Band 
Zweyter Theil [5].
Seite
88
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auch das Kind, ihr in's Gesicht schauen; einkleines, glänzend colorirtes Bild, in der beßtenManier des Unsrigen ('»H. — In neuern Tagenerzählt uns Morgenstern (was wir sonstnirgends, als bey Rura mit zwey Worten er-wähnt gefunden) was folgt: »In der Kirchedell' Annunziata fand ich links vom Seitenein-gang, diesem nahe, an einem kleinen Altar ein vonmir gesuchtes Frescobild Lorreggio's. Es hatfreylich, zumal da es vor vielen Jahren aus demabgetragenen Kloster auf seinem Mauerstuckhieher versetzt worden, viel gelitten, und istnur noch wie durch einen Flor erkennbar; dochimmer nach Verhältniß weniger zerstört als zuMilano Lionardo's Abendmahl. Ein Engel, imProfil zu sehn, mit dunkelbraunem Haar, schwebtheran, und erhebt den Zeigefinger der Rechten.Im Aug' und um den Lippen ist Engelmildeund Engelfreude, ohne jene etwas manierirte1-rgria LorreAAesos. Er kündigt der Jungfrauan mit der emporgehobenen Rechten und dergleichsam in die nahe Zukunft deutenden Linken,welch Heil ihr wiederfahren soll. Ein kleinerEngelknabe, gleichsam jenen mittragend, schwebtzugleich heran, mit sroh bewunderndem Ausblick.Und hingegossen schaut Maria nieder, die Rechteauf ihrer Brust, so ganz durchdrungen vonDemuth, von Herzensdank für solche Gnade,voll wehmüthiger Freude — vor allem aber soganz Bescheidenheit und Demuth, daß dieserGegenstand wohl niemals von einem Maler in-niger gefaßt, inniger dargestellt worden. IhrObergewand ist rosenroth; bläulich (so viel ichnoch sehn konnte) ihr Untergewand. Ihr langes,weiches, blondes Haar wallt um ihr Hauptunter einem weißen Schleier. Die sanftesteBlaßröthe überhaucht ihr Gesicht, wie dagegenHimmelsglut den Engel durchströmt. Nie ver-setz' ich dich, auch nicht als halbes Schattenbild,du holdselige Maria, du, ganz Demuth, Dankund frohe Wehmuth und weibliche Resignation,nicht deine reine, weiße Stirn, deine große»gesenkten Augen; den Druck deiner Hand andie überhüllte Brust; dein Herziges nicht, jung-fräuliche Ahnderm des zartesten Muttergefuhlsfür den göttlichen, menschlich einst unnennbarenLeiden bestimmten Sohn".

Zu Bologna , im Pallaste Zambeccarr, sah'Lochm noch 1/58 mit gewohnter Flüchtigkeit,ein kleines Gemäld (!), das man für einenLorreggio halte, aber mehr der Manier vonParmeggianino ähnlich; es sey viel Gutes darin,aber die Köpfe eben nicht schön.

Zu Floren; nennt Meng« (w^) vörderst imPallaste pitki ein auf Holz gemaltes Bild vonbeynahe lebensgroßen Figuren, das ein Altar-blatt gewesen zu seyn scheint. Dasselbe stelltdie Madonna mit dem Kind auf dem Armevor, das eine Weltkugel in der Hand hält,und St. Christoph im Begriff es auf die Schul-ter zu nehmen. Zu den Füßen der Madonnabefindet sich der Täufer , und auf der andernSeite bey St. Christoph der Erzengel Michael .Dieses Bild sey stets für einen Lorreggio an-

(>g4) t- c- 668—66g.

(,g 5 ) I. c. 678—79.

(>g6) I. 0. 150.

(,97) I. e. ,5,.

(>98) I. c-

(>99) Gestochen ist iS von Delignon in de» Msbl.(200) Warum nicht?

(ro>) Tagebücher I- (2) .337— 33 .

gesehen mordest; allein Mengs zweifelt wenig-stens daran, da vieles darin hart, und ohnedie geringste Zartheit sey. In eben dieser Galeriefindet sich ein sehr schöner Kopf von AUegri,auf Holz gemalt, und, obwohl bloß eine Scizze,dennoch vortrefflich impastirt, und steht in Allemdem Jüngling ähnlich, der in dem St. Seba-stian zu Dresden das Modell von einer Kirchein der Hand trägt (^?). — Lochm will nochin dieser Galerie eine kleine tz. Familie voni5" hohen Figuren, mit einem sehr graziösenMadonnenkopfe, übrigens aber sehr nachgedun-kelt gefunden haben. — Dann nennt Mengswieder (^«) als im Besitze des Großherzogs(in der Tribune) befindlich ein 5^ hohes Gemäldauf Leinwand: Knteende Madonna, das neu-geborne Kind auf der Erde, auf einem Zipfeldes Mantels liegend, ohne die geringste andreFigur- Mengs urtheilt davon: ES ist dieskeines von den schönsten Werken des Lorreggio,und zumal Composicion und Orapperie wenigstudiert; Kopf und Hände der Madonna indessenvortrefflich gemalt, doch nicht so kräftig, alsdie übrigen klassischen Werke unsers Künstlers.Lochm rühmt die große Vollendung und vor-zügliche Erhaltung dieses Bildes; so daß er esfast einem neuern Kunstlichte zuschreiben möchte;denn auch Zeichnungsstyl und Colorit seyen nichtgerade Lorreggio's seine. Den Kopf der Ma-donna findet er etwas zu dick, und die linkeHand von unangenehmer Form; das Kind et-was zu klein, aber dennoch schön und wahr;die Drapperie sehr gut gefaltet, u. s. f. Inneuern Tagen sah' es Morgenstern, und be-schreibt es ungemein angenehm: „In der knieen-den Mutter herrscht weniger Adoration als in-nigste Mutterfreude, mit Andacht gemischt. Auchdiese Madonna des Unsrigen ist ein sanfresLandmädchen- Ihre geöffneten sehr zarten Händescheinen Bewunderung auszudrücken, und ihrBlick zu sagen: Du liebes, heiliges Kind! DasNeugebocne streckt die Rechte etwas aus(^".Dann aber sah' Morgenstern, ebenfalls inder Tribune noch drey andre Bilder von Alle-gri: Vörderst eine Ruhe auf der Flucht nachEgypten : »Der H. Joseph bricht einen Pal-menzweig ab; links St. Anton vom Padua ,geistlich genug vorgestellt. Die weiß gekleideteMadonna ist hier eine gesetzte Italienerin, ernstvor sich hinschauend. Der alte Joseph siehtetwas mürrisch aus; aber das Jesuskind istsehr kindlich, und steht als blonder Knabe anfMariens Schooß, die Hände gegen Joseph aus-gestreckt, als wolle er fort, könne aber, vonder Mutter gehalten, nicht von der Stelle. Ander Erde liegen Reisestab und Flasche. — Danndas Haupt Johann des Täufers in der Schale-So sieht ein Todter aus; aber der Kopf, mitziemlich gekrümmter Nase, ist nicht edel; auchherrscht mehr physischer Schmerz, als Ruhedarin ( 2 °°). — Endlich ein Blondkopf mit nackterAchsel, aus braunen Augen blickend; trefflichgemalt. Er scheint von einem Correggischen Engel,vielleicht aus einem größer« Ganzen zu seyn(^°').

äe I» 6-1. l.!vr. XVIII.