Band 
Zweyter Theil [5].
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A l t o r fe r.

Stecher unter Därern. Die reichste Literaturseiner Blatter befindet sich in Heinecke's Dic-tionnair, wohl die richtigste aber bey Bartsch(keintre 6raveur) VIII. 42—8l. Vorderst vonden gestochenen, deren er 96 benennt. Darun-ter 14 aus der heiligen-, » aus der Legenden-Meschichte, i 3 aus der Mythologie, 3 aus derrömischen Geschichte, 20 Gattungsstücke undErfindungen, 2 Darstellungen der Synagogezu Regensburg , 2 Bildnisse, darunter Luthers,9 Landschaften, 22 Goldschmiedöarbeiten, meist— Becher. Lauter kleine Blatter, die des be-deutendsten Inhalts gerade die kleinsten. Datirtsind die wenigsten, und zwar eines, das frühestebey Bartsch (diro. 53 ) der große Fähndrichrubricirt (2" 7"^ hoch, i" 7"^ br.) mit i 5 no,andre mit i 5 u 6 u. s. f. bis 1819. Einige wer-den als Copieen nach Marc Anton benannt.Unter diesen Stichen hält der wr'nklersche Gant-katalog für das Hauptblatt: Die auf Zinn ge-stochene Madonna in einer Landschaft, die dasstehende Kind auf den Knieen hält('); dannfür schön und sehr selten die nackte Frau, welchezwey Einsiedlern in der Wüste Früchte bringt;der eine deckt sich die Augen vor dieser — teufli-schen Erscheinung. Das Licht - und Schattenspieldieses Blattes soll von schöner Wirkung seyn,

Altorfer.

und im Hintergründe sich der Schwarzkunstnähern. Unter des Unsrigen Stichen befindetsich auch der von fast allen deutschen kleinenMeistern behandelte, aus Alberts von Eyb poetirscherPerle gezogene unsaubere Spaß, wo das durchVirgils Zauberey in ganz Rom erloschene Feuerwieder an einer Weibsperson angezündet wird.Hier sitzt diese auf einen Piedestal, und hält inder Rechten eine Art Scepter; das Feuer brenntihr am Unterleib, und vor ihr erblickt man,nebst andern Personen, in Halbfigur einen Mannmit einer Lanterne, worin das Licht ausgegan-gen ist. Unter den gestochenen Blättern rühmtSandra» noch eine Abigail, und wir hinwiederbemerken noch die beyden, welche die Synagoge zuRegensburg von Innen und Außen mit der christ-lichen Aufschrift darstellen: einno vni VXIX.

juclaica katisbouL zustc» üei zu-

ckicio kunclit, est (wohl kunclltus) eversa-Unter den bey Bartsch verzeichneten Holz-schnitten von Airorfer stehen die4 « Blätter, Geschichte von dem Fall und derErlösung des Menschen, oben an (2" 8"< hoch,1" 9"'br.) S). Dann

24 andre, alle geistlichen Inhalts, mit der Aus-nahme von vieren, welche das Urtheil des Pa-ris, die Fabel von Pyramus und Thisbe (^),

Waffen, von glänzendem Eisen und noch hellerem Ruhm und Ritterthum. Eine kleine Welt istes in der Thar, auf wenigen Quadratfußen; unzählig und unermeßlich sind die Heerschaaren, welchevon allen Seiten gegen einander strömen, und auch die Aussicht im Hintergründe führt in's ganzUnermeßliche. Es ist das Weltmeer, mit einer historischen Unrichtigkeit, wenn man will, die aberdoch eine sehr bedeutende und wahre Allegorie enthält. Das Weltmeer also, hohe Felsenreihen,eine Klippeninsel dazwischen, ferne Kriegsschiffe und ganze Schaaren von Schiffen; links dann deruntergehende Mond, rechts die aufgehende Sonne; ein eben so deutliches als großes Sinnbil-der dargestellten Geschichte. Die Kriegsschaaren sind übrigens in Reih und Glied geordnet, ganzohne alle die wunderbaren Stellungen und Gegensätze und Verzerrungen, welche man sonst in densogenannten Schlochtstücken findet; wie wäre dies auch möglich bey dem unermeßlichen Reichthumvon Figuren? ES ist das Grade, Strenge, oder, wenn man will, Steife deS alten Styls. Cha-rakter und Ausführung dagegen ist in den kleinen Figuren so wunderbar, daß ein Dürer sichderselben nicht zu schämen hätte. Die Gründlichkeit der Arbeit in diesem Gemälde, wiewohl das-selbe nicht wenig gelitten zu haben scheint, ist so, wie sie nur aus Bildern aus dem hohen Styleder altdeutschen Schule gefunden wird. Und welche Mannichfnltigkeit, welcher Ausdruck nicht bloßim Charakter der einzelnen Krieger, Ritter, sondern in den ganzen Schaaren selbst; hier ergießtsich eine Reihe von schwarzen Bogenschützen mit der Wuth eines schwellenden Stromes vom Bergeherab, und immer andre und noch andre drängen sich nach; auf der andern Seile hoch oben amFelsen sieht man einen zerstreuten Haufen von schon Fliehenden in einem Hohlwege umwenden;man sieht nichts von ihnen als ihre Helme, die in der Sonne wiederscheinen; und doch ist allesselbst in dieser Ferne so deutlich. Die Entscheidung und der Brennpunkt des Ganzen tritt auS derMitte weit glänzend hervor. Alexander und Darius, beyde in ganz gvldner Rüstung strahlend;Alexander auf dem BucephaluS mit eingelegter Lanze allen den Seinjgen weit zuvoreilend, undauf den fliehenden Darius eindringend, dessen Wagenführer schon auf die weißen Rosse gefallenist, und der sich mit der Betrübniß eines besiegten Königs nach seinem Sieger umschaut. Mantrete so weit von dem Bilde, daß alles andre nicht mehr zu erkennen ist, so tritt diese Gruppenoch ganz deutlich hervor und ergreift daö Gemüth mit der innigsten Rührung." —

Dieses Bild erscheint noch im alten Katalog der Galerie zu Gchleisheim (-775), als 4^ ,1" hoch,z' 8" br. auf Holz gemalt; im neuen Katalog hingegen nicht mehr. Dagegen besitzt diese Galeriegegenwärtig von dem Unsrigen noch fünf Bilder: Maria mit dem Kind in einer Glorie (2' 5" hoch,4^ br.); Christus beurlaubt sich vor seinem Leiden von Mutter und Freunden (,< 2'' 3 '" hoch,io" 8'" br.); die Apostel scheiden sich, um das Evangelium zu predigen 5" 6'" hoch, 1' br.);St. Stephan steht vor den Hohenpriestern, und Ebenderselbe, nebst andern Heiligen, zum Todegeführt (jedes 2' 7" hoch, 2' 9'" br.); auf der Rückseite deS letztem eine Mater Dolorosa.

(,) Wir können bey Bartsch dies Blatt einzig in Nro. 17, und um so viel mehr erkennen, da solchesunter den Madonnen noch das größeste Maaß (6" Höhe, 4" z"' Breite) hält. Dort hältdas Kind noch die Rechte, wie zum Segen erhoben. Von der Landschaft wird nichts gesprochen;eben so wenig, daß es auf Zinn gestochen sey. Der Urtheile über Kunstwerth der einzelnen Blätter

- des Unsrigen giebt es keine. Bey Hrlneeke findet es sich noch unkenntlicher S. »79, da dieserKunstrichter sonst auf Herrlichkeiten, wie ein Blatt auf — Hinn, besonders begierig ist.

(2) Unter denselben (ö§ro. 5) St. Joachim, der unter der H. Pforte St. Anne, Marien's Mutter,

umhals't. Ein ähnliches Werk, welches 1604, wir glauben in der Schweiz , unter dem in jederRücksicht irrigen und trüglichen Titel: Icones saerse 40. in 58 Blättern mit A.

Monogramm erschienen war, hält Heinecke zum Theil für bloße Copieen der unsrigen. Von §üßliwird der Ausdruck der Affekten in diesen Blättern besonders gerühmt. Der Minklersche Gant-katalog nennt dann noch eine andre solche Sammlung von 27 Blättern in roth Camayeu abgedruckt,von schöner Wirkung, aber auch von höchster Seltenheit.

( 3 ) Eben dieser Gegenstand findet sich auch, in kleinerm Maßstabe, unter den gestochenen Blättern.