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Ästhetik
ihrer Theile möglich und nothwendig geworden war, entstand auch bald die Auf-gabe, eine Theorie desSchönen, und mit ihr gewisse allgemein gültige be-setze zur Bildung und Beurtheilung desselben aufzustellen, welche auf dem Wesender „schönen Erkenntniß selbst" bei welchem Ausdrucke man das Gesühlsvermogenund die sinnliche Erkenntniß verwechselte ' beruhen sollte. Zu dieser Theorie legteder genannte Baumgarten, ein Schüler WolffS, den ersten Grund. Der Stand-punkt, von welchem man zuerst bei einer solchen ausging, war ein subjectiver, d. h.man betrachtete das Schöne zunächst nach seiner Wirkung auf Empfindung undGefühl, oder von Seiten der Fähigkeiten und Organe, mit welchen man dasselbeauffaßte. Da diese Betrachtung eine allgemeine Theorie,des Empfindungsvermö-gens voraussetzte, so nannte man diese Wissenschaft Ästhetik, weil -r,-rA,,§>c,wovon jener Name herkommt, Empfindung, Gefühl, sinnliche Vorstellung unddie sie begründenden Vermögen bezeichnet, welche nach den noch unauSgebildetenpsychologischen Ansichten der damaligen Zeit auch mit dem Namen niederes odersinnliches Erkenntnißvermögen umfaßt und von einander wenig unterschiedenwurden. Denn weil man eben vermittelst dieses Vermögens das Schöne zu kennenund wahrzunehmen glaubte, daß dieses vorzüglich das sinnliche Erkenntnißvermö-gen oder das Empfindungsvermögen anspreche, so suchte man eine Wissenschaft zuStande zu bringen, welche die Gesetze desselben, besonders in Beziehung auf dasSchöne, ebenso umfassen sollte, wie die Logik die Gesetze des Verstandes oderdes Denkvermögens umfaßt; daher zu begreifen ist, warum sie Baumgarten eineWissenschaft der sinnlichen Erkenntniß, und das «chöne das -L innlichvollkommene,oder die Fähigkeit eines Dinges, Vergnügen in uns hervorzubringen, nannte, durchwelche Erklärung das Schöne von dem Angenehmen, und die Wissenschaft vonder empirischen Kenntniß nicht hinlänglich unterschieden wird. Baumgarten kamalso durch Behandlung und Betrachtung des Empfindungsvermögens auf dasSchöne, und meinte, die Gesetze dieser sinnlich erkannten Vollkommenheit (die ästhe-tischen Gesetze) aus dem Begriffe aller Vollkommenheiten ableiten zu können.Was er nun aber als solche Wissenschaft in seinen Verträgen und Schriften (s.Baum garten) aufstellte, enthielt mehr praktische Regeln über Erfindung undBeurtheilung, Anordnung und Ausdruck des Schönen in der Kunst, vonüglichder Dicht- und Redekunst, als eine Untersuchung über das Wesen der Schönheitüberhaupt. Dieses Princip der sinnlichen Vollkommenheit aber, welches Baum-garten aufstellte, wurde von seinen Nachfolgern immer weiter ausgebildet, indemman die Natur des Empfindungsvermögens immer genauer untersuchte, und baldauf physiologischem und psvchologischem Wege, welcher durch Locke'S Sensualsystemund andrer Engländer lz.B. Burke'S) Untersuchungen sehr gangbar geworden war,die Natur ästhetischer Empfindungen erforschte, bald, vorzüglich durch Batieur,du Dos und andrer Franzosen Beispiel geleitet, eine Theorie der Künste unter die-sem Namen aufzustellen versuchte, welche jedoch, bevor nicht die reine Ästhetik,wovon sie abhängig ist, durch ein tieferes Princip begründet war, nothwendigschwankend ausfallen und eine empirische Kenntniß bleiben mußte. Kant, der dasganze Gebiet der philosophischen Wissenschaft seiner Beurtheilung unterwarf, undnach der Möglichkeit einer philosophischen Erkenntniß, welche über die Erfahrunghinausgehe, fragte, und nach dessen Untersuchungen die Philosophie als eine Wissen-schaft von den ursprünglichen Vermöge» und Gesetzen des menschlichen Geiste? er-schien, unterschied zwar genauer sinnliche Erkenntniß und Gefühl; aber er betrach-tete das Schone immer noch bloß in seiner Wirkung auf das Gefühl und stellte soüber das Schöne den Begriff des Ästhetischen . Und wenn ihm nun, nachdem erdem Vorstellungsvermögen und dem Begehrungövermögen ihre besondern Theorienangewiesen hakte, das Gefühlsvermögen übrig blieb, auf welches das Schöne alsobezogen wurde, daß man voraussetzte, das Schöne könne nur durch Gefühl wahr-