Attitüde
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gehoben, dem flüchtigen Augenblicke entrissen und für längere Dauer aufbewahrtund festgehalten sehen, wodurch diese Künste milder gemeinen Wirklichkeit in dasVerhältniß der Poesie zur Prosa des gemeinen Lebens treten. Indem aber ein Ge-mälde oder eine Statue ein wahrhaft ideales Kunstwerk ist, kann auch die Panto-mime es wiederum im-Lpiegel ibrer Kunst auffangen und auf ihre Weise darstellen.Jedoch selbst in diesem Falle scheint es nicht eigentlich die täuschende Nachahmungdes Gemäldes zu sein, worin das Wesen und der ästhetische Werth der Actitude alsKunstwerk besteht, sondern die Darstellung Dessen, was in dem Gemälde enthal-ten ist (seines Geistes), wie sehr auch Beides zusammenhänge. Über den Werthder Attitüde hat man verschieden gcurrbeilt. Da jedoch hier allein der ästhetischeStandpunkt, der von den Ideen der Kunst und Schönheit ausgeht, der richtigeist, so mußte, was bis jetzt noch Keinem gelungen, der bisher als Gegner dieser,jeden kunstgebildeten >Lin» anziehenden Darstellungen auftrat, der Begriff dieserAttitüden, vermöge dessen wir dieselben Darstellungen des schönen und Bedeu-tungsvollen in der festgehaltenen Stellung und Gebärde mcnschlicherKörper nennen,widerlegt, und die Unmöglichkeit, durchdiefeangefuhrtenKunstmittel etwasSchö-»es darzustellen, gezeigt werden, wenn die Attitüde mit Recht aus dem Reiche derKunst verwiese» werden sollte. Einen verschiedenen Rang der pantomimischenDarstellungen, zu welchen die Attitüde gehört, gibt es allerdings, nach Inhaltund Umfang. Denn in Hinsicht des Umfanges sind, wie angedeutet worden, diedramatischen von höherm Range; auch umfassen einige nur eine, andre mehrePersonen und Gruppen. In Hinsicht des Inhalts sind sie dagegen enlwederPhan-tasiebilder, in denen die Einbildungskraft sich freier zeigt, oder historisch; d. h.,ihre Gegenstände sind nach eigner Phantasie geschaffen, oder stellen einen in derWirklichkeit gegebenen Charakter dar, welchen die Gegenwart, Geschickte, My-thologie oder Poesie darbietet, obwohl die Mimik, um eine allgemeinere Anerken-nung des Zinnes ihrer Darstellungen zu bewirken, fast immer an irgend Etwas,durch Vergangenheit oder Gegenwart Gegebenes, sich anzuschließen genöthigt ist.Diese freiere Erfindung zeigt sich selbst in der letzter» Gattung dadurch, daß dasDargestellte keinem bestimmten Exemplare nachgebildet ist, sondern den Charaktereiner Classe von Erscheinungen oder Kunstwerken einer Zeit ausdrückt, wodurch diehistorische Attitüde wiederum in die Phantasiedarstellung übergeht. Diese Kunstnun wurde zu Ende des vorigen Iahrb. zuerst von der bewunderten Lady Hamilrongeübt, und sing, wie alle Kunst, mit Nachabmung des Vorhandenen an. LadyHa-milton wandte nämlich ihr ausgezeichnetes NachahmungStalcnk, welches sie, wiemehre englische Schauspieler, auch in der täuschenden Nachahmung lebender Perso-nen (vonden Engl. mdernvor;ugsweiseimimiion5genan»t)ge;eigthatte, bei ihremAufenthalte in Italien auf die Nachbildung der Antiken, sodass sie bald an mehrenbedeutenden Orren, selbst in Deutschland , ihre pantomimischen Nachbildungen an-tiker Statuen mit dem größten Beifall öffentlich zeigte und Lord Hamilton von ihrsagen durfte, er besitze in seiner Gattin eine ganze Sammlung von Antiken. „IhrAnzug bestand dabei", wie uns erzählt wird, „in einer langen, mit einem Bandeeinfach unter der Brust zusammengeknüpften Tuniea, worüber sie einen Shawlwarf, mit welchem sie alle erfoderliche Bekleidungen und Faltenwürfe leicht her-vorbrachte". Ihre Darstellungen wurden durch Rehberg nachgezeichnet und erschie-nen in diesen Abbildungen zu London . Vielfach erweitert und erhöht ward dieseKunsterfindung durch die unter unsberühmtgewordeneFrauHendel-Schütz, wel-che, durch einen vorzüglich gewandten und wohlgebauten Körper begünstigt, undmit einem ebenso feinen BeobachtungS-und Nachahmungstalent, als einer rei-chen und echt künstlerischen ErstndungSgabe ausgerüstet, in ihren pantomimischenDarstellungen eine Reihe herrlicher Attitüden, nicht nur im antiken (ägyptischenlind griechischen), sondern auch im neuern (italienischen und deutschen ) Kunststyle