Band 
Zweyter Theil [5].
Seite
98
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viele auch bloß durch die Eigenschaft der darben,aus welchen sie bestehen. Die Gegensatze be-handelte er sehr angenehm, und stellte niemalsdem stärksten Dunkel die stärksten Lichter ent-gegen, ohne etwas dazwischen zu setzen, umalle Rohigkeit zu hindern, oder auf der Seite<des Schattens) einen noch stärkern anzubringen.Außerdem überlegte er sehr wohl, daß die Kör-per nicht alle aufgefangene Lichtstrahlen zurück-behalten , sondern daß sie, je nach Gestalt derOberfläche, den größten Theil dieser Strahlenauf alle Seiten verlieren oder zurückwerfen, sodaß die schwächsten Schatten, die sich auf derMasse der erleuchteten Körper befinden, gleichsamin die Lichter verschmelzen und unkenntlich wer-denG??). — Die Luftperspektlve des Helldunkelsund der Farben verstand Correggio vortrefflich,und ohne die Anmaaßung so vieler Künstler derneuesten Zeit. Noch hatte er die Beobachtunggemacht, daß wenn in der Natur die Schattenwegen der Entfernung ihre Kraft verlieren, dieLichter solches noch mehr thun; eben so, daßdie kleinen Gegenstände am ersten undeutlichwerden, und schon bey einer geringen Entfernungdie Umrisse schwächer werden und sich verlieren,so daß das letzte Aeußerste der Körper, dasman nicht mehr vollkommen sehen kann, sich inlauter Punkte endigt. In Ansehung der Farbenendlich kannte er diejenigen genau, welche durchden Zugang der Luft mehr oder weniger vonihrer Lebhaftigkeit einbüßen, und verstand sichkurz vollkommen auf Alles, wodurch die Ma-lerey die Sinnen auf's Angenehmste bezaubernkann".

Ueber Eorreggio's Colorit heißt es in derersten Schrift (^): „Derselbe ficng gleich mitder Oelmalerey an; da diese zur Mürbigkeitam tauglichsten ist, so lernte er sofort, etwasSaftiges in seine Bilder zu bringen. DasHelldunkel belehrte ihn, daß dunkele, aber un-durchsichtige Farben keinen wahren Schattenbedeuten können. Die Ursache hievon ist, daßder Ltchtstral auf der Oberfläche jener Farbenbleibt, und sie also zwar etwas Dunkeles, aberzugleich Beleuchtetes zu seyn scheinen, da hin-gegen saftige Farben die Lichtstralen durchgehenlassen, also ihre Oberfläche wirklich dunkelbleibt. Somit suchte er die durchsichti-gen, und eine Art Lassirung, um das Dunkelewahrhaft dunkel scheinen zu machen. Zugleichsah' er auch, daß es desto nöthiger sey, dieLichter stark zu impastiren, weil ihr Corpus sobeschaffen seyn muß, daß es durch das Tages-licht noch mehr Klarheit empfange »Daraus,daß alle Schatten der Finsterniß, und alleLichter dem Licht angehören (?), erkannte er :

Daß alle Finsterniß zwar schwarz, das Lichtaber, weil es von der Sonne entspringt, nichtweiß, sondern gelblicht ist, und die Wieder-schetne nach der Farbe des Körpers, wohersie kommen, sich richten müssen; dadurch kamin seine Werke der rechte Verstand der Haupt-farben (?) in den drey Theilen von Licht,Schatten und Wiedersehe!» (^9)Besondersaber sind die Schattenfarben des Correggio vor allen zu preisen. Aus allzugroßer Liebe desScheins des Helldunkels sind hingegen seineLichter allzuklar und rein, was sie immer etwasdick und das Fleisch nicht durchsichtig genugmacht. Hierin gab Lorreggio dem Leben etwaözu, und machte es mehr, wie Licht und Schat-ten es verlangte, als nach der wahren Eigen-schaft der Materie". In dem zweyten Auf-satzes^) sagt Mengs: »Lorreggio hatteein sehr gutes Colorit, nur nicht zart genug;der Grund (II koncio?) ist überhaupt bräunliche,wie die Farbe seiner Landsleute. Sein Fleischscheint zu fest, was von seiner gelben, röthlich-tcn und grünlichten Farbe in den Halblinkenherrührt (?). In der Natur sind die fertigtenTheile blaß, die fleischigccn roth, und die feuch-ten bläuliche gefärbt. Diese Wirkungen hatteder Unsrige nicht genugsam bemerkt; daherscheint die Haut seiner Figuren zu grob, undgleichsam mit Fett überzogen. Heine Schattensind zu monoton und etwas zu bräunlicht. Da-gegen wählte er die Gründe (konUl?) seinerGewänder sehr gut, und beobachtete die Ab-stufungen in der Carnation vortrefflich. Er er-reichte weder die Lebhaftigkeit des Tttian, nochdas Ma>kigte des Giorgione, noch die Zartheitdes van Dyck- Seine Darstellung von Frauenund Kindern ist wunderschön. Ueberhaupt warer sehr harmonisch, nur in der Farbe der Manns-personen etwas zu geleckt". Und im drittenAufsätze G«'): »Sein Colorit ist sehr schön, underscheint gleichsam noch schöner als es ist durchdie vollkommene Abstufung seiner Tinten, unddurch die geschmackvolle, liebliche und impastirteArt zu malen, die seinen einfachen Farben einegewisse Klarheit mittheilt, die bey ihm alleinanzutreffen ist. Bey seinen Werken ist daherschwer zu entscheiden, ob man ihre Vorzügemehr der Kenntniß der Formen, oder dem Hell-dunkel, oder seiner Manier im Auftrage derFarben zuschreiben soll; denn, wenn man Allesgenau in Erwägung zieht, so findet man, daßer in allen diesen Theilen ein gleich großerMeister war, und über Alles die tiefsten Be-trachtungen angestellt hatte (^)".

Ueber Correggio's Colnposlirion, oder (wiees wohl bestimmter heißen sollte) über dessen

<»77) Ocbllono consonäor-i.

<278) I- c- 9»—94-

(279) Diese Stelle ist uns immer bloß halb verständlich geblieben.

(280) Bey prange I- 0. 207—203.

(28-) Bey Prange I- ,70.

(-8-) Dieser ganze Art. von Lorreggio's Colorit scheint unS ziemlich mißlungen, und hie und da ent-weder unverständlich, oder gar unter sich selbst widersprechend zu seyn. Dahin gehört noch vol-lends, wenn es in dem vierten Aufsätze, bey prange l. 240 heißt: „Er verfiel niemals in denFehler vieler andrer Maler, die anstatt der dunkeln Farben vielmehr helle in ihren stärksten Schal-len anbrachten, wie seine falschen Nachahmer, die Carracci , Lanfranko und Schidone es gethanhaben". Vortrefflich hingegen lieft man an einer andern Stelle: „ES ist wahr, daß Titian einso großer Meister im Colorite war, daß er seiner Tinten wegen den ersten Rang in diesem Kunst-theile verdient; allein jene vollkommene Abstufung, welche die feinsten und fast unmerklich-nFormen ausdrückt, verstand er nicht, die doch zur Nachahmung so viel, und oft mehr als dasColorit selbst, beyträgt. Daher sieht man, daß viele in Freßco's des Unsrigen, die in einemblaffen und tiefen Tintenlon gemalt sind, dennoch bezaubern, und dem Zuschauer, statt des Erdich-lcien, das vor ihren Augen liegt, den Begriff der Wahrheit .cinflbßen, was doch immer das»ornehmste Ziel ist, worauf der Künstler bedacht seyn muß". Prangt III. «7».