Band 
Zweyter Theil [5].
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A l l e g r i.

Allegrt.

ders — kurz so, daß er den Schein bewirkte,den er wünschte. In diesem Kunsttheile brachteer auch noch eine Art Harmonie dadurch zu-wege, daß er seine Lichter so eintheilte, daßdaö höchste Licht und der stärkste Schatten nuran Einem Ort in seinem Bild erschienen. Ebenso belehrte ihn sein zartes Gefühl, daß derallzustarkc Gegensatz von Licht und Schattenimmer eine Härte verursacht; daher setzte ernicht, wie so viele andre Künstler, die mit ihremHelldunkel Staat machen wollen, das Schwarzeunmittelbar dem Weißen zur Seite, sondernDunkelgrau neben Schwarz, und Lichtgrauneben Weiß. So blieben seine Bilder allemalmilde, und führten das Aug, gleichsam als voneiner Anspannung wieder zur Ruhe. Durchsolche Abstufung wird das Aug immer in einersanft abwechselnden Regung erhalten, und ver-liert nie die Lust, so ein Werk zu betrachten,worin es immer neue Schönheiten entdeckt. Soist Correggio allerdings als der größte Meisterin diesem Kunsttheile zu betrachten, welcher,nebendem, daß er Einfluß auf alle andern hat,auch an und für sich wesentlicher ist als manglaubt; denn Kluge und Dumme fühlen ihn,die Zeichnung hingegen verstehen nur die Ken-ner". In dem zweyten Aufsätze (^4) sagtMengsvon dem Helldunkel des Unsrigen: „In diesemHaupttheile der Kunst erreichte Correggio diehöchste Stufe, und ich muß mich über dieBlindheit derjenigen wundern, welche an ihmnichts als das Kolorit loben, was doch nichtseinen Vorzug ausmacht, und worin er z. B.einem Giorgione, Titian und Van Dyck weichenmuß. Allein die Grazie, welche von der Nun-dirung, und von seiner geschmackvollen stetenAbwechselung entspringt, nöthigen uns dasGeständniß ab, daß, wenn er auch keine voll-kommnen Menschen darstellte, so bildete er dochgewiß die reizendsten Figuren von der Welt.Nach meinen Einsichten hat Correggio hierinalle andern Maler übertreffen; Raphael brachtees niemals so weit, daß er seinen Figuren ebendie Wirkung, wie die Natur geben konnte,und fehlte folglich in diesem Theil sehr gegendie Wahrheit, die in der Malerey ja nicht vonder Sache selbst verschieden seyn darf. Vermögeder Wahrheit hinwieder zeigt uns die Naturniemals ungleiche Gegenstände mit dem gleichenNachdruck; und eben hierin hat Correggio mehrEinsicht als in irgend einem andern Kunsttheil,und brachte es darin zur Vollkommenheit. — Dieverschiedenen Formen, Stellungen und Lage»der Körper bringen auch verschieoentliche Licht-effekte hervor; ein runder Gegenstand gebiehrtEinen hellen Punkt, die Fläche hingegen einausgebreitetes Licht- Hiedurch lernte Correggio einsehen, daß man den verschiedenen Dingenweder die gleiche Stärke noch die gleiche Gestaltdes Lichts geben dürfe; daß die innere (?) Be-leuchtung eines Gemäldes (^75) verschieden seynmüsse, je nachdem die Theile von der dazwischenliegenden Luft erhellet werden, und daß dieMischung von Licht und Dunkel eine graulichteTinte hervorbringt. Endlich wußte er auch sehrgut, daß eine stete Abwechselung nöthig sey;daher wiederholte er niemals dieselbe Starke,weder im Licht noch in Schatten. — Noch be-merkt man in seinen Werken eine andere Eigen-schaft, welche die Schönheit derselben merklichvermehrt; und diese besteht darin, daß er jedemSchatten den Ton gab, der mit der Farbe des

Gegenstands übereinstimmend war. So unter-scheidet man z. B. in seinen Bildern sehr gutdie Schatten eines rosenfarbnen von denen eineshochrothen Gewands, die Schatten einer weißenCarnation von denen einer bräunlichten. Umder erstem Kraft zu geben, ließ er sie freylichnicht ohne Schatten; allein diesen letztem selbstgab er dann Wiederscheine. Wenn er sich desWeißen bis zum höchsten Ton bedienen mußte,so setzte er demselben eine andere dunklere Farbeentgegen, ohne darum gezwungene Conrrasteanzubringen; denn niemals beleuchtete er einendunkeln Körper in der Absicht, daß solcher einenhellen Grund für den Schatten eines hellenKörpers abgeben sollte, und ließ überhaupt jedeFarbe in ihrem Grad und in ihrem Werthe". —In dem dritten Aufsatzes^) heißt es: „Es istschwer zu bestimmen, ob die Kenntniß des Hell-dunkels, und die Nachahmung der Wahrheitin diesem Kunsttheile den Correggio zur Kennt-niß der Formen und Umrisse, und ihres In-nern (?), oder, umgekehrt, das Studium derletztem ihn zur Vollkommenheit in den erstemgeleitet habe. Gewiß ist es, daß nach Raphaelkeiner die Perspektiv, welche so viel zu richtigerZeichnung des Nackenden beyträgt, besser ver-standen, auch keiner, außer Michael Angelo ,mehr Kenntniß von den Formen und von demBau des menschlichen Körpers harre, als er.Auch ist das Helldunkel von der Zeichnung sounzertrennlich, baß jenes ohne diese nicht voll-kommen seyn kann; denn eine Zeichnung ohneLicht und Schalten kann nichts weiter als eineArt von Durchschnitt vorstellen, der von derOberfläche, worauf gemalt wird, parallel läuft,und niemals die wahre Gestalt eines Dingsausdrücken kann. Allein der Unsrige wußte jenebeyden Erfordernisse so gut zu vereinigen, daßsie in seinen Werken eben so genau wie in derNatur mit einander verbunden zu seyn scheinen.Fast unmöglich ist es, daß er dieses ohne vielesStudium des Reliefs und der Bildhauerkunstso vortrefflich habe erlernen können; denn ohnediese reicht die bloße Wahrheit (die bloße An-sicht der Natur) nicht hin. Daher modellirteMichael Angelo diejenigen Figuren, die er ma-len wollte, zuerst in Leimen oder Wachs, wieer solches selbst in einem Brief an Varchi be-zeuget; und kein Maler vor ihm unterstandsich, Verkürzungen anzubringen, und die Ein-und Ausbeugungen der Muskeln u. a. Formenvon der Mitte bis zum Umkreis anzudeuten-Wenn nun Buonarorti seinen eigenthümlichenStyl durch das Modelliren erlernte, so darf esuns nicht befremden, wenn der grandiose desCorreggio und seine Kenntniß d.r schönenUmrisse eben diesen Ursprung hat, so wie wirauch geschichtlich wissen, daß er sich mit derPlastik wirklich beschäftigt habe. — Außer dem-jenigen Theil des Helldunkels, der zum Aus-drucke einzelner Formen gehört, übertraf dannauch Correggio alle andern Maler in der all-gemeinen Ausübung dieses Kuustcheüs, nämlichin der überhauptlichen Auordmmg der Lichterund Schatten; denn eben die Abstufung, die ertheilweise oder bey Einer Figur gebrauchte,brachte er auch bey einem ganze» Gemälde an,indem er die Lichter dergestalt austheilte, daßdaö erste nur Ein Licht, das zweyte ebenfallsnur Eines ausmachte; und so auch die übrigen.Eben so verhält eS sich auch mit den Schuten;alle sind abwechselnd in Kraft und Größe, und

(-74) Fey prange I. c. -05—207.

(- 72 ) Vielleicht besser: „Die Gesammibeleuchiung ".

(-76) Bey prange I. °. 1(17—170. Hier spanne der Leser all« seine Anfniersamkeit an!