Abclard
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So lebten beide Liebende mehre Monate höchst glücklich, mehr mit ihrer! Liebe als ihren Studien beschäftigt. Aber die Verse, in denen A. seine LiebeI sang, liefen in Paris um und kamen endlich auch zu Fulbert. Er trennre dieLiebenden, jedoch zu spät. Heloise trug unter ihrem Herzen die Frucht ihrerSchwäche. A. entführte sie nach Bretagne , wo sie von einem Sohne entbunden, wart, der indes, bald starb. Jetzt dachte er darauf, sich heimlich mit ihr zu ver-mahlen; Fulbert war genöthigt, einzuwilligen, und Heloise , die aus mißverstande-' nein Zartgefühl lieber seine Geliebte als seine Gattin sevn wollte, fügte sich endlichauch. Die Ehe ward vollzogen, und um sie zu verheimlichen, blieb Heloise beiihrem Oheim, während A. seine vorige Wohnung beibehielt, wo er seine Vor-z lesungen fortsetzte; sie sahen sich sel en. Fulbert indes; glaubte, das dies Ge-i heimniß nur der Ehre seiner Nichte nachtheilig sei, und machte eS bekannt; He-
> loise dagegen, welche A.'S Ruhm höher schätzte als ihre Ehre, leugnete die Ehedurch einen Eid. Fulbert äußerte seinen Zorn darüber durch Mißhandlungen,
l denen A. sie dadurch entzog, daß er sie zum zweiten Mal entführte und nach
> Argenteuil in ein Kloster brachte. Fulbert glaubte, er wolle sie zwingen, denl Schleier zu nehmen, und aus Rache ließ er an A. eine schmähliche Verstüm-
> melung vollziehen. Dieser trat als Mönch in die Abtei von St.-DeniS, und He-loise nahm den Schleier zu Argenteuil . Nachdem die Zeit seinen Kummer eini-
! germaßen gelindert hakte, setzte er seine Vorlesungen wieder fort, zog sich aber! dadurch neue Verfolgungen zu. Seine Feinde klagten ihn vor der Kirchenver-j sammlung zu Soissons 1122 wegen einer Schrift über die Dreieinigkeit an und! brachten es dahin, das; dieselbe für ketzerisch erklärt und A. verurtheilt wurde,sie selbst zu verbrennen. Fortgesetzte Anfeindungen nöthigten ihn endlich, dieAbtei Sr.-Denis zu verlassen und sich in die Liegend von Nogenr für Seine zu-rückzuziehen, wo er ein Oratorium erbauen ließ, das er dem heiliget, Geist weihteund Paraklet nannte. Zum Abt von St.-Gildes de RuvS ernannt, lud er He-loisen und ihre Religiösen ein, seine Capelle Paraklet zu bewohnen, und empfingj sie dort. Nach einer 11jährigen Trennung sahen sich beide Liebende hier zumn ersten Male wieder. A. lebte hierauf zu St.-GildcS, das ihn, eine» trauri-gen Aufenthalt gewährte, vergebens mit Verbesserungen bemüht, und stets im- Kampfe mit seiner Liebe ftw Heloisen und mit dem Hasse der Mönche, die selbst' sein Leben bedrohten. Der heilige Bernhard, der sich lange geweigert hatte, ge-gen einen Mann aufzutreten, den er verehrte, gab endlich den wiederholten Vor-, steilungen seiner Freunde nach, zog A.'S Lehre vor die Kirchenversammlung von! SenS 1110, ließ sie von, Papst verdammen und bewirkte sogar einen Befehl,
> ihn einzukerkern. A. appellirte dagegen an den Papst, vertheidigte sich öffent-^ lieh und ging nach Rom . Bei seiner Durchreise durch Elugnv besuchte erPeter den Ehrwürdigen, der daselbst Abt war. Dieser ebenso leutselige als auf-geklärte Gottesgelehrte versöhnte ihn mit seinen Feinden; A. aber beschloß,seine Tage in der Zurückgezogenheit zu enden. Die strengen Entsagungen, dieer sich auflegte, verbunden mit dein Kummer, der nie aus seinem Herzen wich,verzehrten »ach und nach die Kräfte seines Körpers, und er starb als Muster klö-sterlicher Zucht 1142 in der Llbtei St.-Marcel unweit ChalonS sur Saone, 63ßjahre alt. Heloife erbat sich den Leichnam und ließ ihn zu Paraklet begraben,um dereinst an seiner Seite zu ruhen; 1808 aber wurde die Asche Beider indas Museum der ftnnz. Denkmäler nach Paris , und in, Nov. 1811 auf denKirchhof Monamv gebracht und in einer besondern Eapelle beigesetzt. A. warGrammatiker, Redner, Dialektiker, Dichter, Musiker, Philosoph, Theolog,Mathematiker; aber er hat Nichts hinterlassen, was den Ruf rechtfertigte,der ihm unter seinen Zeitgenossen zu Theil ward. Er glänzte in der DiSputir-tunst. Seine Lehren waren nicht immer umadelhaft und sein Betragen oft an-