n Allegri.
zugleich mit dem dritten ähnlichen vortrefflichenBilde der Io (^). Don diesem gelangten siein die Hände seines Sohnes, der sie, um zukeiner Verführung Gelegenheit zu geben, inhöchst eigner Gegenwart in Stücke zerreissen,und den Kopf der Jo vollends verbrennen ließ,weil dieser ihm den üppigsten Ausdruck zu habenschien. Die übrigen Theile dieses letztgenanntenBildes wurden von Carl Coypel gesammelt (?);und, nach dessen Tode setzte ein andrer franzö-sischer Maler einen neuen Kopf darauf. Indiesem Zustande kaufte es ein Finanzier Pas-quier um i 6 ,o 5 o Fr. und bey der Versteigerungder Bildersammlung dieses letztem wurde esfür Friedrich II. von Preußen um den hohenPreis von 21,060 (a. d. 24,000) Livr. erstan-den und zu Sanssoucy aufgestellt. Don derLeda sagt man, daß sie dasselbe Schicksal (?)gehabt ( 63 ); und wenn die Danae sich bis jetzt nocherhalten hat, so muß sie doch so versteckt seyn,daß wir gar nicht wissen, ob, oder wo jemandin neuern Tagen sie zu sehen bekommen hat (6^)?Wie dem immer seyn mag, und wir hierüber
Allegri.
am Schluß der vorstehenden Note erwähnthaben, so befanden sich doch alle diese dreyberühmte Bilder noch 1727 (wie man damalsdafür zu halten schien, ganz unversehrt) in derGalerie Orleans ; und (was noch wichtigerist) ebenfalls alle dreye sind uns durch die vor-trefflichen Stiche von Caspar Duchange aufimmerwährende Zeiten aufbehalten, von welchendie Jo das Datum von 170h, die Ledavon t 7 ir tragt ( 63 ).
Du Bols de Er. Gelais, beschreibt vör-derst das Bild der Jo, wie folgt: „Auf Tuchgemalt ( 3 ' 5 " hoch, 2^ 7 -2" br.), Figur vonfast natürlicher Größe (66). Sie sitzt auf einemErdwalle; man sieht sie vom Rücken, doch mitgewandtem Haupte, so daß das ganze Gesichterscheint. Sie ist in Ohnmacht des Entzückensversunken, die Wolke beginnt sie zu umfangen;man entdeckt durch dieselbe nur etwas vomKopfe, und eine Hand, die sie umfaßt. Ander Stelle des^ Erdwalls, auf welche sie ihrenrechten Arm stützt, entspringt eine Quelle, diein eine Urne fallt, und weiterhin einen kleinen
(8-) Nach du Lots de St. Gelais hätte sich auch letztere schon im Besitze der Kdnigin Christiansbefunden.
(8z) So wie auch die Frage ist, ob nicht der letztgenannte Kaufpreis beyde Bilder angehe?
(84) So weit Mengs I. c. ,,9—,20. Ziemlich anders Fiorillo H. 279—23-. Mach ihm, um unSkurz zu fassen, wurden dieselben nicht iZZc> dem Kaiser geschenkt, sondern standen in der Galeriezu Mantua , bis 16z-, wo sie, bey der Einnahme dieser Stadt durch den kaiserlichen GeneralColento nach Prag mitgenommen wurden, und dann spätherhin (>648) ebenfalls durch Kriegsglück,nach der schwedischen Eroberung dieser Stadt, nach Stockholm kamen. Ueber das dortige ungefehreAuffinden derselben erzählt dann Fiorillo (nach den Briefen des Grafen von Teffin an einenjungen Prinzen. Leipz. 1756): „Die Kdnigin Christina bekam zuerst in Italien einigen Geschmackan den schönen Künsten. Vorher hatte sie davon so wenige Kenntniß, daß sie die fünf vortrefflichenBilder von Lorveggio (du Bois de St. Gelais nennt >o), davon noch ein Theil (nach St.Geists alle zehen) in der Oceanischen Galerie aufgehoben werden , an den französischen MaterBourdon verschenken wollte, der sie, zum ewigen Beweise der damaligen Einfalt, in der KöniginStall entdeckte, wo sie, verachtet und kaum bemerkt, zu Leinlucken vor den üdelpassenden Fensterndienten". Daß dann die Kdnigin sie mit sich nach Rom nahm, hat allerdings seine Richtigkeit.Alsdann fährt Fiorillo, wie folgt, fort: „Bey ihrem Tode vermachte sie solche dem KardinalAzzolini, von dessen Erben sie der Prinz Odescalchi kaufte. Von diesem kamen sie an den Herzogvon Braceiano, und hierauf wieder durch Verkauf an den Herzog Regenten. Spätherhin wurdenmehrere (versteht sich von den zehen Bildern) durch den letzten Philipp Egalit-- in England ver-silbert. Was der Sohn deS Regenten mit den drey mythologischen Damen gethan, wird auchhier angenommen, mit der wettern nähern Anführung, daß in diesem traurigen Zustande Coypelsie zu seinem Studium sich ausgebeten und erhalten; daß sie nach dessen Tode öffentlich versteigert,aufgestützt, ergänzt, und so um einen hohen Preis dem Könige von Preußen verkauft worden.Die Leda war (S- deouvellisre oeconomigue er liklcrsire D. II. p. 148) in drey Stücke zerschnitten,der Kopf verbrannt (?), und so bey jener Versteigerung von dem oberwähnten Pasquier erstanden,und dem Maler Lyen die Wiederherstellung aufgetragen. Die Jo hakte ein H. de Calabre gekauft,und die Ergänzung übernahm der Maler Lollier (alle dies» wie wir'S verstehen, für Friedrich II.).Der Ritter Samt »Germain < Matinel halte diese Wiederherstellung in Versen besungen. Sozieren solche (die lleda und Jo) gegenwärtig die Galerie zu Sanssouci ". Allein, in Absicht ausdas dritte dieser Bilder (die Danae) bleibt nun der seltsame Widerspruch. Nach den beydseitigenBerichten von Mengs und Fiorillo waren es wenigstens die sseda und Dsnse, welche die Wan ,derungen von Mantua , nach Rom , dann nach Böhmen und Schweden , und endlich nach PariS mitgemacht. Und eben so unstreitig befand sich 1727 noch (als ebenfalls aus der Derlaffenschaftder Königin Christina herrührend) auch die Jo in der Galerie Orleans , und kam spätherhin,nebst der steda nach Sanssouci ; dann 1806 oder 1807 als Kunsteroberung nach Paris , und, nachdem Kriege (>8>5) wieder an ihre alte Stelle. In neuern Tagen heißt es davon im Tüb. Morgenbl->8>5 S. 11,2: „Der schleyerhafte Nebel, welcher die erstere Scene verhüllt, ist nothwendig,erhöht aber auch das gefährlich Schöne des Eindruckes. Im zweyten Bilde sind die gesteigertenWlüthenblicke der Liebeslust sehr reizend angedeutet, und beyde Werke bleiben Zeugnisse der Mei-sterschaft". (Wie kalt-warm!) „Der SittenfanatismuS eines Herzogs von Orleans begehrte einstdie Vernichtung dieser Bilder; man wehrte sie ab, mußte aber doch mehrere Köpfe (?) herausneh-men, die späther nur sehr mittelmäßig wieder hineingcmalt wurden. Neuerdings ist nun der Kopfder Jo von einem französischen Maler, prudon, angefügt, und so herrlich, daß die rühmlichsteAnerkennung Pflicht wird".
(8z) Alle dreye wurden von P. Petri zu Rom gezeichnet. Die gesuchten Abdrücke sind natürlich die-jenigen, welche noch nicht den Namen von Sornique tragen, der solche aufgearbeitet, mehre nackteStellen brappirt (nach Rost VIII. 19z die Jo in eine schlafende Diana verwandelt) hatte, waSindessen nach der bekannten Stellung der Jo unglaublich, und wohl eher von der Danae zu ver-stehen ist. Nach Andre Darbon hinwieder hätte Duchange selbst alle drey Platten aus Gewis-sensbissen durch große Striche mit dem Grabstichel verdorben. Nach Joubert galt die unverdor-bene Jo auf der Versteigerung von Sylvestre den Spottpreis von 3o Fr., auf der weil älternvon Mariette hingegen 65 Fr., was noch wenig genug ist.
(86) Was keinen Verstand hat, eS sey denn, daß unter ligure bloß der Kopf zu verstehen ist.