Band 
Zweyter Theil [5].
Seite
66
JPEG-Download
 

der Grazien in seinen nachgelassenen Werken so Domkirche, worauf die gedachte Stadt aufvortrefflich analvstrt hat, dort hingegen dieses immer so stolz seyn kann In jenem Salon fin-Saales zu Parma mit keinem Worte gedenkt, det der Kenner, wo nicht die ersten, doch dieDiesen anscheinenden Widerspruch hat zwar bedeutendsten Striche der Scheidlinie zwischenTrrabosschr in seiner Biographie des ssorreggio AUegri's erster und zweyter Kunstmanier. Hierdamit zu erklären gesucht, daß LAengs viel-- zum erstenmale verließ er, seinem bessern Gefühleleicht dieser Kunstgebilde seines Helden darum folgend, bedeutend jenen trockenen kleinlichenweiter keine Erwähnung gethan, weil er solche Geschmack, der die Natur sklavisch nachäfft,in einem höchst kläglichen Zustand gefunden habe- und erhob sich hingegen, einzig durch die KraftUns hingegen scheint die wahre Ursache seines seines Genie, zu jenem erhabenen Styl, derStillschweigens vielmehr in dem Umstände zu sich durch eine reiche, dichtersche Fantasie, durchliegen, daß derselbe kurz nach seinem Aufent- einen große,, Geschmack in der Zeichnung, undhalte zu Parma (> 779 ) Todes verbliech, und eine Kühnheit in den Verkürzungen darstellt,somit nicht mehr Gelegenheit fand,, Zusätze zu welche kein Meister vor ihm verstand, und diedem zu machen, was er vorher über Allegri er durch eine zaubersche Harmonie, durch diegeschrieben hatte. , Weichheit und Leichtigkeit seines Pinsels, und

Wie dem immer seyn mag, würde man indeß besonders durch jene Grazie zu mildern wußte,noch lange in einiger Ungewißheit geblieben seyn, deren Geheimniß ihm bis jetzt kein Andrer ab-wofern es nicht endlich neuen eifrigen Freunden zulauschen vermochte

der Kunst gelungen wäre, die Existenz dieses Es war demnach im Jahr 1520 daß Antonseltenen Kunstwerks auf eine ganz unzweydeu- die berühmte Kupole der St. Johanns-Kirchetige Weise darzuthun. Eine Commission von der Benediktiner anfing, und solche in H 24vier Künstlern erhielt den Auftrag, an Ort (s. d. schon , 522 ) vollendete, wie man ausund Stelle die genaueste Erkundigung einzuziehn; einer Quittung für die letzte Zahlung erfährt,und kaum waren sie ( 16 . Jun. i7g5) in das welche mit: Antonio Lrsro unterschrieben ist,Innere des Nonnenzwingers St. Paolo getrc- und noch in Parma (3?) aufbewahrt wird. Dieseten, als ihnen der Gegenstand ihrer Unters»- Kupole hat keine Laterne, noch Fenster auf der

chung in die Augen fiel. Der Eindruck, den Seite, und ist daher schlecht genug beleuchtet,

solcher auf ihre Gemüther machte, entsprach dem In Mitte derselbe» ist Christus, mit seinerhohen Begriffe, den sie^sich davon zum Voraus Glorie in der Luft schwebend, und die zwölfgebildet hatten. Eine reiche, poetische Compo- Apostel unter ihm auf den Wolken sitzend, insition die den reinen Geschmack des Alterthums Erstaunen und Anbetung, dargestellt (3«). Diese

athmet, die Eleganz und Correktheit der Zeich- letztem sind unbekleidet, in einem so gran-

nung, das frische harmonische Colorit, der Zau- diosen Styl, den man sich kaum denken kann,der des Helldunkels, die zugleich kecke und und die Formen so schön, daß sie z. B. denleichte Ausführung dieß waren die untrügs Carracci, Ludwig besonders, vielfältig zum

lichen Kennzeichen, an welchen sie den unnach- Muster dienten. In den vier Seitenwinkeln er-

ahmlichen Meister der bracht und des H. Hie- scheinen die vier Evangelisten, nebst den vierronymus erkannten. vornehmsten Kirchenlehrern. Lanzi nennt die-

Jene vier Künstler (andere Nachrichten nen- ses Werk ein nur durch ein ähnliches, von dem

nen bloß den Portugiesen Vieira) hatten von wir bald unken reden werden, übertroffenes

diesen aufgefundenen Schätzen in der Eile Zeich- Wunder der Kunst. Namentlich wird von dem-

nungen gefertigt, welche der durch seine Thä- selben, neben der Geschicklichkeit in Anordnung

tigkeit und Eifer für alle Zweige der Kunst be- des Ganzen, der Contrastirung der einzelnen

rühmte Typographe Bodoni an sich brachte, Gruppen und dem großen Geschmack in der

und solche nachwerts durch den vorerwähnten Zeichnung, hauptsächlich eben auch Aüegri's

Rosaspina auf 35 Tafeln, in Zeichnungsmanier tiefgegründete Kenntniß aller Arten von Ver-

ausführen ließ, so wie auch noch ein früherer kürzungen bewundert, denen er, ungeachtet so

ähnlicher Versuch einsweilen dazu diente, die vieler damit verbundenen Schwierigkeiten, die

ungeduldige Neugierde des Publikums in und größte Deutlichkeit zu geben gewußt; wobey

außer Italien zu befriedigend). übrigens Füßli (3») sich das Urtheil erlaubt:

Dieses Werk war somit das erste, welchesDa in großen Werken dieser Art der Geist des

Correggl'o in Parma verfertigte; und dem Künstlers einen zu ausgedehnten Wirkungskreis

Erfolg davon (und vor allen Dingen dem guten unaufhaltsam durchlaufen muß, um das Ganze

Geiste der Aebtissin Johanna, die ihn zu sich niemals aus dem gehörigen Gesichtspunkte zu

berief!) verdankt man ohne Zweifel die beyden verlieren, so treffe man in solchen fast nirgends

herrlichen Plafonds in der St. Johanns - und tiefsinnig ausgedachte, viel bedeutende Erfinr

(z-i) In Begleit des Fürsten , Don Ferdinand von Dourbon, einiger Hofleuthe, und des oberwähntenBibliothekars Affo: Caj. Lollant, Biag. Martini, der Portugiese Franz Vieira und der geschickteKupferstecher Franz Rosasptna von Bologna , alle Professoren der Akademie zu Parma , und diedrey erster» selbst Maler.

(35) Die erste Nachricht von der wirklichen Erscheinung der zz Dl., welche in Deutschland 70 Livr.kosteten, finden wir in der oberwähnten Allg. Runstz. S. 217224. Morgenstern >. c. 667giebt den Preiß weit hdher (zu 400 Paoli) an. Der Titel dieses Prachtwerkes ist: vercririoaeItaliLns, krsncere e 8psgnuolL lielle kircure essisrente in UNL csiners äel Monirrero ä! 8. ksolc»in ksroas eio. eon 35 rsmi. Jmper. Fol. Der Text soll von Gherardo öe' Roßt seyn.

(36) Allg. Runstz. I. v. 22222z.

(37) In dem Archive gedachter Kirche.

(38) Unter den manigfaltigen Beschreibungen dieses Werks, habe ich die kürzeste und deutlichste vonMeng« gewählt. (I. c. 127128). So wie baö Leben von Correggio bey vasari, der großenVerdienste dieses Kunstgeschichtschreibers unbeschadet, für eine wahre Sudeley zu achten ist, so gingnamentlich seine Nachlässigkeit so weit, die Gegenstände der Darstellungen in den beyden Kupolenzu Parma kurzweg zu verwechseln.

(39) I». 4°-4-.