A l l e g r i.
daß, obgleich dieses Werk sehr gelitten hat, dieSeele des Zuschauers sich dennoch, wie,durchZauber, in himmlische Seligkeit versetzt suhlt".»Dergleichen große Werke" (wie man dieß auchvon Raphaels Stanzen sagen kann) „mußten''(fährt Lanzr fort) „viel dazu beytragen, denStyl zu erhöhen, und zumal die schwere Kunstder Frescanten auf ihren Gipfel zu bringen.Auch lohnt es sich sehr der Mühe, das unsrigein der Nähe zu beschauen, um die Bravourund Sicherheit von AUegri's Pinsel zu bemer-ken; zu bewundern, wie die Theile, welche vonWeitem als die allerschönsten sich darstellen, nurwie mit wenigen Strichen angedeutet sind, und,gleichsam spielend, jene Harmonie erzeugen, dieso viele verschiedene Gegenstände in Ein Großeseiniget
Auch dasjenige ist wahrhaft aller Ehre werth,was der Wiener-Füßli (^) von diesem Haupt-werke unsers Künstlers spricht: „Die Wolken,welche in demselben ganz besonders große Mas-sen ausmachen, und außerordentlich viel Raumeinnehmen, wußte er, mittelst seinem glücklichenoptischen Gefühl, auf eine so ganz eigene, soleichte und fließende Art mit den Gruppen dermenschlichen Formen zu verbinden, daß jedeWolkenmasse, da wo sie angebracht ist, sowohlzur Erhebung der Figuren, und zu einer an-muthigen Contrastierung, als auch zum Zusam-menfluße der allgemeinen Harmonie ganz unent-behrlich da zu seyn scheint. Maria, als dieHauptfigur, ist in einer geistreichen und won-nevollen Wendung aufwärts strebend vorgestellt;alles was über und unter ihr schwebt, ist infreudiger und schneller Bewegung, und in allenFiguren der mannigfaltigen Gruppen herrschtein gewisser ganz eigner Ton von Anmuth undholdem Wesen, der jeden empfindsamen An-schauer vergnügen muß; so daß es unmöglichscheint, ein Prachtgemälde dieser Art, welchesvorzüglich bestimmt ist, auf die Sinne zu wir-ken , zu einem höher» Grade der Vollkommenheitbringen zu können So viel, was das Ganzebetrift. Die einzelnen Schönheiten dieses Wer-kes bestehen in einer groß styltsirten Zeichnungdes Nackten der Figuren überhaupt; in anmu-thigen, aber nicht schönen Köpfen, und in leich-ten, in großem Geschmack ausgeführten Drap-perien. Starke, bestimmte und bedeutende Cha-raktere würde man aber vergeblich darinne su-chen, obwohl, im Ganzen genommen, alleFiguren etwas Großes und Geistiges an sichhaben. Allein, zu geschweige», daß die außer-ordentlichen Verkürzungen aller Formen, welcheder Künstler nothwendig beobachten mußte, dercharakteristischen Bezeichnung der Köpfe großeSchwierigkeiten entgegen setzen mußte, so konnteauch von einem Werke von dieser Größe undAusdehnung, welches in einer so beträchtlichen
Allegri. d9
Entfernung vom Auge wirken mußte, mit Bil-ligkeit nicht mehr als eine dem Stoff der Vor-stellung gemäße große Idee in der Erfindunguns Anordnung, eine das Auge vergnügendeoptische Anwendung des Lichtes und Helldun-kels, ein im Allgemeinen edler, und die Haupt-thelle der Formen groß bestimmender Styl inder Zeichnung, nebst der Uebereinstimmung allerTheile mit dem Ganzen in Licht und Farbegefordert werden; und alles dieses hat Eorreggionach dem Urtheil der unbefangensten Kenner indiesem Werke auf eine bewundrungswürdigeArt geleistet."
Endlich bemerkt in neuern Tagen Morgen-stern (^) über dies erstaunenswürdige Werk,neben Anderm: „Hier findet man im Großen,und in erstaunlicher Fülle wieder, was manin einzelnen Oelgemälden des unnachahmlichenMeisters (besonders zu Dresden und Paris )bewundert hat; außer seinem bekannten Acht-und Farbenzauber, besonders die Wunder derVerschlingungen der Engel, die in Wolken überund unter und durch einander sich schwingenund wirbeln. — Ein Gesicht voll Andacht re-flcktirt oft das andere, und verstärkt wieder,gleich dem Brennspiegel, im andern die Glut.So erblickt' ich, als ich, um näher zu schauen,zur Kuppel hinaufgestiegen war, aus einem deroffenen vier Steinfenster ihres untern Theils,mir gegenüber eine niedergeknicte jugendlicheGestalt, die den Finger auf die Lippen legt,ganz in tiefste Andacht versunken, und ein klei-ner Engel schaut freudig aus seiner Wolke überdiese in sich Versenkte und Wonnetrunkenehinab. Aber fast alle, auch viele heilige Män-ner und Frauen auf ihren luftigen Sitzen inder Kuppel, blicken, mehr oder weniger, nachdem höher«, immer enger werdenden Kreise derWolken voll Seraphs über Seraphs, bis amEnde in der Mitte nichts als Licht strahlt —und immer unsichtbarer werden die Engelgestal-ten. Aus diesem innersten Kreise stürzt sich einhimmlisches Wesen mit wunderbarer Verkürzungherab, der Madonna, die von jauchzenden undjubilirenden, den Saum ihres Gewandes fas-senden, Kerzen und Rauchwerk tragenden, durchGesang und Musik diesen Triumph feyerndenSchaaren umgeben ist, entgegen. Er ist's, ja,er ist's, dein Gott , dein Sohn, du überseligeMutter!" (-6).
Noch heißt es bey ^iorillo (27): Diese beydenKupolen seyen die ersten gewesen, die man alSein großes Gesamtwerk ausgemalt, da solchesvorher immer nur, in mehrere Fächer abgetheilt,zu geschehen pflegte.
Nahe der Hauptpforte, links vom Eingängedes Doms bemerkt man noch an der Wandden al Fresco gemalten Profilkopf eines mirfromm einfältiger Miene das Haupt senkenden
( 54 ) l ( 3 ) 42 - 44 -
( 55 ) U <-- 64z-44.
(56) D. Vanni hat (kireure 1642) dieses große Werk in >5 Blättern auf eine so leichte und geistreicheArt geetzt, daß man sich daraus einen deutlichen Begriff von dem großen Effekt des GanzenÜberhaupt, sowohl als auch von der außerordentlichen Geschiklichkeit deS MalerS in Anwendungdes Helldunkels machen kann. Eines dieser Blätter, welches das Ganze im Zusammenhangeenthält, ist z" z"' hoch, und 4' 6" 4'" breit. Die in acht Blättern einzeln radirten Vorstel-lungen der Kupole dann haben 2" Höhe, 4"' Breite; die vier Stücke der Seitenangelnendlich 6" 4'" Höhe, z" 8"' Breite (der LVinklersche Cakalog, so wie Heinecke, nennen>5 Dl., und zwar ersterer 12 in die Hdhe und z in die Breite). Ebendieselbe gab (nun sicherin ,5 großen Blättern) Dominikus Bonaveri -697. Und in neuern Tagen S- Ravenet derSohn. — Dann den ersten Gedanken von diesem Werke (Aufnahme der H. Jungfrau) in 6 Bl.F. F. Aquila. — Dann die Apostel und die Leuchter tragenden Engel (wieder in 6 Bl.) SsttBadalocchi. — Endlich einen Bischof mit vier Engeln aus dieser Gruppe etzte ein Ungenannter;und eine andere Gruppe solcher Engel F. Rosaspina (Pr. 4 Livr. de Fr.).
(57) N. 270—7,.