Band 
Zweyter Theil [5].
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wähnten, auf Holz gemalt. Und obgleich das-jenige von St. Georg so vortrefflich ist, so wol-len dennoch viele Kunstverständige diesem nochden Vorzug geben, weil dasselbe — dem neuernStyl näher komme, und sie es in der Compo-sition für besser halten. Es ist wahrscheinlich,daß die Stadt Modena zur Zeit der Pest sol-ches als ein ex Voto habe fertigen lassen, undman weiß nicht aus welcher ihrer Kirchen einesihrer Herzoge dasselbe hat nehmen lasten, um es indie Galerie zu versetzen; nur so viel ist bekannt,daß es schon lange vor dem H. Georg daringesunden wurde. »In der That" (sagtistkengs ("«) »machen wenige Gemälde desLorreggio" (die berühmte Nacht ausgenom-men) »einen so großen Effekt, wie das gegen-wärtige, und keines beweis't mehr, in welchhohem Grade er die Kunst des Helldunkels unddie Vertheilung der Farben verstand. Daserste, was bey dem Anschauer Bewunderungerregt, ist das Licht der Glorie, das wirklichdas Ansehen einer Sonne hat, ob es gleich nureine lichtgelbe Farbe ist, wogegen der göldneRahmen des Bildes weit matter erscheint. Den-noch tretten aus diesem Lichtkörper die Madonnaund das Christuskind noch wie aus einem dun-keln Grunde hervor (?). Die Bekleidung derMutter ist brennend Roth, der Mantel Dunkel-blau. Die Fleischfarbe von Mutter und Kindsind etwas tiefer in Licht, und dadurch in ihrerwahren Entfernung gehalten. Die beyden Engelzur Seite sind, dem lichten Grunde minder starkentgegengesetzt, auf etwas dunkeln Wolken ge-lagert; einer von ihnen scheint mit dem H.Rochus, der andere mit dem H. Geminianzu sprechen, und ihnen anzudeuten) daß sie zuJesu ihre Zuflucht nehmen müßten, der ihnenmit der Hand ein Zeichen giebt, daß er ihreFürbitte annehmen will. Unter dieser Glorie istein Hügel, dessen Farbe sich mit der Farbeder Wolken vereinigt, die nur eine kleine Oeff-nung frey lassen, durch welche man etwasLandschaft entdeckt- St. Sebastian ist (freylichseltsam genug!) bis auf den Gürtel ganz nackend,und mit den Füßen an einen Baum gebunden,im Akt für die mit der Pest Behafteten Fürbitteeinzulegen; und eben so sonderbar, St. Rochussitzend, den rechten Arm und den Kopf an denBerg gelehnt, gleichsam als alle Hoffnung auf-gebend, und selbst mit dem Pestübel behaftet,dargestellt. Neben St. Geminian endlich ("<>),der aufwerts gegen den Retter in der Glorieweiset, steht eine mit allen Grazien des < 5 or-reggio angethane zwölf bis dreyzehnjährigeTochter, die ein kleines gethürmtcs Gebäudein der Hand hält, das die Stadt Modena an-deuten soll, deren Schutzpatron dieser Heiligewar. Zu bemerken ist noch dieses, daß alleEngel auf diesem Bilde ungeflügelt vorgestellt

sind Das fünfte Dresdner -Bild des

Unsrigen aus Modena herrührend ist die be-rühmte, auf Kupfer gemalte, büßende Mag-dalena (i' 5 br., i f-" hoch ). »Die-selbe ist in ganzer Figur, mit der Halste desVorleibes liegend, mit dem obern Theil des-selben erhoben, und auf den Arm gestützt, überein vor ihr liegendes Evangelienbuch in Betrach-tung vertieft, vorgestellt. Der Unterleib ist fastganz gestreckt, und bis an die Füße mit einemeinfachen Gewände bedeckt; um sie und hinterihr sind öde Felsen und Gesträuche, die zusam-men einen dunkeln Grund ausmachen, undviel zur Erhebung der Figur beytragen. Dieseist lang und schlank, und die Wendung undLage des Körpers, ungeachtet der naiven Be-quemlichkeit derselben, mit vieler Eleganz undGrazie ausgeführt. Das sehr wohlgestalteteGesicht hat ungemein zarte und einnehmendeZüge, und in dem Ausdruck ist eine bewund-rungswürdig glückliche Mischung von Ernst,Reiz und Anmuth, die, verbunden mit demsanftwirkenden Helldunkel, in der es sich befin,bet, jedes Kenneraug' entzücken muß. Dasganze Nackte des Oberleibs ist in allen Theilenin großem Geschmacke gezeichnet, und mit täu-schender Wahrheit behandelt. Ueber Alles aberist in diesem Bilde die Zauberey der Halbschat-ten auf den möglichst höchsten Grad getrieben".So weit Füßli ('22). Mengs dann: »Dieses

einzige Bild enthalt alle Schönheiten in sich,die sich nur in der Malerei gedenken lassen,theils in Ansehung des Fleißes, womit es aus-geführt ist, theils wegen der Jmpastirung derFarben, der Mürbigkeit und Grazie, und be-sonders wegen dem Verständniß der Lichter undSchatten. Außer dem nackenden Theil der Hei-ligen, ist Alles um sie dunkel. Auch der Kopfist ganz Halblinke, doch aber von dem Wieder-schein erleuchtet, der von dem Arm und vondem Buche herkömmt. Die Haare, in demangenehmen Glanz, worin sie ausgeführt sind,scheinen als waren die dazu gebrauchten Far-ben darüber hingegossen, und geben denn docheine so vollkommene Idee von dem was siesind, als wäre jedes einzelne hingemalt''. Undnoch einmal: »Ueberhaupt, wenn alle übrigenBilder des Eorreggio vortrefflich sind, so istes dieses zum Erstaunen ("-)". Einzig anden, wie es scheint, von den Liebhabern genaugeprüften — Beinen der Heiligen wird, wieLehmnger bemerkt, etwas Unrichtigkeit derZeichnung gerügt. Mit alledem müssen ältereoder neuere Besitzer dieses Kunstkleinod so hochgeschätzt haben, daß es in einen mit achtenJuwelen besetzten Rahmen gefaßt ist. Auchwurde dasselbe, unter der Gesammtsumme dervon Modena angekaufte» sechs Arbeiten desUnsrigen, für 2b,oc>o römische Scudi angeschlar

(n8) d c. -41 — 144.

(119) Nicht Spitze, wie prange colore wunderlich genug übersetzt.

(120) Dessen Figur in diesem Gemälde, so wie in dem vorhergehenden, vornehmlich bewundert wird.

(121) Dieses Gemälde hat, wie Meng« erzählt, schon von Alters her einige Spalten (rorosisiure)erlitten, die dann, durch den Transport von Modena nach Dresden noch bedeutend vermehrtwurden. Allein durch die Sorgsalt, die man für die Erhaltung der Fragmente trug, sah sich derKdnigl. Pohlnische Maler, H. Sedriz, im Stand, daS Ganze auf das Vortrefflichste wieder her-zustellen. Gestochen ist dieses Bild (bey Heinecke unter der seltsamen Rubrik: Tableau äe 8r.koe ljui äorl) IN ältern Tagen, mit dem Monogramm eines verschlungenen k. u. t.. und öleei-i-rokaiio Seriell,, und in neuern, für das Dresdner -Galeriewerk, mit malerischem Geschmacke,von P. A. Kilian.