerkt Mengs, in Betreff derFiguren der Evangelisten und Kirchenlehrer inden vier Lunetten nach seiner nun einmalfixen, aber darum vielleicht nicht minder richti-gen Idee:Es scheine, es habe Correggio bey diesen letztem einen Styl befolgen wollen,der jenem des Raphael eigen sey, wie sich sol-ches aus der Simplicität der Kleidung, derStellungen und der Handlungen erkennen lasse;mit dem Hinzuthun:Man steht sogar, daß erden Charakter des Sokrates aus der Schulezu Athen , und eines Zuhörers in der Predigtdes H. Paulus vor dem Areopag aus einervon Sanzio's Tapeten ganz entlehnt habe";so wie er hingegen von der eigentlichen Cupolesagt: Wer solche mit Aufmerksamkeit betrachte,werde sich überzeugen, daß der Unsrige dieWerke des Michael Angelo kennen mußte (4°).

Die sogenannte Taibune dieser Kirche warebenfalls durch Allegri« Pinsel verherrlicht,wurde aber (i584), um solche (». 6- um denHauptaltar) zu vergrößern, eingerissen. Dasich indessen glücklicher Weise eben damals Han-nibal Carracci zu Parma aufenthielt, so ließendie Mönche von Allem, nach dem gleichenMaaßstab eine Copie aufnehmen, nach welcherdann die erweiterte Tribune von Cäsar Aretusineuerdings ausgemalt wurde. Die Copien desCarracci befanden sich zu Mengs Zeiten aufCapo di Monte zu Neapel ; die Original-Haupt-gruppe aber, welche die Maria, in der Mittevon St. Johann Baptist«, St- Giorgio u. a.

Allegri.

Heiligen, durch Christum gekrönt darstellt, wurdevon der Mauer ausgesägt, und in der herzog-lichen Bibliothek zu Parma aufbewahrt. Andredavon abgesonderte Stücke kamen in die Händeverschiedener Privatpersonen; breye davon (4')sah' man (ebenfalls zu Mengs Zeiten) in demHause des Marchese Rondanini zu Rom , derenVortrefflichkeit bey jedem, der sie in der Nähebetrachtete, Bewunderung erregte (4^).

Ferner befindet sich über der Sakristeythüre ebendieser Kirche, gleichfalls von dem Unsrigen einSt. Johann der Evangeliste in Fresko, der,nach dem Urtheile von Mengs (^), besonderswas den Charakter des Kopfs betrift, nochmehr als alles Andre in Raphaelischem Stylausgeführt zu seyn scheint, so, daß man abge-sondert ihn wirklich noch eher für Sanzio's alsfür Lorreggio's Arbeit halten möchte (44).

In der Kirche Sr. Johann befanden sich nochzwey bewunderte Altarblätter von Allegri, de,ren das eine den Märtyrertod der verschwistertenSt. Placidus und Flavia, das andre eine Ab-lesung vom Kreuze darstellt. In dem er-stem (H> 10 " hoch, h/ 8" br. auf Leinwand)erweckt besondere Aufmerksamkeit der Kopf derHeiligen, die, mittlerweile ein Henkersknecht (^)ihr die Brust durchbohrt, zärtlich gen Himmelschaut, und sich wenig um ihren Schmerzzu bekümmern scheint. Dagegen (heißt es ir-gendwo) ist die Zeichnung in diesem Bildesehr incorrekt. In dem andern erblickt manan der neben dem Leichnam ihres Sohns vondem H. Johannes unterstützten Mutter selbstalle Schrecken des Todes; hinwieder hat St.Magdalena einen Ausdruck über alle Beschrei-bung schön (4?).Diese beyden Bilder" (be-

(4o) Gestochen wurden die Bilder dieser Kupvle von Joh. Maria Givvannini von Bologna (-700) inl- Bl. mit dem Titel; nach Füßlt's Urtheil (II. 40) überhaupt roh, schwer und gleichtonigt;daher man auch von der großen Wirkung des Helldunkels, und von der leichten und geistigenBehandlung des Werkes, wegen welcher es so vorzüglich berühmt ist, wenig oder nichts bemerkenkann. Jedes dieser Bl-itter hält in Höhe und Breite 3" 6'". Dann in neuern Tagen vonRavenet, dem Sohne, in 8 Bl.

<4») Nach Lanzi I. 0. yg. Engelskdpfr.

(42) Nach GanLelltni ist auch die Tribune (wenigstens die erwähnte Hauptgruppe) von Givvanninigestochen. Ob unter den erwähnten 12 Blättern, ist uns unbekannt.

(43) l. 0. 128.

(44) Stiche davon sind entweder der sitzende und schreibende St. Johann der Evangeliste von Aug.Santagostini; oder der nämliche, aufwerts schauend, neben ihm der Adler, von F. Rosaspina (1796).Von diesem letztem (Pr. io Livr. de Fr.) heißt eS in der Allg. R. Z. (8". -8°3 S. 215).Rosaspina hatte es unternommen, alle bey den Benediktinern zu Parma befindlichen Werke deSAllegri zu stechen, und mit diesem Bilde den viel versprechenden Anfang gemacht. Leider konnteer nur noch die Kreuzesabnahme folgen lassen; das Uebrige wanderte nach Paris ".

(45) vepoero. Gleichgeltend mit kiera, wofern sich H. Weiber dabey befinden, und somit verschiedenvon der Abnehmung vom Kreuze. So unterscheiden auch die Franzosen veposirioo von vescenrs.

(46) II Llam'goläo, Wa6 Panzer für ein Nomen proprium nimmt, und mit Manigoldus übersetzt.

(47) Beyde standen als französische Kunstbeute eine Weile zu PariS, und sind wahrscheinlich nach Parma

wieder zurückgekehrt. In ältern Tagen (1658) wurde das erstere von I. B- Vanni, das zweytevon einem Ungenannten in Kupfer geätzt. Heinecke nennt solches (nach der sonst den Franzoseneigenen wunderlichen Weise) bloß deswegen, weil man die Figur des Joseph von ArimathiaS(freylich ebenfalls seltsam genug) mit Hammer und Nägeln in der Hand, noch auf der Leitererblickt: la Vierge äs I'äclieUe, und von ersterm kennt er noch ein anderes Blatt, unten mitkrsub Ous ä. und rechter Hand mit r. signirt. In neuern Lagen hat S. Ravenet der

Sohn beyde gestochen. Bey Landon s. solche im Umrisse X. diro. z und 5. Dann kennt manvon dem letzter» besonders ein -8<-2 von Fr. Rosaspina gefertigtes Blatt. Theils von dem Urbilde,theils von dem Stiche heißt es in der Allg. R- K. 8°. »8°5 S. 212 u. ff.So vielfältig auchder Gegenstand zum Theil von den größesten Künstlern behandelt worden ist, so zieht dockdieses Bild unwiderstehlich an, durch seinen erhabenen Ausdruck, durch seine treffliche Gruppirungund reitzvolle Harmonie. Glücklich und wahr hat Lorreggio den Schmerz nicht in seiner höchstenErgießung, sondern in seiner Erschöpfung dargestellt. Die drey Marien und der geliebte Jüngerhaben teine Thränen mehr sie blicken in stummem Jammer, mit gebrochenen Herzen, auf dieLeiche deS großen Todten, der im Schooße seiner entkräftet zurücksinkenden Mutter ruht. Johannesstrengt sich nicht an, sie zu fassen; dieß würde einen ruhigern Gemüthszustand voraussetzen. Erstreckt nur seine Hände, wie unwivkührlich, auS, und hält sie mit seinem Körper. Im AngesichtedeS Erblaßten ist noch «in wunderbarer Ausdruck die hohe Resignation, womit er in seinen