8t
Allegri.
Zu Sanssoucy nennt der französische Galerie,Catalog von M- Gestenreich (1764) einzig diebeyden schon oben, unter Lorreggio's datirtenWerken beschriebenen zwey Hauptbilder der Iound der Leda. Dagegen wollte eben diesesVerfassers (erztcoiifuses) deutsches Verzeichniß(i/7Z) neun (ungenannte) Bilder von Allegrizu Sanssoucy kennen, und dann vollends (imRegister!) ein zehntes so eben über -Wien an,gekommenes, von großer Schönheit, und ganzvortrefflich conservirt: Die Familie des HerzogAlphonsen von Ferrara (*^).
Salzdahlum zeigte einst zweyer Maria mitdem Kinde, das, auf einem Lüche stehend, sichschmeichelnd an ihre Brust legt; die Mutterumfaßt es mit der Rechten, i» der Linken hältsie ein Buch; lebensgroße Halbfiguren aufLeinwand ( 5 ^ 5 " br., 2" hoch), und einen
Mannskopf auf Holz.
Die Galerie im Süden hat eine Madonnamit dem Kind auf dem Schooß, ein hohes,9 br. Bild, welches von Ramdohn undRoland um die Wette gepriesen, doch nur vondem letztem als für unstreitig original gehaltenwird (^").
-Wieder auf eigne Weise nennt ^der Catalogdes H. Hofgerichts, Advokaten Vchmidn zuKiel ein in dessen Galerie stehndes „ganz für,trefflich gemaltes Ecce Homo, voll SanftmuthErgebung und Wurde, ein Capitalbild auf Lein,wand (in einem Kästchen)", als vonConneggiooder — dessen Lehrer (Mantegna ).
Dann bot um 1800 der H. Maler I. S- B.Hammer zu Coburg nicht minder als zweyBilder des Unsrigen zu Kauf aus. Das eine,3 , 10" hoch, 3/ 5 " br. mit nicht ganz lebens,großen Figuren, stellte Christus am Oelberge —das zweyte (3^ in's Gevierte) die H. Veronicamit dem Schweißtuche Christi dar ('^). Wosolche seither hingerathen seyen, ist uns un-bekannt.
Sicher dafür besitzt noch gegenwärtig derGraf Benzei, Srecnau unter seinen Kunst,Juweelen auf seinem Landsitze zu Erlenbach amZürichsee , von Allegri einen Amorin, vereinTäubchen liebend an sich drückt, ein Bildchen,das wir einen — Kuß des Unsrigen nennenmöchten.
Endlich muß, ebenfalls in ganz neuern Tagen,in die Galerie des H. Kronprinzen von Bayern gekommen seyn, ein mit: lVluckonnu col vivotorubrizirtes Bild, das die H. Jungfrau mit demKind in den Wolken, hellleuchtend von dem sieumzingelnden Lichte, unten (dem Beschauer zurLinken) St. Hieronymus über einem Todten,
Allegri.
schädel staunend, rechts den Apostel Jacobus(an dem Pilgerstab und der Aehnlichkeit mitdem Heilande kenntlich) nebst dem Gelober(Donators darstellt ('^).
Noch müssen wir unsern Lesern das vortceff,liche Bild in Erinnerung bringen, dessen inunfern Zusätzen S- ibi 3 unter dem Art. desGroßherzogl. Hessischen Hofmalers, Joh. Heinr.Schmidt gedacht worden, das von Kennernfast allgemein für eine Copie des großen Allegrinach Leonardo's da Vinci Modestia in der Ga,lerie Barberini zu Rom geachtet wird, undeinst in dem Schlafzimmer der Prinzessin ebendieses Hauses gestanden seyn soll, gegenwärtigaber in dem Besitze des H. Generalvicars Baronsvon LVessenberg z« Constanz sich befindet,und von dem man eigentlich sagen kann, daßder ernste Charakter von Leonardo's Bild derBescheidenheit hier in ssorreggio's wunder,schöne Lieblichkeit sey verwandelt worden, soww solche — auch im Leben geeigneter seyndürfte, durch Lehre und Beyspiel die Eitelkeitauf die bessere Bahn hinüberzuzichn ('^).
Seit der Redaktion obiger Notizzen von Lor,reggio's Werken, die sich in Deutschland be,finden sollen, haben wir noch ff. Nachlese ge,funden:
1) In dem Programme zur JenaischenA. L. A. 1809 ist ein Bild beschrieben undnachgebildet, welches voll von seltener Vortreff,lichkeit, und, wo nicht von Allegri, doch des,selben vollkommen würdig seyn soll. Es stelltein allerliebstes Mädchen vor, mit dem einealte Frau sehr lebhaft und innig spricht, undes auf etwas außer dem Bilde aufmerksam zumachen scheint- Hinter dem Mädchen sieht einKnabe, der es an den Hüften hält. Wo sichdies Gemäld befinde, wird nicht gesagt.
2) In der Galerie des Grafen Harrach zuWien sieht man Allegri's von ihm selbst ge,malt seyn sollendes Bilbniß. Es ist ein Sbozzo,welcher wirklich, besonders in der Hand, einigeLouchen des Unsrigen verräth, und aber dem-jenigen in den spätern Ausgaben des vasariin der Physiognomie ähnlich ist, und eher einWerk des Cambiasi zu seyn scheint, der sichnach einer Ueberlieferung gerichtet hätte. Tub.Morgenbl. 1814 S. 176.
3 ) In dem Runstblarre eben dieser Zeitschrift1817 S. ä» liesst man, was folgt:
„In der höchst bedeutenden Galerie desHandlungs-Tribunal' Richters Bettendorf zu
(>zz) Der Catalog von Winkler rubrizirt, alS aus der Galerie von Sanssoucy (somit eines von jene»neuern): Eine Madonna, Halbfigur, die ein Kind liebkost, welches das Gldckchen von St. Anton hellt, der mit seinem — Schwein zur Seite steht, von Daniel Berger (1767) gezeichnet und ge-stochen. — Nikolai (in solchen Dingen sehr unzuverläßig) nennt noch (Beschreib, von Berlin u. s. f. N. Ausg. 1779 B- H- S- 92s) Maria mit dem Kinde, dem ein Engel einen Wiedehopfbringt; und das Bilbniß eines Geistlichen.
(>z-i) Es kam um -787 oder 88 dahin; und der bekannte Galerie-Direktor Lasanova zu Dresden , nebstandern dortigen Professoren, stellte über dessen Originalität ein Attestat aus. Ob es nicht gardasjenige seyn mag, welches Casanova (Referent ist hievon Zeuge) seiner Zeit in elendem Zu-stande zu Rom eingehandelt, dann aber vortrefflich herzustellen gewußt, und so nach Deutschland gebracht hatte.
(.Z5) Meusel N. Misc. XIII. 6.6.
(.z6) k. LerreUlli so. komss ,8>8 (Pr. -2 fl.) vortrefflich. Eine sehr gute Beschreibung des Urbildsund des Stiches, s. im Tüb. Runstbl. -820 S.
(,Z7) Was sogar für den Beschauer unsers Bildes (wenn ihm nämlich auch das da Vincische bekanntist), ungeachtet hier die vorüberstehende Figur der yanitas fehlt, bald verständlich seyn wird.Noch muß, wenn es mit dem Ursprünge dieser Modestia seine Richtigkeit hat, schon an und fürsich eine Lopie des großen Correggio — freylich nach einem nicht minder großen Kunstlichte,eine ausgezeichnete Seltenheit seyn.
I.
3