12 Abendmahl (kath.)
Zürich (Lpz. 1824), haben die Lehre vom Abendmahl rein biblisch untersuchtund erklärt. bi.
Abendmahl. Die katholische Lehre vom Abendmahl ist nicht erkennbarebne klare Einsicht in die Grundansicht des Katholicismus von den göttlichenDingen und vom Christenthum . Für Denjenigen, dem das Christenthum nichteine Misere Offenbarung der Gottkeit, dem Jesus nicht der Gottmensch, demJesu Lehre nicht göttliche Wahrheit, erhoben über alle Gebilde des Verstandes,selbst der Vernunft, dem die Kirche nicht göttliche Anstalt, dem die Überlieferungdieser göttlichen Kirche nicht religiös wahr ist — für Den ist kein Standpunkt vor- ^Handen, von dem aus er sich in die katholische Ansicht vom Abendmahl herein- ^fühlen könne. (S.Katholicismus.) Vor Allem müssen wir aber bevorworten, 'daß das katholische Christenthum rein mystisch ist, in jenem guten Sinn der My- 'ffik, wo sie nicht als Particularmystik ein Spielen des Einzelnen mit Erzeug- Iniffen der Pl»mtasie darstellt, sondern die allgemeine Mystik der Kirche insich- ^faßt. Von dieser Mystik ist nun aber das Abendmahl die höchste Blüthe, sowie jhinwieder das Abendmahl der Mittelpunkt des katholischen KirchenthumS ist. In lallen positiven Religionen trifft man die Idee von einem Opfer an, was der sterb- lliehe Mensch der Gottheit bringt, anerkennend ein Verhältniß von ihm zu ihr ^und das Geistige der Religion auf diese Weise einem äußern Gottesdienste vorma- !lend. Je reiner diese Idee des Opfers aufgefaßt, desto reiner die Religion. Dem iChristenthum war es vorbehalten, dieser Idee mit der höchsten Realität auch die Ihöchste Reinheit zu geben. In den mcffianischen Weissagungen wird Christus !als ein Priester nach der Weise Melchisedek'S vorgestellt (Psalm 119, 1); dieser jMelchisedek war aber ein Priester des Allerhöchsten, der Wein und Brot opferte ^(1. Buch Mos. 1O. Sehen wir also, wie diese Weissagung zur Erfüllung ge- !kommen : Schon Malachias verkündete die Abschaffung der Opfer des alte» Bun- 'des, und wie diese durch ein reines S pe isopfer ersetzt werden würden. (Malach. j1, 11.) — Der Gottmensch wandelte im Fleische unter den Sterblichen, lehrend iund Wunder wirkend. Nachdem er das Wunder der Brotvermehrung verrich-tet, erhielt er Veranlassung, einen Theil seiner Mystik darzulegen. (Job. 6, 48— 56; 1. Kor. 9, 23 — 30; Luc. 22, 19.20; Marc. 14, 22 — 29;Match. 26, 26 — 28.) Es wird leicht erkannt, daß, wenn irgend ein Gegen-stand, dieser es ist, welcher gleich mit der Stiftung des Christenthums inS Lebentrat, daß die Apostel allenthalben diese heilige Handlung einführten und ihre Be-deutung verkündeten. Was aber die Apostel eingeführt und verkündet dabei., er-fahren wir einzig durch die Überlieferung. Aus der Überlieferung entnehmen wiraber nun, daß wörtlich und wahrhaft die Satzung Christi gemeint gewesen. DerHerr blieb bei seiner Kirche, in den Versammlungen der Christen ward der Leibund Blut des Herrn in Brot und Weins Gestalten geopfert und genossen. Donjeher ist dies der Glaube der Kirche gewesen, man sieht nicht, wo er angefangen,wo er eine andre Ansicht verdrängt. Der klarste Beweis liegt darin, daß mandieselbe Lehre, obwol nicht die Lehre von der TranSsubstantiation, bei all' den Kir-chen findet, die sich lange von der katholischen getrennt haben. Es liegt aber Man-cherlei in dieser Lehre. Dies ein Erinnerungszeichen des Todes und der Auf-erstehung Jesu ! Wie kann man ani Leibe und Blute Jesu sieb versündigen, wieüberhaupt ihn unwürdig genießen, wenn der ganze Genuß bloß in der Erinne-rung hcstcht? Wozu die Ermahnung : dies thut zu meinem Gedächtniß, weitnes bloß hieße, durch ein Andenken der Früchte des Todes Jesu sich theilhaftigmachen? Dies kann ja ohne sein Andenken ohnehin nicht geschehen. — Nimmtman eine wahre Gegenwart Jesu im Abendmahl an, so muß man auch annehmen,daß Brot und Wein z» sein aufhören, obgleich es sich noch als Erscheinung (Phä-nomens») darbietet. Der sacramcntalisch (nicht sichtbar) gegenwärtige Leib und