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Agnition Agnus Dci
dürfe. Diese Rede ward zu Mailand 1727 gedruckt. Zu ihrem 11. I. soll sieGriechisch ebenso fließend wie ihre Muttersprache geredet haben. So fuhr sie fort,sich auch in morgenländischen Sprachen dergestalt auszubilden, daß man sie einewandelnde Polyglotte zu nennen pflegte. Dabei trieb sie Geometrie und specula-tive Philosophie. Ihr Vater begünstigte diesen Trieb des Mädchens zur Gelehr-samkeit dadurch, daß er in seinemHause gelehrteGesellschaften versammelte, worinMaria philosophische Satze vortrug und vertheidigte. Der Präsident de Brosscsversichert ins. „Briefen über Italien ", daß man sich nichtsAngenehmereS denkenkönne als diese Unterhaltungen mit einem der hübschesten und gelehrtesten Mäd-chen ihrer Zeit. In ihrem 20. I. scheint sie dieser gelehrten Strcitubungen über-drüssig geworden zu sein; ihr Vater aber konnte nicht umhin, die Säße, welchesie vonZeit zu Zeit vertheidigt hatte, herauszugeben. Sie füllen einen O.uartband.Von jetzt zog die Mathematik sie so an, daß sie nicht allein über die Kegelschnitteeine Abhandlung aussetzte, welche Diejenigen nickt genug rühmen können, die siein der Handschrift gelesen, sondern sie gab auch in ihrem 30. I. Anfangsgründeder Analysis heraus, welche man als die beste Einleitung zu Eulers Werken be-trachtet hat, und die 1801 von Colso», Pros. in Cambridge , ins Engl. übers.worden. Dieses Werk versckaffte ihr einen so gegründeten Ruf, daß sie in ihrem32. I. zum ordentl. Professor der Mathematik bei der Uuivers. zu Bologna er-nannt wurde. Indeß scheint sie durch ihr tiefes Studium der Mathematik ihreheitere Lebensansicht eingebüßt zu haben. Sie entsagte allem Umgänge, begabsick in den strengen Orden der blauen Nonnen und starb in ihrem 81. I. (1709).Ihr „bioIo" vom Pater Frisi (Mail. 1709) hat Boulard ins Französ. übers.Ihre Sckwestcr, Maria Theresia , setzte mehre Cantaken und die 3 Opern„üokoinkbe", „Uilo in ckrineuui" und „Aiiocui" mir Beifall in Musik.
Agnition, 1) in Rechtsangelegenheiten Anerkennung eines Verhältnisses,einer Schuldn:.; für die Anerkennung einer Sckrift, Sache, Person als Indi-viduum, braucht man das Wort Rccoguition (s. d.); 2) im SchauspieleErkennungS- oder Entdecknngsscene, Auftritt, in welchem die handelnden Per-sonen von den ihnen bis dahin verborgenen Umständen, welche ihr Glück oder Un-glück bestimmen, Kenntniß erlangen. Die Agnition ist nach Aristoteles in derTragödie ein so wichtiger Theil, daß diePoetik desselben ein eignes Capitel (Xk >.nach Hermann'? Abtheilung) enthält, welches von den verschiedenen Mitteln han-delt, sie herbeizuführen. Sie ist jedoch nicht unbedingt nothwendig. Aristoteles nennt die Fabel einer Tragödie einfach, wen» die Veränderung des GlucksmstandcSohne unerwarteten Zufall und ohne Agnition erfolgt; verwebt aber, wennsie durchEins von Beiden oder durch Beides zugleich bewirkt wird.) Die Wirkung diesestragischen Hebels beruht auf der Überraschung, doch nicht sowol auf einer Überra-schung des Zuschauers als vielmehr auf dem Antheil, welchen er vermöge desMitgefühls an dem Zustande der überraschten Personen des S tücks nimmt. Die-ser Antheil Mindert sich oder verschwindet, wenn er selbst in den Zustand eines ganzunvorbereitet Überraschten versetzt wird; und eine solche Behandlung der Agnitionmacht sie daher in den meisten Fällen zum falschen Theatcreoup.
A g n o >- t e n, s. Monop hysiten.
AgnusDei (das Lamm GorreS), 1) ein Gebet der römischen Liturgie,das mir den Worte» I),-! ansängt, gemeiniglich vor derCov munion gesun-
gen wird und nach des Papstes SergiuS l. Verordnung K88 den Beschluü derMesse machte; 2) ein rundes Stuck Wachs, worauf die Figur des heiligen Lam-mes mit der Siegesfahne oder auch St.-IohanneS mit der Iahrzabl und dem Na-men des Papstes gedruckt ist. Der Papst weiht und verschenkt deren eine großeMenge. Ursprünglich vertheilte man in den Kirchen Roms den Rest der am Oster-abend geweihten Osierkerzen in kleinen Stücken unter das Volk, welches dieselbe»